Mittelalter

Das Manuskript von Huis Bergh

Blick in die Geschichte. Das Manuskript ist im 15. Jahrhundert entstanden - und birgt noch viele Geheimnisse.

Foto: Huis Bergh

Blick in die Geschichte. Das Manuskript ist im 15. Jahrhundert entstanden - und birgt noch viele Geheimnisse. Foto: Huis Bergh

‘s-Heerenberg.   Im Kasteel Huis Bergh bei Emmerich wird eine mittelalterliche Handschrift gezeigt. So genau weiß man noch gar nicht, was drin steht...

Man kann diesem Menschen ja gar nicht genug dankbar sein: Dr. Jan Herman van Heek. Mit 38 Jahren konnte sich der vermögende Industrielle aus Enschede seinerzeit schon zur Ruhe setzen – und statt auf Weltreise zu gehen oder mit anderen Schönen und Reichen zu Golfen, kaufte der Kunstfreund anno 1912 eine frühmittelalterliche Burg, ein 800 Jahre altes Wasserschloss: Schloss Huis Bergh in ‘s-Heerenberg, unmittelbar hinter der deutsch-niederländischen Grenze bei Emmerich.

Viel Platz zum Staunen, Feiern, Ritter spielen und Entdecken

Das Schloss, das auch einmal in Besitz derer von Hohenzollern-Sigmaringen war, war seinerzeit nahezu leer – aber Jan Herman van Heek wusste Rat – und kaufte ein. Vor allem mittelalterliche Kunst, Jeroen Bosch, Lucas Cranach und Co.

Eine einzigartige Kunstsammlung entstand, um die sich die Stichting Huis Bergh nun kümmert.

Das Kasteel aus dem 12. Jahrhundert ist ein Museum, bietet Platz für Feierlichkeiten und musikalische Ereignisse. Man kann die Säle und die Kunst besichtigen, herrschaftlich übernachten, Ritter spielen und: Man kann sich entführen lassen in die spannende Zeit des Mittelalters.

Und da gibt es aktuell noch – neben den vielen Dauer-Exponaten – ein wahrhaftig wundervolles Ausstellungsstück zu bestaunen. Ein wahrer Schatz, eine kostbare Handschrift, ein unschätzbar wertvolles Zeitzeugnis, hergestellt im 15. Jahrhundert: die Kroniek, ein mittelalterliches Manuskript, 261 Seiten, Folien, Pergament.

Was drin steht, ist noch gar nicht alles entschlüsselt, so Marijke Brouwer, Directeur an Huis Bergh.

Die Kroniek wurde nicht auf Latein verfasst. Sondern in einer Art niederländisch-niederrheinisch- mittelalterlichem Platt

Aber sicher ist schon, dass es eine Art Geschichtsbuch ist, dass der Chronist oder die Chronisten Geschichten und Begebenheiten des Alltags in mehreren Kapiteln notierten. Nicht in lateinischer Sprache sondern in einer Art „niederrheinisch-niederländischem Platt, das in der Grenzregion wohl so gesprochen wurde“, sagt Marijke Brouwer.

Im klimatisierten Raum, im wohl temperierten Schaukasten liegt nun die Kostbarkeit, die die Stichting Huis Bergh in 2016 ankaufen konnte – für etwa eine halbe Million Euro. Die Vereniging Rembrandt (ein Zusammenschluss von Kunstliebhabern) hat dabei geholfen, der eine oder andere Förderer auch.

An diesem und am kommenden Wochenende kann man noch einmal einen Blick in die Kroniek werfen, eine Doppelseite ist aufgeschlagen. Es wird wohl der Herzog van Gelre sein, der dort abgebildet ist und eine Geschichte aus jener Zeit – so ganz weiß man es noch nicht. „Wir haben nun das große Glück, dass das Manuskript wissenschaftlich untersucht wird“, sagt Marijke Brouwer. Digital kopiert ist das komplette Werk bereits, nun machen sich moderne „Abschreiber“ daran, den Text von damals in die Sprache von heute zu übersetzen.

Etwa 70 mittelalterliche Handschriften, kleine Bibeln, Stundenbücher besitzt Huis Bergh – ein Teil davon ist ebenfalls ausgestellt, dauerhaft – wundervolle mittelalterliche Buchmalerei, so schön, so unversehrt, so prächtig. Etwa die „Handschrift 16“, 1475/76 von Willem Vrelant in Brügge gefertigt. Erzählt wird in vielen farbigen Miniaturen und auch großflächigen Prachtbildern die Geschichte Maria Magdalenas nach der Kreuzigung Jesu, ihre Flucht mit dem Schiff nach Frankreich, ihr Leben dort in einer einsamen Grotte...

An diesem und am kommenden Wochenende kann man noch einen Blick in das alte Manuskript werfen

An diesem und am nächsten Wochenende kann man das Manuskript, die Kroniek Huis Bergh, noch anschauen. Dann wird es bis 2020 dauern, bis man wieder staunen darf.

Dann plant die Stichting Huis Bergh eine große Ausstellung, in der die Handschrift im Zentrum stehen wird. Bis dahin sollen Inhalt und Herkunft der Schrift wissenschaftlich untersucht werden. Jan Herman van Heek hätte seine Freude d’ran, bestimmt.

>>>Vermutlich hat Willem II., „Der Reiche“Vermutlich hat Willem II., „Der Reiche“ (1404-1465), die Kroniek in Auftrag gegeben. Zumindest findet sich sein Wappen vorn im Buch. Die Kroniek und natürlich das Schloss und weitere Ausstellungen kann man anschauen sa + so, 6./7. und 13./14. Januar, 12.30-16.30 Uhr. Kasteel Huis Bergh, ’s-Heerenberg. Erw. 13,50 Euro, Kinder bis 12 Jahre 8,50 Euro.

www.huisbergh.com

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