Freizeit

Willkommen zur Pingu-Party

Foto: NRZ

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Seit 25 Jahren treffen sich allwöchentlich aus der ganzen Region die „Hiespielchen” in Dinslaken – zum Würfeln, Taktieren, Kartenausteilen.

AM NIEDERRHEIN. Friedel Hoffmann kann sich nicht daran erinnern, wie oft er schon diese „Pingu-Party" gefeiert hat. Der Gründer des Spielekreises „Hiespielchen" der evangelischen Gemeinde Hiesfeld hat schon über 3000 Spiele gespielt, knapp 2000 davon lagern unter seinem Dachboden. Er zählt aber nicht mit, wenn er Karten mischt, Würfel wirft, Länderein erobert, Konkurrenten wegkegelt, sich beim „Mensch ärgere dich nicht" ärgert oder, wie an diesem Spielenachmittag in der Stadtbibliothek, eine Pinguin-Pyramide aus roten, blauen, gelben und violetten Karten stapelt.

Friedel Hoffmann ist 65 Jahre alt; seine Mitspieler an diesem Tisch zehn, elf und fünf. Lisa, Lara und Thorben lassen sich aufmerksam vom Spielmeister erklären wie sich am geschicktesten diese zur Party aufgelegten Vögel auf den 36 Karten auftürmen lassen. Der Schlüssel ist die richtige Farbe. Weil Lara vom Schicksal in Gestalt des Spielkartenausteilers Hoffmann zuviel Lila in den Händen hält, bleibt sie auf zwei Karten sitzen. Dafür bekommt sie zwei Chips, die in diesem Fall keine Würde sondern eine Bürde sind. Um die wieder loszuwerden, fordert Lara umgehend eine neue Runde. Neues Spiel, neues Glück.

Aber diesmal ohne Hoffmann. Der ist schon beim nächsten Tisch, um den deutlich älteren Teilnehmern das „Mensch ärgere dich nicht der zweiten Generation" zu erklären. DOG heißt es, wird ohne Würfel gespielt und: man kann nur gemeinsam gewinnen.

Apropos Gemeinschaft: Egal ob fünf oder 65 Jahre alt, bei allen Vorlieben für bestimmte Spieltypen betonen alle Spieler den Gemeinschaftscharakter von Gesellschaftsspielen. Zusammen ist man halt weniger allein. Auch als Verlierer. „Beim Computerspielen sitzen sie doch alleine vor der Kiste, live ist doch viel schöner", sagt Hoffmann. Er erzählt aber auch, dass ein Großteil seiner spielwütigen Vereinsfreunde sich schon mal im Internet zu Gesellschaftsspielen trifft. Das ist aber eine andere Geschichte.

Aus Wesel, Duisburg, aus der gesamten Region kommen allwöchentlich die Spieler aller Altersgruppen in Dinslaken zusammen, um sich manchmal die Nächte mit Karten- und Brettspielen, die Nacht um die Ohren zu „daddeln”, wie es heißt. Bis auf den Nachwuchs, natürlich, der spielt nachmittags. Allerdings bleiben gerade die Jugendlichen bei den Hiespielchen zunehmend aus, weil, so die Beobachtung Hoffmans, „immer mehr von ihren Eltern verplant werde”.

Ganz nach Plan scheint es derzeit für Marcel Süßelbeck zu laufen. Der 31-jährige Versicherungskaufmann aus Dinslaken ist seit drei Jahren beim Spielekreis und nimmt an der Spielewerkstatt teil. Hier werden auch Brettspiele getestet, die so manchem die Welt bedeuten werden. Im Klartext: Spiele, die noch nicht auf dem Markt sind und die bei den „Hiespielchen" auf Logik und Aufbau, Mathematik und Mechanik geprüft werden.

Doch die Leidenschaft geht bei Marcel Süßelbeck und seinem Freund Marco Ruskoswiki ein Quantum weiter. „Das können wir auch", sagten sich die beiden eines Tages. Also entwarfen sie ein Brettspiel für „gehobene Gelegenheitsspieler”, das 2009 oder 2010 auf dem Markt kommen wird. Mehr dürfen und wollen die beiden nicht verraten. Nur soviel: „Es hat nichts mit dem Hase-und-Igel-Spiel zu tun, das ich immer mit meinen Eltern gespielt habe.”

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