Kolumne: Geschenkt

Unser Jau mit Jupp: Noch mal Danke, Josef Krings!

 Maike Maibaum betreut das Ressort „Familie und Irrsinn“.

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Foto: Funkemedien

Der Bilderbuch-Sozialdemokrat Josef Krings ist gestorben. Er war immer für die Duisburger da - und hat nebenbei meine Hochzeit gerettet.

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Es gibt mindestens 498 182 Gründe, den gerade verstorbenen Alt-Oberbürgermeister Josef Krings zu vermissen. So viele, wie Duisburg Einwohner hat. Der SPD-Politiker ist ja zur Ruhrpott-Legende geworden, weil „der Jupp“ für jeden da war. Kann ich bestätigen, denn ohne Krings wäre meine Hochzeit vor 23 Jahren beinahe geplatzt...

Wir wohnten zwar damals in Rüttenscheid, wollten aber im Duisburger Rathaus heiraten. Erstens, weil das Essener Standesamt in einem finsteren Hochhaus lag. Und zweitens, weil Duisburg in den 90ern noch nicht die ewig stolpernde Stadt war… sondern sympathisch. Stahlwerke galten plötzlich als cool und wurden von Künstlern farbig angestrahlt. Der Ruhrpott-Kult kochte hoch und wir hatten eine romantische Idee: Wir würden auf dem Standesamt nicht „Ja!“ sagen, lieber pott-patriotisch: „Jau!“

Ein mittelguter Plan, denke ich im Nachhinein. Im Mai 1996 eilten wir sorglos in das historische Trauzimmer am Burgplatz. Im Foyer begegnete uns Josef Krings. „Och...“, sagte der, „ihr heiratet heute, wie schön...“ Der Oberbürgermeister kannte meine Eltern aus der Zeit, als mein Vater noch NRZ-Lokalchef war. Und ich hatte auch schon sechs Jahre in der Duisburger Redaktion und viele Termine mit Josef Krings hinter mir. „Das muss ich mir ansehen“, erklärte Krings, mischte sich unter Familie und Freunde, stellte sich dann hinten neben die Eingangstür. Fanden wir klasse. Natürlich waren wir ein bisschen stolz auf den Promi-Gast. Hochglanz, und noch mehr Herz…

Kämpferischer Kumpel

Traut euch: „Jau!“ schmetterten wir auf die entscheidende Frage des Standesbeamten. Der war allerdings kein glühender Ruhri, sondern Norddeutscher. Der Mann wirkte irritiert, es entstand ein gellendes Schweigen: Im Raum schien die übergroße Justitia zu schweben: Jau? Nicht rechtskräftig! Auf ihren Waagschalen standen 120 Gäste, eine Party-Scheune, die Hochzeitsreise, eine Schale kippte... In dem Moment blickte der Beamte hinten zur Tür, zu seinem Hausherrn. Ich weiß nicht, ob Josef Krings versöhnlich nickte oder ein Auge zudrückte. Oder ob er einfach da stand und dieses souveräne „Ich-bin-auf-eurer-Seite!“-Gefühl ausstrahlte, das ihn nicht nur im Rheinhauser Arbeitskampf zum Kumpel aller Duisburger machte. Ganz sicher weiß ich, dass ich drei Sekunden nach dem Blickwechsel glücklich verheiratet war.

Heute sind viele bunte Strahler an den hippen Hochöfen kaputt, Pott-Romantik ist längst retro. Duisburg ringt mit dem Image als Stadt der Pleiten und Katastrophen. Die SPD krampft, taumelt.

22 Jahre nach dem Ende seiner Amtszeit ist Josef Krings gestorben. „Der Jupp“ wird bleiben. Jau!

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