Zweiter Weltkrieg

Wie George und Ursula das KZ überlebten

George und Ursula Levy überlebten das KZ in Herzogenbusch.

George und Ursula Levy überlebten das KZ in Herzogenbusch.

Foto: brabantrembers.com

Brabant.  75 life changing stories: So erinnert sich die die Provinz Brabant an den zweiten Weltkrieg. Hier wird die von zwei jüdischen Kinder erzählt.

Neun beziehungsweise erst vier Jahre alt, sind George und Ursula Levy, als sie im April 1939 die Niederlande erreichen. Ihre Mutter Lucia hat sie in den Zug gesetzt, weil es ihr in Deutschland zu gefährlich für die Kinder wird. Die Familie ist jüdisch, Vater Max wird in der Reichskristallnacht von den Nazis festgenommen und stirbt wenig später in der Gefangenschaft.

Jos van Mackelenbergh, Leiter der größten niederländischen katholischen Wohlfahrtsorganisation, bringt George und Ursula zunächst bei den Nonnen im Waisenhaus des St.-Jacobus-Konvents in Eersel unter. Als die Deutschen auch Brabant besetzen, werden die Geschwister ins KZ Herzogenbusch (Kamp Vught) deportiert. Eine Mitinsassin – Flo – wird zum Vormund der beiden Kinder ernannt. Im Juni 1943 verfügen die Nazis, dass alle Kinder unter 16 ins Durchgangslager Westerbork gebracht werden. Von dort geht es ins Vernichtungslager Sobibor im heutigen Polen, wo allesamt getötet werden – insgesamt 1269 jüdische Kinder.

George und Ursula entkommen dieser Hölle, ihre Retter heißen Jos Van Mackelenbergh – und Flo. Van Mackelenbergh zeigt dem Kommandeur im Kamp Vught Papiere, in denen steht, dass die beiden jüdischen Kinder – vermeintlich ja Waisen – einen katholischen Vater in Amerika haben. Diese Papiere sind gefälscht, der angebliche Vater ist in Wahrheit ihr Onkel, er heißt Joseph Müller und lebt in Chicago. Der kleine Schwindel fällt nicht auf, so dass die Geschwister zunächst im Kamp Vught bleiben dürfen.

Entscheidung um Leben und Tod

Als kurze Zeit später ihr Vormund Flo deportiert werden soll, schreit sie „Ich muss mich um die Levy-Kinder kümmern! Sie brauchen mich!“ Ein SS-Offizier fragt George, ob sie Flo wirklich brauchen. George muss schnell entscheiden: Sagt er „ja“, kann es sein, dass Flo bleiben darf, aber womöglich er und Ursula deportiert werden. Sagt er „nein“, ist das Urteil für Flo gefallen, aber er und seine kleine Schwester möglicherweise (vorerst) gerettet. George: „Nein, ich brauche sie nicht!“

Obwohl George und Ursula später über Westerbork doch nach Bergen Belsen deportiert werden, überleben sie das KZ. Nach Kriegsende kehren sie zunächst ins Konvent nach Eersel zurück und erfahren dort, dass ihre Mutter Lucia im KZ getötet wurde. 1947 wandern die Geschwister zum Onkel nach Amerika aus.

Die Geschichte von George und Ursula Levy ist eine von 75 life changing stories, mit denen die Provinz Brabant an die Nazibesatzung erinnert. Mehr unter brabantremembers.com.

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