Rheinschwimmen in Basel

Den Bach runter. Rheinschwimmen in Basel. Ein Selbstversuch

Manchmal steht auch dem Autor dieser Zeilen das Wasser fast bis zum Hals.

Manchmal steht auch dem Autor dieser Zeilen das Wasser fast bis zum Hals.

Foto: Basler Bürger

Im Rhein.  Im Rhein zu schwimmen ist nicht ungefährlich. Bei uns ist es heftig umstritten, aber in Basel ein Teil der Stadtkultur. Daher: ein Selbstversuch.

Die ältere Frau macht es vor. Schuhe aus, Hose aus, Bluse aus. Die Klamotten in den Wickelfisch packen, den Gurt verschließen, den Schwimmsack über die Schulter hängen und dann – ab in den Rhein. Juuuuuchuuuuu!

Rheinschwimmen. In Basel ein Volkssport und ein seit jeher ein Teil der Stadtkultur. In Deutschland – nein, nicht grundsätzlich verboten, aber heftig umstritten. Weil leider immer wieder Tote zu beklagen sind. Zuletzt im Juli, als in Düsseldorf und Krefeld zwei ertrunkene Männer am Ufer gefunden wurden.

Auch in Basel gab es in diesem Sommer mehrere Schwimmunfälle im Rhein. Traurige Meldung der Rettungskräfte: zwei Verletzte und ein Vermisster, der wohl tot ist. Die Ursachen für die Unglücke: Leichtsinn und Selbstbetrug. Vor allem Männer zwischen 15 und 30 Jahren überschätzen ihre Kraft, wird ein Schweizer Lebensretter in der Basler Zeitung zitiert. Deshalb: Vorsicht!

Nun denn, 30 bin ich längst nicht mehr. Mittlerweile weiß ich ganz gut, was ich kann – und was nicht. Also: Die Klamotten in den Wickelfisch packen, den Gurt verschließen, den Schwimmsack über die Schulter hängen – ab in den Rhein. Yippie-ya-yeah, Schweinebacke!

Ist das Wasser kalt? Nö, die Nordsee ist kälter. 22 Grad. Ist das Wasser sauber? Tja, auf den ersten Blick ist es blau, grün und durchsichtig bis auf den Boden, wo die fiesen glatten und spitzen Steine liegen. Aua.

Ich bin auf Höhe des „Museum Tinguely“, rechtes Rheinufer, hier liegt die beliebteste Einstiegsstelle in den Fluss, die auch von der Schweizer Lebensrettungsgesellschaft empfohlen wird.

Von dort an sind es rund 2,5 Kilometer bis zur Dreirosenbrücke, der „spätesten Ausstiegsmöglichkeit“ laut SLRG. Dahinter beginnt das Hafen- und Industriegebiet. Wer’s eilig hat und sich von der Strömung treiben lässt, braucht bis dahin etwa 20 Minuten. Deshalb: Immer schön langsam!

Vorbei am Münster

Filigran wie ein Walfisch drehe ich mich im Wasser, schwimme mit ein paar Armzügen auf die ziemlich ruhige See hinaus. Sofort wird klar: Das hier ist kein Freibad. Die unsichtbare aber gewaltige Kraft des Stromes packt meinen Körper und schiebt mich voran. Wie ein Stück Treibholz gleite ich durch den Rhein.

Praktisch: der Wickelfisch. Eine Badetasche in Form eines Fisches, vor 15 Jahren von Tilo Ahmels erfunden, aus Rippstop-Nylon, leicht, reißfest und: wasserdicht. Ein Kultobjekt, im Original knallorange. Preis: 29,50 Euro. Habe ich mir vorher im Internet bestellt, gibt es aber auch vor Ort zu kaufen.

Wichtig: die richtige Handhabe. Wenn die Klamotten im Bauch des liegen, den Schwanz sieben (!) Mal umschlagen, dabei etwas Luft im Inneren lassen, dann den Gurt verschließen. Wer den Fisch weniger oft wickelt, muss mit nassen Sachen rechnen, warnt der Hersteller.

