Jobcenter

Verdi fordert einheitliches Sicherheitskonzept für Jobcenter

Angriffe auf Sachbearbeiter in Jobcentern: Verdi reichen die bisherigen Präventionsmaßnahmen nicht aus.

Foto: Patrick Seeger

Angriffe auf Sachbearbeiter in Jobcentern: Verdi reichen die bisherigen Präventionsmaßnahmen nicht aus. Foto: Patrick Seeger

Rhein und Ruhr.  Angriffe auf Jobcenter-Mitarbeiter geschehen immer wieder. Ein Verdi-Sprecher erklärt, welche Maßnahmen die Sicherheit stärker gewährleisten.

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26. September 2012: In Neuss sticht ein 52-jähriger Mann eine Mitarbeiterin in einem Jobcenter nieder. Die Frau stirbt kurz nach der Attacke an ihren Verletzungen. Fünf Jahre später, am 4. Dezember 2017, attackiert ein 37-jähriger Mann seinen Sachbearbeiter im Jobcenter in Hattingen, weil ihm die Leistungen gekürzt wurden. Dies sind nur zwei Fälle der zahlreichen Attacken auf Jobcenter-Mitarbeiter in den vergangenen zehn Jahren.

"Die Vorfälle haben sich nach meinen Erkenntnissen in der letzten Zeit nicht sonderlich vermehrt. Sie haben aber auch nicht abgenommen", sagt Helmut Schneider, Landesbezirksfachbereichsleiter von der Gewerkschaft Verdi. Angesichts des stetig wachsenden Kundenverkehrs, "haben wir Grund zur Sorge, dass sich die Anzahl aber eher vergrößern wird", so Schneider weiter.

Unterschiedliche Auffassungen von Sicherheit am Arbeitsplatz

Aus der Sicht von Verdi müsste es identische Sicherheitsstandards in allen Jobcentern geben. Laut Schneider scheitert diese Forderung jedoch "an den Kosten oder den vorhandenen Räumlichkeiten, die das nicht immer zulassen". Außerdem liege es daran, dass die Agentur für Arbeit und die jeweilige Kommune unterschiedliche Auffassungen von Sicherheit am Arbeitsplatz haben.

Unmittelbar nach dem tödlichen Messerangriff im Jobcenter in Neuss hatten das damalige Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales und die Regionaldirektion des Landes NRW, das Programm "Mit offenen Augen – Überlegungen zur Gewaltprävention" für Jobcenter und Arbeitsagenturen entwickelt.

Konzepte zur Reduzierung von Bedrohungen

Darüber hinaus gibt es das sogenannte "Aachener Modell zur Reduzierung von Bedrohungen und Übergriffen am Arbeitsplatz", ein Konzept der Unfallkasse, erklärt Thomas Hauberichs, Pressesprecher des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales.

"Diese beiden Dokumentationen dienen den Jobcentern als Grundlage für die Entwicklung der örtlichen Konzepte", so Hauberichs. Zu den aufgeführten Maßnahmen in den Konzepten zählen unter anderem eine Alarmierungssoftware, Panikschlösser, Fluchttüren und eine Möblierung, die eine hohe Sicherheit bietet.

Schulungen im Bereich Gewalt- und Eskalationsprävention

Außerdem werden die Mitarbeiter kontinuierlich in den Bereichen Gewalt- und Eskalationsprävention geschult. "Übergriffe auf Beschäftigte der Jobcenter werden zudem konsequent durch die Verhängung von Hausverboten und Strafanzeigen geahndet", erklärt Thomas Hauberichs.

Verdi reichen die vorhandenen Vorkehrungen jedoch nicht. "Wir vermissen ein einheitliches Vorgehen von Seiten der Träger der Jobcenter in NRW als auch bundesweit", sagt Schneider. Er spricht sich für den Einsatz von Sicherheitsschleusen oder Körperscannern im Eingangsbereich aus. Nötigenfalls muss mehr Personal eingesetzt und finanziert werden. "Die Träger der Jobcenter stehen hier in der Verantwortung."

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