Landestheater Burghofbühne

Warum soll man denn noch ins Theater gehen, Herr Schombert?

Mirko Schombert, hier im „Werkstatt Theater“-Gespräch  in Wesel.

Mirko Schombert, hier im „Werkstatt Theater“-Gespräch in Wesel.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Seit fünf Jahren ist Mirko Schombert Intendant der Burghofbühne Dinslaken. Ein Gespräch über Kunst, Leben, Politik und dem Auftrag des Theaters.

Seit fünf Jahren ist Mirko Schombert nun Intendant der Burghofbühne Dinslaken, und es ist ihm gelungen, das kleinste der fünf NRW-Landestheater auf Erfolgskurs zu bringen. Im letzten Jahr ist das Ensemble 16.000 Kilometer unterwegs gewesen, auch in der kommenden Spielzeit ist die Truppe wieder zu hundert Prozent ausgebucht. Etliche Bühnenhäuser oder Stadthallen in NRW buchen die Dinslakener inzwischen sogar blind, weil sie Qualität liefern.

Schomberts Erfolgsrezept: Er setzt auf bekannte Titel, gute Regisseure und auf eine zeitgenössische, aktuelle Perspektive – auch bei alten Stücken. Und er kann sich auf sein hochmotiviertes Team verlassen.

Warum soll man überhaupt noch ins Theater gehen, Herr Schombert? Streaming-Dienste bringen doch alles ins Haus.

...weil Sie im Theater nicht nur die Welt treffen, sondern auch die Menschen, die mit Ihnen gemeinsam diese Welt beleben, und das glaube ich, ist etwas, was in unserer heutigen Zeit viel zu kurz kommt.

Wenn ich mir Ihre Stücke angucke: Schillers „Räuber“, „Kollaps“ von Philipp Löhle... Wird das Theater wieder politischer?

Ich glaube, dass das Theater immer politisch war und auch geblieben ist. Im Augenblick entwickelt das Theater aber wieder Mut zu etwas dezidierteren politischen Aussagen.

Welches sind denn für Sie die dringenden Themen für das Theater?

Die Themen, die uns alle als Gesellschaft umtreiben, beschäftigen auch das Theater: Erstarken populistischer Strömungen, Vereinzelung und Individualisierung der Menschen. Auch Umwelt ist natürlich ein Thema. Klimaschutz.

Es geht nicht darum, das dass Theater die Lösung parat hat. Es kann nur ein Teil der großen Maschinerie sein, die Fragen stellt, um sich gemeinsam auf die Suche nach Lösungen zu machen.

Fragen stellen ist also eine Aufgabe des Theaters?

War es schon immer, ist es und wird es bleiben.

Die Premiere von Schillers „Die Räuber“ steht nun an. Sind solche „olle Kamellen“ denn noch von Interesse?

Wir merken im Zuspruch, dass die Leute es sehen wollen. Im Augenblick stellen wir uns ja alle irgendwie die Frage, welche Überzeugungen schlummern in mir, was bin ich bereit, für diese Überzeugungen zu opfern, zu leisten, welche Grenzen bin ich bereit, zu überschreiten, um für eine Überzeugung einzutreten, welche Grenzüberschreitung ist nicht mehr legitim, heiligt der Zweck wirklich die Mittel.

Und das alles auch in einer politisch aufgeheizten Situation sowohl innerhalb des Universums der Räuber als auch in unserer Welt.

Was ist denn Ihr liebstes Theaterstück?

Ich kann Ihnen nicht das eine Theaterstück nennen, das mein liebstes ist. Ich weiß, dass ich als Schüler sehr angefixt war, als wir in der Schule Faust gelesen haben. Das hat für mich schon eine Welt aufgemacht. Das ist für mich so universal, dass ich da immer wieder neue Dinge drin entdecken kann und da Spaß dran habe.

http://www.burghofbuehne-dinslaken.de/

Sind Sie auf eine Inszenierung der letzten Jahre besonders stolz?

Ganz aktuell freue ich mich natürlich, dass wir mit der Inszenierung, die ich von „Extrem laut und unglaublich nah“ von Jonathan Safran Foer machen durfte, zum NRW-Theatertreffen eingeladen wurden. Schon das war für uns ein Riesenerfolg, gerade für uns als kleines Theater.

Und dass diese Inszenierung dort auch noch so gut ankam: Julia Sylvester hat den Förderpreis Schauspiel gewonnen, die Vorstellung selber hat den Publikumspreis bekommen. Das ist natürlich etwas, das mich und uns alle hier stolz macht.

Was antworten Sie Leuten, die sagen, ins Theater gehen in der Woche 250 Leute und dafür werden Millionen ausgegeben. Lasst uns das Geld doch lieber in populärere Dinge investieren als in Kultur für Eliten.

Es ist ganz interessant, dass in einem Jahr in Deutschland mehr Leute ins Theater gehen als in die Bundesligastadien. Der Vergleich ist natürlich nicht ganz fair, weil im Theater oft täglich gespielt wird und die Bundesligaspiele seltener stattfinden. Das heißt, Theater ist nicht so elitär wie es viele Kritiker sehen. Dennoch ist Theater, das muss man auch nicht beschönigen, leider nicht die Kunstform, mit der man hundert Prozent einer Stadtbevölkerung erreicht.

Aber die meisten Theater haben eine sehr treue und breite Zuschauerbasis, gerade auch im Bereich der Nachwuchsförderung, in unserem Fall die Spielclubs, in denen die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt hier spielen, in der Jugendarbeit. Es gibt das theaterpädagogische Angebot, die Kooperation mit Schulen, mit Kindergärten, das ist alles andere als elitär und eine wichtige Stütze städtischen Lebens.

Wenn Sie sich für die Burghofbühne etwas wünschen könnten – was wäre das?

Eine solide finanzielle Ausstattung wäre einer meiner Wünsche. Unser Budget wurde durch die Reduzierung des Mitgliedsbeitrags des Kreises Wesel stark reduziert, Dinslaken ist eingesprungen, das Land erhöht im Augenblick auch.

Dennoch bleibt durch die Tarifsteigerungen jedes Jahr weniger Geld für die künstlerische Arbeit übrig. Das ist fundamental für unsere Arbeit.

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