Bei meinem Portemonnaie und Handy gehe ich lieber auf Nummer sicher und verstaue beides noch in einem Extratütchen, das man vom Fliegen mit Handgepäck kennt. Der Tipp eines Einheimischen.

Und ich gleite weiter durch den Rhein. Heeerrrrlich!

Vorbei am 178 Meter hohen Roche-Turm, dem Hauptsitz des Pharmakonzern. Vorbei am Rheinbad Breite, 1898 erbaut. Später noch an St. Johann, dem zweiten Rhybadhysli, das engagierte Bürger von Basel vor dem Abriss gerettet haben. Unter der Wettsteinbrücke hindurch, bis auf Höhe der Münsterkirche, dem Wahrzeichen der Stadt mit den vielen bunten Dachziegeln.

Jetzt wird’s interessant, weil eines der vier kleinen Fährschiffe meinen Weg kreuzt. Es hängt an einem Seil, nutzt die Strömung als Antrieb. Auf dem Wasser gilt: Fähren haben Vorfahrt, immer! Ich drehe mich auf den Rücken, halte mich am Wickelfisch fest, der mir als ruhendes Luftkissen dient, arbeite mit meinen Füßen gegen den Strom – und schaue dem Bötchen hinterher.

Dann, quasi lautlos, zieht ein Containerschiff an der anderen Uferseite flussabwärts vorüber. Darauf habe ich gewartet, denn ich will wissen, welche Wellen es macht? Yeeeaaah, kurz wogt es rauf und runter.

Gegen den Strom

Noch einmal wird klar: Schwimmen im Rhein ist nicht ungefährlich. Wer sich an ein paar Regeln hält, minimiert aber doch sein Risiko. In der Schweiz wird über die Sicherheit übrigens wesentlich unaufgeregter als in Deutschland diskutiert. Flussbaden gibt es auch in der Aare in Bern und in der Limmat in Zürich. In Basel heißt das Rheinschwimmen verharmlosend: „Den Bach runter.“

Kurz vor der Mittleren Brücke hat Basel Tourismus neuerdings eine Fotostation aufgebaut. Langsam vorbeischwimmen, heftig winken – dann soll es Kick machen. Die Bilder sind im Internet zu sehen. Schade, bei mir hat’s nicht funktioniert.

Ein weiteres Fährschiff und eine weitere Brücke später kommt schon das Ziel in Sicht: die Dreirosenbrücke. Ich bereite meinen Ausstieg vor. Drehe mich zur Seite und schwimme gegen die Strömung. Puuuh, Vater Rhein ist schon ein kräftiger Bursche. Nicht umsonst warnt die SLRG: „Nur für gute Schwimmer.“

Geschafft. Ausstieg am Unteren Rheinweg, eine Uferpromenade mit Sitztreppen, sogar Duschen gibt es hier. Ich lasse mich in der Sonne trocknen, stiefele dann zwei Stufen höher – in eine Buvette mit Blick auf den Fluss und die Stadt. Dazu ein großes Helles, heeerrrlich.

Ach ja, meine Klamotten im Wickelfisch sind nicht nass geworden. Geht doch.

>> INFO: das 39. Basler Rheinschwimmen

Wenn das Wetter mitspielt, gibt es am Dienstag, 13. August, ab 18 Uhr das 39. Basler Rheinschwimmen. Einstieg: Schaffhauserrheinweg 39, Ausstieg: Johanniterbrücke. Mitmachen gratis. Nur gute Schwimmer. Teilnehmer erhalten das Rheinschwimmdiplom und eine Medaille. Auskunft ab 12 Uhr unter Ruf 061/16005 (Ländervorwahl: +41 bzw. 0041). Ausweichtag: 20 August ab 12 Uhr.

Infos: www.basel.com/de/Rheinschwimmen

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