Schulbusse am Niederrhein

Werden die Schulbusse pünktlich fahren, Herr Schlüter?

Günter Schlüter, NIAG , plant den Einsatz der Schulbusse.

Günter Schlüter, NIAG , plant den Einsatz der Schulbusse.

Foto: NIAG / wenten

Am Niederrhein.  In wenigen Tagen wird Günter Schlüter wissen, ob sein Plan aufgegangen ist. Zum Beginn des neuen Schuljahres müssen die Schülerbusse rollen.

Die Wochen vor den Sommerferien waren für Günter Schlüter die arbeitsreichste Phase im Jahr. Mit Hochdruck arbeiteten der 61-jährige Leiter der Verkehrsplanung und sechs Kollegen daran, dass die Schülerbeförderung zum Schulstart möglichst reibungslos verläuft.

Für den Moerser sind es die letzten großen Ferien seines Berufslebens: Nach 40 Jahren bei der NIAG geht er Anfang Oktober in den Vorruhestand. Schlüter hat selbst keinen Führerschein, ist nur im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und mit dem Fahrrad unterwegs. Deswegen und weil er zwei Kinder hat, die mit dem Bus zur Schule gefahren sind, weiß er aus mehreren Perspektiven, warum es aller Vorbereitung zum Trotz bisweilen hakt zum Schulstart.

Herr Schlüter, ist die NIAG gerüstet für den Schulstart?

Wir haben zumindest alles getan, was in unserer Macht steht. Trotzdem müssen wir ehrlich sein: Es dauert immer ein paar Tage, bis sich alles eingependelt hat und reibungslos funktioniert.

Was macht die Planung so kompliziert?

Es gibt einfach sehr viele Faktoren, die wir nicht beeinflussen können. Zum Beispiel wissen wir nicht, wie viele Schüler wir von wo nach wo befördern müssen. Zwar bekommen alle Schüler mit der Anmeldebestätigung der weiterführenden Schule schon im Frühjahr die Anmeldeunterlagen fürs Schokoticket, also das Schülerticket. Aber: Bislang haben wir erst rund 80 Prozent der Anmeldeunterlagen zurück. Das erschwert uns die Planung ungemein. Und die Schulen dürfen uns die Daten aus Datenschutzgründen auch nicht geben.

Das heißt, sie fischen komplett im Trüben?

Ganz so schlimm ist es nicht. Wir kennen die Anzahl der Gesamtanmeldungen an den einzelnen weiterführenden Schulen. Die hilft uns aber nur begrenzt weiter, weil wir nicht wissen, wie viele Schüler woher kommen. Und es ist ein großer Unterschied, ob etwa 70 Schüler beispielsweise von Alpen-Veen nach Xanten wollen oder rund 80.

Sind es deutlich über 70 setzen wir nämlich einen zweiten Bus ein, und das hat wiederum weitreichende Auswirkungen auf den ganzen Fahrplan. Wir haben für uns festgelegt, dass wir in einem Standardbus rund 70 Kinder befördern, obwohl 90 erlaubt wären, damit es mit all den Schultaschen, Kunst- und Sportsachen nicht zu eng wird für die Schüler. In einem Gelenkbus befördern wir rund 110 Schüler.

Welchen Einfluss haben Sie auf das Verhalten der Schüler im Bus?

Unsere Fahrer haben das Hausrecht und schreiten auch ein, wenn im Bus gravierende Vorfälle passieren. Aber sie müssen sich natürlich primär auf den Verkehr konzentrieren. Gerade an den ersten Tagen ist das Verhalten mancher Schüler schwierig.

Erfahrungsgemäß legt sich das zwar mit der Zeit. Wir appellieren dennoch an alle Schüler, sich gleich von Anfang an ordentlich zu verhalten. An manchen Schulstandorten gab es in der Vergangenheit Projekte, bei denen Schülerinnen und Schüler als Busbegleiter im Einsatz waren und geschaut haben, dass im Bus alles ruhig ist.

Uns liegt sehr viel daran, mit allen Beteiligten eng und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten, weil es beider Schülerbeförderung immens wichtig ist, dass alle an einem Strang ziehen.

An wen denken Sie da noch?

Zum Beispiel an die Schulen und die Schulverwaltungsämter. Je mehr und früher wir in die Planungen einbezogen werden, desto besser klappt die Schülerbeförderung. Denn wir brauchen für unsere Planungen eine gewisse Vorlaufzeit. Wenn es etwa Fahrplanänderungen notwendig werden, müssen die von der Bezirksregierung geprüft und freigegeben werden, das dauert seine Zeit.

Auch die Lenk- und Standzeiten spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle. In einigen Kommunen gibt es Koordinierungsgespräche mit allen Schulen, bei denen wir mit am Tisch sitzen. Die Erfahrungen sind sehr positiv. Leider hat sich das Modell noch nicht überall durchgesetzt.

Gibt es große Unterschiede zwischen den Kommunen?

Ja, die Situation ist überall unterschiedlich. Tendenziell kann man sagen, dass es dort, wo es weniger Busverbindungen gibt, also im ländlichen Raum, komplizierter ist als in Regionen, in denen alle 15 Minuten ein Bus fährt. Und auch die Schullandschaft in den Kommunen spielt eine Rolle.

Ballen sich alle Schulstandorte wie das etwa in Rheinberg der Fall ist, hat man ganz andere Herausforderungen als in Kommunen, in denen die Schulen über die ganze Stadt verteilt sind wie in Wesel.

Welche konkreten Maßnahmen würden die Schülerbeförderung erleichtern?

Aus unserer Sicht wäre es etwa wünschenswert, wenn nicht alle Schulen gleichzeitig beginnen. Laut Schulgesetz kann die erste Stunde zwischen 7.30 und 8.30 Uhr beginnen. Trotzdem starten fast alle Schulen um 8 Uhr. Das hat zur Folge, dass nahezu unsere gesamte Flotte, also mehr als 300 Busse, um 7.30 Uhr im Einsatz ist.

An manchen Standorten ist es nicht möglich, die erste Stunde zu verlegen. An anderen Schulstandorten könnte ein mit allen Beteiligten abgestimmter, versetzter Schulstart diese Situation aber entzerren. Der Kreis Wesel hat dazu eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Wenn die Ergebnisse vorliegen, werden sie diskutiert.

Sie sind seit 40 Jahren bei der NIAG in der Verkehrsplanung? Was sind die größten Veränderungen in dieser Zeit?

Puh, da gibt es viele. Der Fachkräftemangel ist ein Riesenthema. Es wird immer schwieriger, Busfahrerinnen und Busfahrer zu finden. Viel getan hat sich in Sachen Barrierefreiheit, daran arbeiten wir auch weiter.

Die Digitalisierung ist natürlich ein Riesenthema: Sie erleichtert vieles, weil sie uns neue Mittel an die Hand gibt, Verspätungen auch im Nachhinein nachvollziehen und analysieren zu können.

Sie hat aber auch das Empörungspotenzial erhöht, vor allem in den sozialen Medien. Viele Menschen regen sich auf, schauen dabei erst mal nur auf sich und haben nicht das große Ganze und die Gemeinschaft im Blick.

Was wünschen Sie sich für den Schulstart?

Dass alles gut läuft und dass die Menschen ein wenig Verständnis haben, wenn mal was nicht gleich zu 100 Prozent funktioniert. Wir geben unser Bestes und möchten alle Schülerinnen und Schülern gut zur Schule bringen.

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