Verkehrsunfälle

Wildwechsel: Warum Autofahrer nun besonders aufpassen sollen

Im Falle eines Unfalls sollte immer die Polizei verständigt werden - auch, wenn die Tiere nur verletzt sind. Tote Tiere können an den Randstreifen gezogen werden, aber wegen der Ansteckungsgefahr nicht mit bloßen Händen, rät die Polizei.

Im Falle eines Unfalls sollte immer die Polizei verständigt werden - auch, wenn die Tiere nur verletzt sind. Tote Tiere können an den Randstreifen gezogen werden, aber wegen der Ansteckungsgefahr nicht mit bloßen Händen, rät die Polizei.

Foto: Landesjagdverband NRW

An Rhein und Ruhr.  Es wird früher dunkel, der Feierabendverkehr fällt in die Dämmerung - und damit in die Zeit, in der Rehe und Co. besonders aktiv sind.

Troisdorf vor knapp zwei Wochen – ein Motorradfahrer stürzt und verletzt sich dabei schwer, als plötzlich mehrere Rehe über die Straße laufen. Einen Tag zuvor überschlägt sich ein Fahrer mit seinem Golf in Paderborn, als er einem Reh ausweichen will. In Heiden im Münsterland prallt ein Motorrollerfahrer mit einem Reh zusammen. Drei Unfälle aus diesem noch laufenden Monat. Besonders jetzt ist die Gefahr von Wildunfällen hoch. Es wird früher dunkel, der Berufsverkehr verlagert sich in die Dämmerung – und damit genau in die Tageszeit, in der die Wildtiere am aktivsten sind.

Der Landesjagdverband in NRW erwartet für das letzte und für dieses Jagdjahr, das am 31. März endet, ähnlich hohe Unfallzahlen wie in den Vorjahren, erklärt Pressesprecher Andreas Schneider. Die Zahlen für die Saison 2019/20 werden voraussichtlich im Dezember veröffentlicht. „Jeder Wildunfall ist einer zu viel“, sagt Schneider.

Besonders gefährdet ist das Rehwild, es macht in der Statistik 2018/2019 28,8 Prozent bei den Unfällen aus. Mit einigem Abstand kommt das Dammwild (9,4 Prozent), gefolgt von Schwarz- (6,2 Prozent), Muffel- (5,2 Prozent), Rot- (5 Prozent) und Sikawild (1,7 Prozent). Das bestätigt auch die Polizei im Kreis Kleve auf Anfrage der Redaktion. In der Mehrzahl seien in den Unfällen Rehe, Hirsche und Wildschweine verwickelt. Seltener komme es zu Unfällen mit Dachsen oder Füchsen.

Geldern führt die Statistik im Kreis Kleve an

Im Kreis Kleve verzeichnete die Polizei 714 Wildunfälle, im aktuell laufenden Jahr seien es bislang, 632. Laut der Statistik habe es die meisten Wildunfälle in Geldern gegeben: im Jahr 2019 waren es 84, in 2020 sind es bislang 76. Die Polizei erklärt sich diese Häufung mit der großen Fläche der Stadt.

Im Kreis Viersen habe die Polizei 323 Unfälle mit Wildtieren im Jahr 2019 aufgenommen, im aktuellen Jahr waren es bereits 284 Unfälle, bei zwei Unfällen verletzten sich Personen leicht. Ein belgischer Fahrer kam kurzzeitig in ein Krankenhaus, nachdem er zwei Wildschweinen ausgewichen und dadurch vor einen Baum gefahren war. Sein Auto, ein Mercedes AMG sei nicht mehr fahrbereit, der Baum nicht mehr standsicher gewesen, so die Polizei. Im Kreis Viersen gab es die meisten Unfälle in diesem Jahr in Nettetal (53), in Viersen (42) und Schwalmtal (33).

Läuft ein Wildtier plötzlich auf die Straße, sollten Auto- oder Motorradfahrer unverzüglich vom Gas gehen, hupen und abblenden. Andres Schneider vom Jagdverband rät, auf den eigenen Schutz zu achten. „Wenn kein Ausweichen möglich ist, ist der Frontalzusammenstoß mit Wild ungefährlicher als der Seitenaufprall gegen einen Baum“, erklärt er. „Und halten Sie das Lenkrad fest“, rät die Kreispolizei Kleve.

Verkehrsteilnehmer sollten im Herbst und Winter besonders umsichtig und vorausschauend fahren. Die Geschwindigkeit sollte den Gegebenheiten angepasst werden, Wildwechsel-Schilder beachtet und bremsbereit gefahren werden und der Sicherheitsabstand zum rechten Fahrbahnrand und zum vorausfahrenden Fahrzeug eingehalten werden. Wer Wild auf der Straße sieht, sollte mit nachfolgendem Wild rechnen.

Anzeige wegen Wilderei droht

Ist es dann doch zum Unfall gekommen, sollte die Warnblinkanlage eingeschaltet, die Warnweste angezogen und die Unfallstelle gesichert werden. Dann die 110 rufen, auch wenn das verletzte Tier geflüchtet ist. Die Polizei informiert den Jagdpächter, der das verletzte Tier dann sucht. Tote Tiere können an den Randstreifen gezogen werden, aber wegen der Ansteckungsgefahr nicht mit bloßen Händen. „Und wer schon an den Weihnachtsbraten denkt: Das angefahrene Wild darf vom Unfallort nicht entfernt werden, sonst droht eine Anzeige wegen Wilderei“, stellt die Polizei im Kreis Kleve klar.

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