Senioren

104 und kein bisschen müde

Wanda Pischel

Foto: Heiko Kempken

Wanda Pischel Foto: Heiko Kempken

Dinslaken.  Wanda Pischel gehört zu den ältesten Menschen am Niederrhein. Sie wohnt im Alfred-Delp-Haus in Dinslaken uns sagt: „Ich will noch lange leben.“

Sie ist zwar nicht die älteste Niederrheinerin, sicherlich aber eine der ältesten Menschen am Niederrhein. Grund genug, Wanda Pischel einmal näher kennen zu lernen. Und zwar im Alfred-Delp-Altenheim in Dinslaken.

Dort hat die 104-Jährige seit knapp neun Jahren ihr Zuhause, in einem großen Zimmer mit vielen Erinnerungen an ihr langes Leben. Neben Fotos ihrer Kinder und Enkelkinder, immer wieder Fotos von ihrem längst verstorbenen Ehemann, Max Pischel.

Zwei Weltkriege überlebt

Aber der Reihe nach: Wanda Pischels Leben begann kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Am 4. Juni 1913 wurde sie in Recklinghausen in eine Großfamilie mit acht Geschwistern hinein geboren. „Wir hatten nicht viel, zufrieden waren wir dennoch“, sagt die alte Dame, die seit 2008 im Altersheim wohnt. Das heißt auch, dass die alte Dame bis weit über 90 Jahre noch alleine leben konnte.

Wanda Pischel, eine kleine Frau mit grauen Haaren und einem vorsichtigem Lächeln, redet nicht mehr viel, obwohl sie natürlich jede Menge zu erzählen hätte.

Schließlich erlebte die Lohbergerin („Dort habe ich eigentlich immer gelebt“) zwei fürchterliche Weltkriege mit. „Das waren schwierige Zeiten“, sagt die 104-Jährige noch heute. Ihre Erinnerungen an diese Zeit scheinen noch sehr präsent zu sein.

Pischel war beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieg 26 Jahre alt. Dennoch sagt sie: „Ich hatte ein gutes Leben. Die Geburt meiner Kinder waren die Höhepunkte.“ Obwohl sie „seit jeher in Lohberg“ lebt, wurde sie in Recklinghausen, wo sie in einer Bergmannsfamilie aufwuchs, geboren.

66 Jahre verheiratet

Als junge Frau hatte sie – das war damals üblich – schon früh mit der Arbeit angefangen. Sie malochte vor ihrer langen und glücklichen Ehe mit dem Bergmann Max in einer Textilfabrik in Bocholt. „Als Mädchen war ich oft unterwegs und habe viel gearbeitet“.

Mit ihrem Mann war die Lohbergerin „66 Jahre zusammen“. Das Ehepaar bekam eine Tochter und einen Sohn. Mittlerweile gibt es vier Enkel und vier Urenkel, die Wanda Pischel im Altenheim auch immer wieder besuchen kommen – wie bei ihrem 104. Geburtstag im vergangenen Juni.

Ihr Zimmer ziert ein fast fünfzig Zentimeter großes auf ein Brett geklebtes grünes Herz mit der Zahl 104 in gelber Farbe drauf. Es hat seinen Stammplatz.

Ob das Herz die gute Laune der 104 Jahre alten Dinslakenerin erklärt? „Ich bin gut drauf soweit.“

Wanda Pischel ist die zweitälteste Bewohnerin des Alfred-Delp-Hauses, die älteste Bewohnerin sei momentan nicht so gut in Form wie Wanda Pischel, heißt es von der Heimleitung.

Für die Seniorin scheint der Umgang mit der Presse nichts Besonders mehr zu sein, stand sie doch schon zu ihrem 100. Geburtstag in der Zeitungen. Wanda Pischel wird nicht müde zu betonen, dass es ihr gut gehe – trotz ihres stolzen Alters und einem nachlassenden Gedächtnis.

„Sie ist aber noch fit und nimmt sehr gerne an den Aktivitäten des Hauses teil“, so Heimleiterin Barbara Förster, die sich mit ihrem Team um 80 alte Menschen kümmert.

So geht die 104-Jährige noch jeden Donnerstag in die hauseigne Kapelle und nimmt am Gottesdienst teil. „Ich bin evangelisch, das ist wichtig für mich“, sagt Wanda Pischel.

Gerne spielt die Seniorin noch Bingo, läuft im weitläufigen Haus herum und, was einen Journalisten sehr erfreut, lässt sich die Tageszeitung täglich vom Heimleitunsteam ausführlich vorlesen. „Ich habe bis 2008 noch Ihre Zeitung gehabt“, berichtet Wanda Pischel, und beugt sich langsam aus ihrem Sessel hervor, in dem sie auf Polstern erhöht während des gesamten Gesprächs sitzt.

Zeitungsrunde im Altenheim

„An unserer morgendlichen Zeitungsvorleserunde nimmt Frau Pischel sehr gerne teil. Wir lesen den Bewohnern den Lokalteil sowie altersgerechte Inhalte vor. Mit großen Wirtschafts- oder Politikartikeln brauchen wir den alten Menschen nicht mehr kommen“, erklärt Heimleiterin Barbara Förster.

Was denn Wanda Pischels Rezept fürs Altwerden ist? „Einfach nicht sterben“, ironisiert sie. Dann schiebt sie hinterher: „Ich will noch lange gesund sein und leben.“

Natürlich spielen beim Altwerden viele Dinge eine wichtige Rolle, mitentscheidend ist sicher auch eine gesunde Ernährung. Doch die Lohbergerin stellt klar: „Ich mag keinen Fisch. Ich habe immer viel Fleisch gegessen, das hat mir gemundet. Und an einigen Tagen habe ich auch mal ein Bier getrunken.“

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