NRZ-Bankgeheimnis

Warum Johanna die Welt aus der Vogelperspektive sieht

Matthias Maruhn im Gespräch mit Journalistin und Autorin Johanna Romberg.

Matthias Maruhn im Gespräch mit Journalistin und Autorin Johanna Romberg.

Foto: Selina Sielaff / funkegrafik nrw

An Rhein und Ruhr.  NRZ-Kolumnist Matthias Maruhn im Gespräch mit Ex-Kollegin Johanna Romberg. Sie ist Autorin und hat ein Buch über das Federnlesen geschrieben.

Wir sind bei Freunden zum Essen und mit dem Nachtisch schiebt uns Anne ein Buch samt folgender Empfehlung über den Tisch: Ganz große Klasse. Meine Frau liest den Titel halblaut vor: „Aha, Federnlesen, vom Glück, Vögel zu beobachten. Leiht ihr mir das?“ Anne sagt „klar“, und ich werfe nun auch einen Blick auf den Deckel.

Gibt’s doch gar nicht. „Johanna Romberg, die Autorin, die kenn‘ ich.“ Die kleine Tafelrunde hebt neugierig den Kopf. Ich rudere zurück. „Also nicht so richtig. Über die Arbeit. Von früher. Nicht persönlich“. Fragezeichen ploppen über den Köpfen auf. „Muss ich wohl erklären, oder?“ Die kleine Tafelrunde nickt und ich hebe an.

Das Jahr 1985. Ich war gerade von der WAZ zur NRZ gewechselt, und beim ersten Volontärtreffen erzählte mir eine Kollegin von Johanna, einer tollen jungen Mitarbeiterin, deren Fähigkeiten aber von der Chefredaktion nicht ausreichend erkannt wurden, sonst hätte man bei den Jobs nicht immer wieder einen Pappkopp, also einen Mann, vorgezogen. Der Zusatz „so wie dich“ hallt ungesagt nach.

NRZ-Kolumne: Johanna Rombergs Erfolgsgeschichte

Das nagte Jahre an mir, bis ich jetzt erfuhr: Johanna war zu der Zeit schon in einer parallelen Erfolgsspur unterwegs, sie hatte an der Henry-Nannen-Schule einen Platz ergattert, schrieb Jahrzehnte bei GEO, heimste Journalisten-Preise ein und feiert nun eben als Buchautorin fröhliche Erfolge.

Ein Besuch. Wir sitzen im Garten ihres Hauses in der Heide, wir reden kurz über die Kollegen und Kumpel von einst, dann länger über ihre lange Liebe, die Vögel.

Wie kam’s? „Ich lebte als Kind in Duisburg und meine Eltern mochten Spaziergänge am Niederrhein, ich fand das stinkelangweilig, ich quengelte. Deshalb kauften sie mir ein Fernglas und das Buch ‚Was fliegt denn da?‘.“ Die Liebe schlüpft sofort, Johanna lernt rasant, weiß schnell mehr als die Eltern, was einem Kind Flügel verleiht. Bis heute ist sie Flugbegleiterin, akzeptiert, dass man als „Birder“, wie die Vogelgucker heute heißen, mitunter ein etwas „schratiges Image“, wie Johanna es nennt, zu schultern hat. Aber mit dem Wissen wachsen auch die Sorgen. „Den Vögeln geht es heute dreckig.“

Die Vogel-Liebhaberin kritisiert Steingärten

Nur eine Zahl: In Europa gibt es knapp eine halbe Milliarde Vögel weniger als noch 1985, ein Drittel ist verschwunden. Johanna weiß und sagt, dass diese Tragödie viele Autoren hat. Wir hüpfen nur kurz durch die Themen, Johanna spricht aus der Vogelperspektive. Steingarten? „Warum kauft sich jemand ein Haus mit Garten, wenn er gar keinen will.“ Katzen? „Die sind viel schlimmere Vogelkiller, als die meisten Besitzer auch nur ahnen. Am besten im Haus halten, niemals zwischen April und Juli in den Garten lassen.“

Gartenpflanzen? „Nichts exotisches, lieber Schlehen, Saalweide, dazu Löwenzahn und Wicken.“ Futter? „Durch den Insektenschwund gilt: das ganze Jahr füttern.“ Windkraft? „Unabdingbar für den Energiewandel, furchtbar für Mäusebussard und Milan. Da muss uns was einfallen.“
Ach, herrjeh. Schon wieder am Textende. Wer mehr wissen will, muss wohl das Buch kaufen. Meine Frau sagt gerade, wir wohl auch, Anne will ihr Exemplar ja bestimmt irgendwann zurück.

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