Heimat am Niederrhein

Warum wächst hier kein Gras?

Auf der A57 zwischen Sonsbeck und Alpen sollten notfalls Flugzeuge landen.  WAZ FotoPool / Foto: Marc Albers

Auf der A57 zwischen Sonsbeck und Alpen sollten notfalls Flugzeuge landen. WAZ FotoPool / Foto: Marc Albers

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Am Niederrhein.Unterwegs auf der A57 zwischen Alpen und Sonsbeck. Irgendetwas ist hier anders als sonst auf deutschen Autobahnen. Die Straße verläuft kerzengerade, es gibt keine Brücken und zwischen den Fahrbahnen fehlt der übliche Grünstreifen. Komisch, oder?

Eine Erklärung findet sich in einem Dokument des Bundesverteidigungsministeriums aus dem Jahr 1964, Aktenzeichen 40-20-60, in den „Richtlinien für den Ausbau von Straßen als Notlandeplätze für Flugzeuge“. Im Ernstfall wäre die A57 zu einem Militärflugplatz umgebaut worden. Zwischen den Rastplätzen Bönninghardt und Hamb hätten Kampfbomber und Transportflugzeuge starten und landen sollen. Heißer Krieg am Niederrhein.

Der Ernstfall blieb zum Glück aus, doch Autobahn-Notlandeplätze gibt es noch heute. Sie sind Überbleibsel aus Zeiten des Kalten Krieges. Die Idee, Autobahnen zu Flugplätzen umzufunktionieren, hatten übrigens zuerst die Nationalsozialisten. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde diese sowohl von der BRD als auch von der DDR übernommen. Informationen darüber gibt es aus dem Bundesverteidigungsministerium nur spärlich bis gar nicht.

Michael Grube, ein Hobbyhistoriker aus dem niedersächsischen Bispingen, hat im Internet Informationen über die Notlandeplätze zusammengetragen (www.geschichtsspuren.de).

Leitplanken gesteckt, nicht betoniert

Das Teilstück auf der A57, im Militärjargon „NLP III/3“ genannt, ist rund 3.500 Meter lang, hat in der Breite und Länge nicht mehr als drei Prozent Gefälle, ist durchgängig asphaltiert, die Leitplanken sind nur gesteckt statt betoniert. Bei der Planung der Autobahn in den 1970er Jahren saßen auch Beamten des Bundesverteidigungsministeriums und Militärstrategen mit am Tisch.

Ziel war es, hier innerhalb von 24 Stunden einen Flugplatz aufbauen zu können. Mit einem mobilen Kontrollturm, mit mobilen Funk- und Leitsystemen, mit Tankanlagen. Die beiden Rastplätze wären zu Parkplätzen für bis zu zehn Flugzeuge geworden. Anschlüsse für die Stromversorgung und Zufahrtswege sind dort heute zum Teil noch immer zu sehen.

Der knapp elf Kilometer lange Autobahnabschnitt zwischen den Anschlussstellen Alpen und Sonsbeck wurde im April 1981 fertig gestellt. Inklusive der Notlandebahn.

Offiziell ist dort nie eine Maschine der Bundeswehr gelandet und wieder gestartet. Im Internet aber kursieren Berichte darüber, dass die britische Royal Air Force die Behelfspiste ausprobiert haben soll. Es kursiert sogar ein Foto von einem Kampfjet, der vom benachbarten Flugplatz in Weeze-Laarbruch hierher geflogen sein soll. Eine offizielle Militärübung wie etwa auf der A29 bei Ahlhorn im Jahre 1984 hat es am Niederrhein aber wohl nie gegeben.

Die Notlandebahn auf der A57 ist nicht die einzige in Deutschland. Bis zu 60 von ihnen wurden geplant, so Michael Grube. Mindestens 24 wurden gebaut, zuerst 1961, zuletzt 1988 – ein Jahr später fiel die Berliner Mauer.

Mehr Fragen und Antworten in der „Heimat“

Die Geschichte über die A57 steht auch in der Herbst-Ausgabe des NRZ/WAZ-Magazins „Heimat am Niederrhein“. Die kostenlose Beilage liegt Donnerstag dieser Zeitung bei. Titel: „Kennen wir uns eigentlich? 16 kluge Frage, 16 gute Antworten, damit wir unsere Region besser verstehen.“

Hanns Dieter Hüsch hat einmal gesagt: „Der Niederrheiner weiß nix, kann aber alles erklären.“ Stimmt das? Wir haben die Heimat-Leser gebeten, uns Fragen zum Niederrhein zu schicken. Aus dieser Mitmachaktion ist unser Herbst-Heft entstanden.

Zum Beispiel: Warum gibt es in Kamp-Lintfort eine Bahnhofstraße, aber keinen Bahnhof? Wo ist eigentlich die Wedau geblieben? Und natürlich der Klassiker: Wo isser denn nun, der Niederrhein? Antworten auf diese Fragen – und mehr — lesen Sie morgen.

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