Coronavirus

Trotz Coronavirus im Einsatz: Sieben stille Helden der Krise

Die Frontkämpfer in diesen Zeiten der Krise sind aber diejenigen, die das öffentliche Leben weiterhin aufrechterhalten - und dabei auch ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen. (Symbolbild)

Die Frontkämpfer in diesen Zeiten der Krise sind aber diejenigen, die das öffentliche Leben weiterhin aufrechterhalten - und dabei auch ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen. (Symbolbild)

Foto: Thomas Lohnes/Getty Images

An Rhein und Ruhr.  Sie sind im Einsatz, um Infizierten zu helfen. Sie sorgen dafür, dass Marktregale gefüllt sind. Sieben stille Helden der Coronakrise im Portrait.

Die Coronakrise verlangt in diesen Tagen allen Menschen einiges ab: Eltern wissen nicht, wie sie ihre Kinder betreuen sollen, nachdem Kindergärten und Schulen schließen mussten. Trauernde können nicht an den Beerdigungen von Freunden und Bekannten teilnehmen. Und Kinder sind in Sorge um die Gesundheit ihrer Eltern.

Die Frontkämpfer in diesen Zeiten der Krise sind aber diejenigen, die das öffentliche Leben weiterhin aufrechterhalten - und dabei auch ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen. Wir stellen sieben der unzähligen stillen Helden der Coronakrise in Kurzportraits vor.

Eine Krankenschwester im Fieberzelt

Im Fieberzelt vor dem Klever Krankenhaus sind schon hunderte Menschen untersucht worden, bei denen mit Corona-Symptomen werden Abstriche gemacht. Dutzende wurden positiv auf Covid-19 getestet. Susanne Dieckmann-Leuchtgens arbeitet hier nahezu täglich. Freiwillig, wie die anderen Pflegekräfte und die Ärzte. Gut geschützt, mit einer Maske, Haube, Visier, OP-Kleidung und Schutzkittel. Für sie sei eine Selbstverständlichkeit gewesen, sich freiwillig zu melden, sagt die 61-jährige Krankenschwester und Patientenmanagerin. Zu dritt nehmen sie im Fieberzelt die Patienten auf.

Eine Pflegekraft, ein Mediziner, ein Verwaltungsmitarbeiter. Trotz der Krise „bin ich relativ entspannt“, sagt Dieckmann-Leuchtgens. Sie und ihre Kollegen erwarteten, dass es zu einem großen Einsatz kommt. „Aber wir sind gut vorbereitet.“ Manchmal ärgert sie sich. „Manche Patienten werden sehr ungehalten, wenn sie nicht getestet werden.“

Ein Mediziner nimmt Proben im Abstrichzentrum

Dr. Michael Weyer, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein und Allgemeinmediziner, nimmt Proben am neu eingerichteten „Abstrichzentrum“ an der Trabrennbahn in Dinslaken und wird dabei von einer Mitarbeiterin und einer Kollegin unterstützt. Oft muss er sich dabei tief ins Innere des Autos beugen, oft wird er angehustet. Ob er sich nicht vor Ansteckung fürchtet? „Ich trage ja Schutzkleidung“, sagt er – und dem Infektionsrisiko sei er in noch größerem Maß in seiner Praxis sowie in der Notdienstpraxis im Vinzenz-Hospital ausgesetzt.

In der Notdienstpraxis habe jüngst ein Corona-Patient einen Arzt und zwei Mitarbeiterinnen außer Gefecht gesetzt. Der Mann war krank und kam gerade aus Südtirol zurück – das hat er aber nicht gesagt. Die Kollegen stünden nun unter Quarantäne.

Seine Arztpraxis versuche derzeit, Termine abzusagen, die nicht dringend notwendig seien. Das Abstrichzentrum sei schon aus Gründen der Materialkapazitäten ein Gewinn. In der Praxis müsse der Arzt für jeden – über den Tag verteilten – Corona-Abstrich neue Schutzkleidung benutzen, beim Abstrichzentrum sei es möglich, eine ganze Reihe Proben mit nur einer Garnitur zu nehmen.

Ein Feuerwehrmann im Krisenmodus

Für Jörg Spors fängt der Arbeitstag seit drei Wochen um 6 Uhr morgens an. Erst spät in der Nacht ist Schicht. Der 51-Jährige ist Hygienebeauftragter bei der Feuerwehr in Essen und seit Beginn der Corona-Krise Mitglied des städtischen Krisenstabs. Im Lagezentrum in der Feuerwache 1 läuft alles zusammen. Drei Lagebesprechungen am Tag, ständig neue Fallzahlen, zahlreiche Anrufe von besorgten Bürgern. „Die Leute saugen eine Menge Informationen auf. Vieles wird aber auch falsch dargestellt“, berichtet der 51-Jährige.

