Alfred J. Kwak-Haus

Alfred J. Kwak-Haus in Goch: Ente gut, alles gut?

So sollte das Alfred J. Kwak-Haus in Goch aussehen. Vorgestellt von Hermann van Veen im Juni 2010 in Goch.

Foto: LINDEKAMP, Thorsten

So sollte das Alfred J. Kwak-Haus in Goch aussehen. Vorgestellt von Hermann van Veen im Juni 2010 in Goch. Foto: LINDEKAMP, Thorsten

Goch.   In Goch sollte ein Alfred J. Kwak-Haus für behinderte Kinder entstehen. Ob das noch etwas wird, weiß derzeit niemand. Eine Stellungnahme ist angekündigt

Die kleine gelbe Ente ist ein Waisenkind. Glücklicherweise gibt es einen Maulwurf, der sich um sie kümmert. Alfred J. Kwak heißt diese Ente, die weltweit Kinder und Erwachsene begeisterte. 52 Folgen hatte die Zeichentrickserie, die ab 1989 über die Fernsehschirme lief. Der Erfinder der Ente, der niederländische Sänger, Autor und Clown Herman van Veen, kündigte für 2008 einen Kinofilm an, der aber nie herauskam. 2012 sollte der Film aber wirklich entstehen. Weil dann aber der Zeichner Harald Siepermann plötzlich starb, wurde auch daraus bislang nichts.

Viele Spenden

Die kleine Ente scheint mit großen Projekten so ihre Schwierigkeiten zu haben. Da hilft auch Maulwurf Henk, ein Tiefbauexperte, nicht wirklich weiter. Denn eigentlich sollte es auch schon längst ein Haus geben, das den Namen der Ente trägt. Das Alfred J. Kwak-Haus in Goch war als Erholungsheim für behinderte Kinder gedacht. Im Internet gibt es eine Animation, die das Gebäude-Ensemble zeigt: in der Mitte ein riesiger

Wassertropfen aus Glas, darin die Gemeinschaftsräume. Spektakulär sieht das alles aus, liebevoll und verspielt. Man findet auch ein Foto von Herman van Veen, wie er auf einem roten Sofa mitten im See sitzt, der an das Grundstück grenzt. Doch darauf gedeiht nach wie vor nur eines: der Mais.

Im Jahr 2003 gründeten Herman van Veen und Hans-Werner Neske die Herman-van-Veen-Stiftung in Deutschland. Die setzt sich für Kinder und Jugendliche in aller Welt ein, sammelt Spenden, veranstaltet Events und Galas und investiert Geld in zahlreiche Projekte – da geht es um Spezialprothesen, Flüchtlingskinder, therapeutisches Reiten oder Spiel- und Klettergeräte. Das macht sie bis heute. Fotos vieler dankbarer Kinder beweisen, dass es der Stiftung mit ihrem Anliegen ernst ist.

Ernst war auch die Idee, die 2005 aufkam: ein Erholungsheim für behinderte Kinder zu bauen. Man machte sich mit Elan an die Arbeit. Zahlreiche Menschen spendeten, statt Geschenken ließen sich Geburtstagskinder Geld fürs Kwak-Haus überweisen, zwei Niederrheiner fuhren sogar mit dem Fahrrad 7060 Kilometer von Bangkok nach Katmandu, um damit irgendwie Gelder zu generieren. Mehrfach hieß es, der Baubeginn stehe in Kürze bevor, ein früherer Geschäftsführer tönte gar, schon bald brauche man ehrenamtliche Helfer. 2009 lagerte man die Kwak-Haus-Aktivitäten dann aus der van-Veen-Stiftung in eine eigene Stiftung aus.

Auch jetzt sei keine Auskunft möglich

Mit Stiftungen ist das so eine Sache. Sie sind nicht offenlegungspflichtig. Ein Verein, eine Aktiengesellschaft – alles kein Problem, man kann in Geschäftsberichte hineinschauen und sich ein Bild machen. Nicht so bei der Stiftung. Der gegenwärtige Geschäftsführer der Alfred J. Kwak Stiftung, Albert Dratsdrummer, erklärte bei einem Bürgertreffen im November des letzten Jahres, die Spendengelder seien noch da. Wieviel denn? Dürfe er nicht sagen. Auch jetzt kann er uns nichts sagen – man befinde sich in intensiven Gesprächen mit diversen Behörden und Institutionen. Eine ausführliche Stellungnahme komme aber noch in diesem Quartal. Beim Bürgertreffen wies er darauf hin, dass man erst einmal eine realistische Betriebsweise finden müsse, bevor man große Spender um Millionenbeträge angehen könne. Man fragt sich, was die bisherigen Geschäftsführer eigentlich die ganze Zeit für ihr Geld getan haben.

Nun ist eine Kooperation mit den Karl-Leisner-Kliniken ist im Gespräch, wobei sich das Erholungsheim um Kinder mit Fettleibigkeit, psychosomatischen Erkrankungen, Zuckerkrankheit und Anpassungsstörungen kümmern könnte. Diese Idee hat das Klinikum Dortmund entwickelt. Für das ursprüngliche Konzept – Erholungsheim für behinderte Kinder – gibt es schlicht kein Geld von den Krankenkassen. Und das ist nötig, um die Betriebskosten zu decken.

Goch hält Grundstück noch frei

Die Sache mit dem Betriebskonzept ist aber genaugenommen so neu nun auch wieder nicht. Schon 2013 gab es angeblich eine Kooperation mit der Uniklinik Nijmegen, die genau das entwickeln sollte: ein tragfähiges Konzept. Was ist daraus geworden? Hm. Ach ja, und die Sache mit dem gläsernen Wassertropfen – das könnte auch ein einfacher Zweckbau

werden, sagte Dratsdrummer bei der Versammlung. Wenn das alles denn überhaupt noch etwas wird. Bis 2020 müsste nicht nur das Konzept stehen, sondern auch der ein oder andere Baukran. So lange hält die Stadt Goch das Grundstück noch frei. Herman van Veen scheint um Goch inzwischen einen großen Bogen zu machen. Ihn hat man hier jahrelang nicht mehr gesehen. Bei der ehemals spendenbereiten Bevölkerung ist längst alle Freude verflogen. Stattdessen: Frust und lange Gesichter. Ente, wärst du nur im Trickfilm geblieben!

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