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Warum Hannelore Kraft Hausverbot in Klever Kneipen bekam

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Nichtraucherschutzgesetz 2013 – Klever Wirte informierten zt Ministerpräsidentin Kraft, dass sie „Hausverbot“ habe. Die Kneipiers plakatierten aus Protest gegen das Nichtraucherschutzgesetz gegen die rot-grüne Landesregierung.

Nichtraucherschutzgesetz 2013 – Klever Wirte informierten zt Ministerpräsidentin Kraft, dass sie „Hausverbot“ habe. Die Kneipiers plakatierten aus Protest gegen das Nichtraucherschutzgesetz gegen die rot-grüne Landesregierung.

Foto: WAZ FotoPool

An Rhein und Ruhr   Das Nichtraucherschutzgesetz setzte der Gastronomie 2013 sehr zu. Die Reaktion Klever Kneipiers: Hausverbot für Ministerpräsidentin Kraft.

Nach einem Abend mit frisch gezapften Bier, schummerigen Kneipenlicht und guter Gesellschaft war eines gewiss, noch am nächsten Morgen roch die Kleidung nach kaltem Zigarettenrauch. Denn egal ob man selbst zum Glimmstängel griff oder nicht, die Kneipen waren stets gefüllt mit blauen Dunstschwaden. Bis am 1. Mai 2013 das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft trat und Schluss war mit der Quarzerei. Sehr zum Leidwesen vieler Gastronominnen und Gastronomen.

Wie damals eine anonymisierte Abfrage unter Klever Gaststättenbetreiber ergab, kam es schon im ersten Monat zu 15 bis 40 Prozent Umsatzeinbußen und 50 Prozent Gästeeinbußen. Die Hälfte fürchtete laut Umfrage schon 2013 um ihre Existenz.

Hausverbot für damalige Ministerpräsidentin

Und so formte sich nach der Entscheidung Protest in manchen Wirtshäusern. Die Folge: Die Klever Gastronomen erteilen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Hausverbot. Innerhalb kürzester Zeit kamen 1500 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner für das ungewöhnliche Hausverbot zusammen.

Doch die Frustration ist verständlich. Viele Besuchende zeigten sich damals nicht begeistert von den neuen Regelungen. „Auch die nicht rauchende Klientel. Weil Stammtische auseinanderbrechen, wenn die Hälfte permanent vor der Tür stehen müssen“, erzählte damals Rainer Vogt vom mittlerweile geschlossenen Klever Coffee House. Mit einem so großen Einschnitt hätten viele nicht gerechnet.

Zuvor wurde in Raucher-Räume investiert

„Sehr ärgerlich“ sei auch, dass die befragten Betriebe in den Jahren bis 2013 zusammen 190 000 Euro – jeder zwischen 7000 und 10 000 Euro – investiert hatten in spezielle Raucher-Räume. Umsonst, denn seit dem generellen Nichtraucherschutzgesetz reichen die Räumlichkeiten nicht mehr aus. „Außerdem haben einige nie da gewesene Probleme mit der Nachbarschaft.“ So schlimm, dass sogar die Polizei wegen der Lärmkulisse und zertretener Kippen vor der Tür anrücken musste, erklärte Vogt damals.

Für das strikte Rauchverbot in NRW hatten zuvor Ärzte und Gesundheitsverbände appelliert. Auch die Ärztekammer Nordrhein, betrachtete die neue Regelung 2013 nicht als Einschränkung sondern als Schutz. Bisher hätten Angestellte von Raucherkneipen in einer giftigen Atmosphäre gearbeitet. Doch nach Inkrafttreten formierte sich auch in anderen NRW-Städten feuriger Widerstand.

Demonstration für Rauchfreiheit

Im Juni 2013 demonstrierten fast 4000 Menschen in Düsseldorf gegen das Qualmverbot in Kneipen. Mit der Zigarette im Mundwinkel und ordentlich Wut im Bauch kamen die Demonstrierenden zusammen, um ihre Protestglut in Richtung rot-grüner Landesregierung zu schnippen. Der Zorn der Wirte, Schützen, Karnevalisten und Bürger richtete sich gegen das bis dato härteste Nichtraucherschutzgesetz der Republik. Nur Bayern war ähnlich kompromisslos.

Erhört wurden die Protestler allerdings nicht. Das strikte Rauchverbot blieb und in den folgenden vier Jahren, bis 2017, sank die Zahl der Schankbetriebe in NRW von 10 178 auf 8461. Dazu erklärte 2017 der Branchenverband Dehoga, die strengeren Gesetze seien natürlich nicht der Kernpunkt, habe die Lage in der Gastro aber verschlechtert.

Bis heute gilt in NRW Kneipen das strikte Rauchverbot. Wer doch zur Zigarette greift muss vor die Tür treten. Nur zu später Stunde, hinter halbverschlossenen Rollladen, kann man es zuweilen glimmen sehen. (vad)

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