Es gibt viel Aufklärungsbedarf. Auch bei den Kollegen der Feuerwehr und bei den Rettungsdienste. Spors hat Antworten. Er hat den städtischen Pandemieplan mit ausgearbeitet. Obwohl die Krise „ein Ausmaß angenommen hat, mit dem keiner gerechnet hat“, ist Spors guter Dinge. „Ich bin begeistert, wie gut wir hier zusammenarbeiten.“ Das macht Mut, sagt er, auch für das, was noch kommen könnte.

Die Polizei bittet um etwas Abstand

Besonders für Polizeibeamte im Streifendienst ist die aktuelle Corona-Lage mit Schwierigkeiten verbunden. Die Streifenwagen der Polizisten seien zwar ausreichend mit Schutzausrüstung ausgestattet und die Beamten besonders geschult, trotzdem ist es immer noch gefährlich, wie Judith Herold, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt: „Es gibt Situationen, in denen es schwierig ist, Distanz zu wahren.“

Trotz aller widrigen Umstände sei die Sicherheit der Bevölkerung weiterhin gewährleistet, versichert Herold, der Notruf 110 weiterhin erreichbar. Allerdings appelliert sie an die Solidarität der Bevölkerung, die Menschen sollen möglichst zuhause bleiben. Außerdem solle es vermieden werden, mit Polizeibeamten in Kontakt zu treten, wenn es nicht unbedingt nötig ist: eine Anzeige könne etwa auch Online aufgegeben werden, rät Herold.

Hilfe, wo Hilfe nötig ist

Seit drei Jahren gibt es den Friedensdorf-Laden "Friedas Welt" in Oberhausen-Schmachtendorf. Jetzt musste Mitarbeiterin Anke Meyer die Ladentüren schließen. Doch statt nichts zu tun, überlegte sie, wie sie in der Krise helfen kann. Die Idee war schnell geboren: Ein Netzwerk soll gegründet, kostenlos Hilfe geleistet werden. Einkaufen, den Hund ausführen, Rezepte einlösen. 33 Personen im Alter von 15 bis 65 Jahren haben sich gemeldet. Noch gibt es wenig Arbeit für sie.

"Im Moment sind viele Bürger noch versorgt", glaubt Anke Meyer. Aber es gebe bereits Anfragen, ob man demnächst auf das Angebot zurückgreifen könnte. Am Freitag ist sie Apotheken, Ärzte und Reinigungen abgefahren und hat dort Infoblätter mit der Telefonnummer verteilt. Denn ältere Menschen suchen solche Hilfe nicht über Facebook. Auch wenn "Friedas Welt" geschlossen hat, ist sie vor Ort, um Sachspenden entgegen zu nehmen, die vor der Tür abgestellt werden. "Ich hoffe, dass wir gestärkt aus der Krise gehen werden."

Im Supermarkt ist richtig was los

Carmen Wagner arbeitet als Kauffrau im Einzelhandel. Die große Nachfrage und die Hamsterkäufe von bestimmten Produkten erlebt sie hautnah. Über die eigene Ansteckungsgefahr, das Verhalten von manchen Kunden und die Frage, ob Lebensmittel knapp werden, sprach sie mit der NRZ:

„Die Sorge sich anzustecken, ist natürlich immer da, gerade durch den vielen Kundenkontakt. Deshalb wünsche ich mir, dass die Kunden die Abstandsregeln einhalten, lieber allein einkaufen kommen als mit der gesamten Familie und so viel wie möglich mit Karte bezahlen. Leider nehmen einige Kunden die Lage immer noch nicht ernst. Die Arbeit selbst ist mehr geworden. Der Warenfluss ist da und wir bekommen sogar die doppelte Menge an Waren. Weil wir aber nicht mehr Personal haben, bekommen wir die Regale teilweise nicht mehr befüllt.“

Waldorfs Wachteln haben jetzt ein neues Zuhause

Bernhard Küper ist Lehrer am Heliand-Zweig der Waldorf-Schule Essen, einer Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, wo normalerweise rund 80 Kinder und Jugendliche betreut, gefördert und unterrichtet werden, unter anderem gehört ein Schulgarten dazu. "Die erste halbe Woche der Corona-Zwangspause haben wir hinter uns, und endlich machen die meisten mit bei den virusbeschränkenden Maßnahmen. Unsere Wachteln sind vom Schulgarten zu mir nach Hause umgezogen. Mit dem beginnenden Frühling fangen sie wieder mit dem Eierlegen an.

Ach ja: ich achte in diesen Tagen ganz besonders auf gute und gesunde Ernährung in der Familie. Das ist im Moment das beste, was wir zur weiteren Vorbereitung tun können. In unserer Straße reden Menschen miteinander, die sich vorher gar nicht kannten. Für die älteren
Nachbarn wird gut gesorgt und eingekauft. So hat der Hausarrest sogar noch etwas Gutes!"

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