Ausstellung

Vom Schauder zum Zauber

Berg en Dal.   Groesbeek. Das Afrika-Museum im niederländischen Berg en Dal rückt in der Ausstellung „Göttlich und unheimlich – Das Geheimnis der Schlange“ dem vielfältigen Erscheinungsbild des Reptils zu Leibe.

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Furchteinflößend, glitschig, nackt – doch zugleich erhaben, anmutig und schön. So kennen wir sie. Unterm Bett oder im Garten wollten wir ihr lieber nicht begegnen. Im Zoo oder im Museum hingegen schon. Dort lassen wir uns gern von der Faszination der Schlange überzeugen und revidieren bereitwillig unser „Wissen“, das oftmals aus einer Mischung von Vorurteilen und Halbwahrheiten besteht.

Aktuell können wir dies am besten im Afrika Museum im niederländischen Berg en Dal. In Themenblöcken wie „Die fruchtbare Schlange“, „Die Schlange als Justitia“, „Die verführerische Schlange“ bis hin zu ihrem Vorkommen als Modemotto für 2012 wird dort dem vielfältigen Erscheinungsbild der Schlange zu Leibe gerückt. Auch die Museen, aus denen die Installationen, Skulpturen und Gemälde der mit „Göttlich und unheimlich – Das Geheimnis der Schlange“ betitelten Schau stammen, sind äußerst vielfältig. Ob Tropenmuseum in Amsterdam, Metropolitan Museum of Art in New York oder Museum für Völkerkunde in München – die Liste der renommierten Leihgeber ist lang.

„Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben“. So steht es schon in der Bibel. Kein Wunder, dass auch die Ausstellung bei Adam und Eva beginnt. Gleich im ersten Raum zeugt eine mit Silber überzogene Skelettskulptur des Niederländers John Breed vom Ende des Paradieses. In „Goodbye Paradise“ unterliegen Mann und Weib gleichermaßen der Versuchung, von der durch die Schlange offerierten, verbotenen Frucht zu naschen.

Ein Motiv, das sich mit wechselnden Darstellern – mal weiße Frau und schwarzer Mann, dann wieder umgekehrt, aber immer mit einer Schlange als Verführerin – wie ein roter Faden durch die Ausstellung zieht. Im nächsten Saal symbolisiert der raumfüllende Altar des haitianischen Künstlers Edouard Duval Carrié die mystische Hochzeit zweier „schlängelnder“ Geistwesen aus dem Voodoo-Götterreich.

Nur ein paar Räume weiter bilden dazu – neben Schlangensesseln von afrikanischen Königen - aus Polyester gefertigte Schlangenstühle von Nikki de Saint Phalle den modernen Kontrast. Eine Nimweger Schülerin der 2. Klasse kommentiert auf einer Objektinfo ihr Kennenlernen mit der Künstlerin: „(...) Sie macht diese Kunstwerke, um das Trauma, das sie als Kind bekam, zu verarbeiten. Ich las, dass sie, als sie elf war, von ihrem Vater sexuell missbraucht wurde. Sie kommt aus Frankreich und hat einen Großteil ihres Lebens in Italien und Amerika gewohnt“. An vielen weiteren Objekten sind die Ergebnisse dieser angesagten Kunsterziehung sichtbar.

Gruselige Raritäten

Wie über einen Schlangenpfad bewegt man sich durch die Schau. Dabei säumen Dolche aus Tibet, Filmplakate aus Ghana, Gehstöcke aus Mexiko, mystische Bilder der Aborigines, Schmuck, Tattoos, Graffiti und Masken den Weg. Auch das berühmte Gemälde „Lilith“ des britischen Malers John Collier sowie „Medusa“ als schlangenbehaarte Schreckgestalt der griechischen Mythologe sind hier in Szene gesetzt. Allen Objekten ist gemein: sie bilden Form oder Teil einer Schlange oder aber es ziert sie ein Schlangenmotiv. Und sie zeigen die unterschiedlichen Bedeutungen, mit der die Schlange in der Welt, je nach Kulturkreis und Lebensphase mal als Heilsbringer oder Schutztier verehrt, mal als Dämon oder Ungeheuer verachtet wird.

Gruselig wird es im Raritätenkabinett. Dort starren einen Schlangen aus hohlen Augen an. In Wasser hinter Glas zu sehen eine Boa Constrictor, die den Mexikanern als Abgesandte der Götter galt. Nicht minder schauderhaft kommt die hier konservierte Königspython zur Geltung, wenngleich diese Schlange aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Größe von maximal zwei Metern häufiger in europäischen Terrarien anzutreffen ist.

Wer verführen will greift lieber zur Golden Boa im Dress-Format des englischen Designers Richard Sorger. Auch sein Paradies-Kleid (Garden of Eden-Dress) tut sein Übriges. Gepaart mit High Heels aus Schlangenleder des bekannten niederländischen Schuh-Designers Jan Jansen sowie den entsprechenden Accessoires (Taschen, Ringe, Kragen und Schals) kann dem Schlangen-Fetisch nichts mehr im Wege stehen.

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