Essen, trinken, übernachten

Willkommen in Nierswalde

Sigrid und Richard Dittrich haben aus der alten Dorfschule in Nierswalde ein Hotel und Tagungshaus gemacht - und viel „altes Ambiente“ hineingezaubert.

Foto: WAZ FotoPool

Sigrid und Richard Dittrich haben aus der alten Dorfschule in Nierswalde ein Hotel und Tagungshaus gemacht - und viel „altes Ambiente“ hineingezaubert. Foto: WAZ FotoPool

Goch-Nierswalde.   Sigrid und Richard Dittrich haben die ehemalige Dorfkneipe in Goch-Nierswalde übernommen und die alte Schule zum Hotel und Tagungshaus umgebaut. Und Nierswalde hat das, was andere gerne hätten: ein Zentrum

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Ohne Zweifel: Heute guckt Richard Dittrich viel fröhlicher, wenn er den langen Flur entlang schlendert. Und, wirklich, es riecht auch nicht mehr so streng nach – nunja, wonach Schulen früher eben so rochen: nach Bohnerwachs und muffeligem Allerlei. Richard Dittrich schmunzelt. „Also ehrlich, ich rieche den Angstschweiß immer noch....“ Das meint er natürlich humorig und kann das heute auch ganz locker sehen – aber wenn dem kleinen Richard so in den frühen 1960ern jemand gesagt hätte, dass er diese Stätte einmal gerne und freiwillig (!) betreten würde, er hätte wohl fluchtartig den kleinen, knuffigen Ort verlassen...

Aber wie das Leben so spielt. Der Nierswalder Junge lernte irgendwann ein Saarländer Mädchen kennen und tja, nun sind Sigrid und Richard nicht nur Besitzer der Dorfkneipe von Nierswalde sondern haben – mutig und ein bisschen verrückt – aus der ehemaligen Grund- und Hauptschule vis a vis ein bezauberndes Hotel- und Tagungshaus gemacht. Bezaubernd weil: der Schulcharakter ist immer noch da, aber hübsch verpackt und mit entspannter Gemütlichkeit versehen...

Kirche, Kneipe, Schule

Und so sind die Dittrichs irgendwie auch mit schuld, dass Nierswalde das hat, was viele andere Ortschaften nicht mehr haben: einen richtig schönen und komplett erhaltenen Dorfmittelpunkt. Mit Kirche, Kneipe, Schule und Feuerwehr im Rund, hübsch gemacht mit alten Bäumen, einem idyllischen Dorfteich und einer Boulebahn. Kein Wunder, dass Studierende der Hochschule Rhein Waal schon zum Gucken und Forschen gekommen sind und die Jurymitglieder von Kommissionen wie „Unser Dorf soll schöner werden“ oder „Unser Dorf hat Zukunft“ immer ganz viel notieren, wenn sie mal wieder da sind.

Aber was treibt einen Diplom-Agraringenieur und eine Diplom-Designerin in die

Gastronomenlaufbahn? Und dann in einem 1000-Seelen-Dorf...

„Blauäugigkeit“, schmunzelt Sabine Dittrich. „Vor allem aber: Wir waren immer schon gerne Gastgeber, wir haben immer schon gerne gemeinsam Feste organisiert und, nun ja, wir haben auch eine deutliche Affinität zu gutem Essen und gutem Wein.“ Und dann spielte das Schicksal seinen Joker aus: Die alte Dorfgaststätte, die mit Nierswalde gebaut und gewachsen ist, stand zum Verkauf – und die inzwischen leerstehende Schule sollte abgerissen werden um Platz zu schaffen für schicke Doppelhaushälften.

Die Dittrichs übernahmen beide Gebäude – das Restaurant mit Biergarten auf der einen, die ehemalige Schule auf der anderen Seite des Dorfplatzes. Seit 2012 sind die Dittrichs auch beide in Vollzeit für ihre Gäste da – und vor allem die Radelfreaks und die Tagungsbesucher würdigen das. Aufladestationen für E-Bikes, frische Küche mit dem besonderen Pfiff, den der gebürtige Materborner Küchenchef Jan Hollendung u.a. beim Mönchengladbacher Sternekoch Wolfgang Eickes mitbekam. „Wir können alles“, schmunzelt denn auch Richard Dittrich: „Schnitzel, Landhauspfanne und Gourmetküche“ – also so etwas wie „Nierswalder Trüffelei auf Erdapfelstampf und Spinatsalat“. Die kulinarischen Themenabende im Nierswalder Landhaus haben ein bisschen für Aufregung gesorgt, speisen dann doch alle Gäste gemeinsam an einer festlichen langen Tafel – das muss man als Niederrheiner ja nun auch erstmal verkraften.

Pferdeparkplatz

Und so haben auch die ersten Tagungsgäste ein bisschen komisch geguckt, als der Chef sie ins „Alte Klassenzimmer“ führte. Der Raum hat alles, was ein moderner Tagungsraum so haben muss, aber: Der tagende Gast hockt auf hölzernen, ehemaligen Schulstühlen an hölzernen, ehemaligen Schultischen. Man ist erstaunt, wie gemütlich es sich mit der Distanz langer Jahrzehnte an diesen Bänken aushalten lässt...

Tja, und den langen Korridor zieren große, schwarz-weiße Farbfotografien, die vom einstigen schulischen Leben in Nierswalde erzählen. Und wer sein Zimmer aufsucht, wirft jedes Mal einen kleinen Blick auf Lehrer Lämpel, der mit hocherhobenem Zeigefinger klug ermahnt, dass nach wie vor der Weisheit Lehren, muss man mit Vergnügen hören.

Der ehemalige Pausenhof existiert auch noch – als ideales Freiluftrefugium für Raucher. Gleich nebenan das videoüberwachte Fahrradhotel, in dem man seinen eigenen Drahtesel parken kann. Wer mit einem wirklichen Esel anreist – kein Problem: Vor dem Nierswalder Landhaus, da wo die alten Linden, Kastanien und Rotbuchen stehen, haben die Dittrichs einen „Parkplatz für Pferde“ eingerichtet.

Nierswalde ist eine 1000-Seelengemeinde im Kreis Kleve und gehört zu Goch. Wie auch der Ort Reichswalde entstand Nierswalde als Siedlungsprojekt auf dem Reißbrett – aus der Not der direkten Nachkriegszeit geboren, wurde der Ort 1948/49 Heimat für Vertriebene und Kriegsgeschädigte. Die neuen Siedler rodeten den Wald und schufen sich ihr neues Zuhause. In Nierswalde wurden hauptsächlich Protestanten angesiedelt, in Reichswalde Katholiken.

Es gibt ein reichhaltiges Vereinsleben, eine Heimatstube, eine Volkssternwarte, jede Menge Wald. Die Niederrheinroute führt durch den Ort. Der Dorfplatz ist sehenswert. Infos im Nierswalder Landhaus, Dorfstraße 2.

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