Kirchenmusik

Der Anfang! Mit Posaune und Orgel

Im Berliner Dom haben Fink und Lehnen auch schon gemeinsam gespielt. Jazzposaune und Orgel - das passt zusammen.

Im Berliner Dom haben Fink und Lehnen auch schon gemeinsam gespielt. Jazzposaune und Orgel - das passt zusammen.

Foto: Gerhard Seyber t

Kevelaer.   „Seven“: Soloposaune und Kevelaers Seifert-Orgel spüren der Frage nach dem Ursprung des Lebens nach. Hansjörg Fink. Elmar Lehnen. Bastian Rütten.

Was für ein Brausen und Tosen – es rabautzt in den Ohren, Töne pochen durch Raum und Geist – du meine Güte, war das der Anfang?

Was war, als nichts war?

War nichts?

War alles schon?

Da war die Idee.

Da war die Materie.

Da war das Vorhaben

Da war: ANFANG!

Kaum zu glauben, wie erhaben-laut so eine Orgel sein kann, so andächtig gewaltig. Und dann fällt die Posaune ein – was ist das jetzt? Kirchenmusik? Jazz? Hallo?

Und es wird leise und zart, am Ende gar, ganz zum Schluss – als fast alles fertig ist – da umschlingen Orgel und Posaune den Zuhörer, legen ein weiches, ein kuscheliges Mäntelchen um die er-schöpfte Seele . Und wieder ist da die Stimme, der Text von einem, der auszog, Theologie zu studieren und bei all dem Spirituellen das Jetzt, das Sein, nicht vergaß, Dr. Bastian Rütten:

In so viel Lärm und Unruhe

In so viel Verwirrung und Betriebsamkeit

Ruhe!

Dann vielleicht wieder:

Eine zaghafte Bitte,

ein Versuch,

Ein Wagnis.

Ein Anfang.

Aber vorher:

Ruhe!

Und dann ist es aus – also diese Musik ist verklungen, die Stille kommt in die Ruhe und doch dröhnt es noch in den Köpfen und gewiss auch in den Herzen ganz vieler Zuhörer. Posaune und Orgel und Texte – und alle erzählen zusammen die Schöpfungsgeschichte neu und mutig und verblüffend – und jeder erlebt sie wohl für sich, anders, individuell, ergriffen , verwirrt.

Ein starkes Stück.

Seit zehn Jahren arbeiten sie zusammen, Elmar Lehnen, Basilikaorganist an St. Marien Kevelaer, und Hansjörg Fink, Hochschullehrer im Fach Jazzposaune, unter anderem.

Ist es Jazz? Ist es Kirchenmusik?

Und sie wollten etwas schaffen, was neu ist, was FinkLehnen ist, was zwei Blasinstrumente vereint – und dabei haben sie eine Stilrichtung geschaffen – für die es irgendwie noch gar keinen Namen gibt. Kirchenmusik, Jazz, Lehnen, Fink, zart-weich, hart und unerbittlich, dröhnend und zuckersüßsanft. Nun also mit „Seven“ (Sieben), eine CD und passend dazu die Konzertpremiere in Kevelaer (siehe Box).

Die Posaune wird ein Register der Orgel, eingebettet, nicht als Begleitung sondern gleichberechtigt. Das geht, tatsächlich, und manchmal verschmelzen beide, so dass man gar nicht mehr zu hörten weiß, ist es Fink? Ist es Lehnen?

„Wir wollen nicht wieder die Geschichte vom alten, weißbärtigen Mann erzählen.“

So wie auch die beiden Komponisten irgendwie gar nicht mehr so genau wissen, wer denn welche Notenfolge geschrieben hat. Alles fließt ineinander. Das Thema ist ein urchristliches, die Schöpfungsgeschichte – erzählt in sieben literarischen und musikalischen Fragmenten.

„Der Jazz“, so Texter Rütten, „ist ein ideales Ausdrucksmitte um alte Motive und neue Formen zu verbinden.“– „Wir wollten nicht wieder die Geschichte vom weißbärtigen Mann erzählen“ so Lehnen.

„Wir sind im 21. Jahrhundert“, so Fink. Mit den Fragen von heute, mit dem Zweifeln und dem Staunen von heute. Mit dem Suchen nach Antworten von heute.

Jeder soll seine eigenen Bilder sehen, spüren, hören, fühlen. „In einem aufgeklärten Zeitalter wollen Menschen meist greifbare Erklärungen, Zusammenhänge erkennen, Ursachen benennen, Wirkungen kalkulieren können“, sagt Rütten. Doch die erste aller Fragen bleibt in ihren letzten Ursachen ein Mysterium: die Frage nach dem Ursprung, nach den Anfängen, nach der ersten Idee.

Musik, Texte – alles ist neu komponiert und geschrieben. Lehnen, Fink und Rütten wollen keine Antworten geben. Sie wollen Mut zum wieder Schöpfungsstaunen machen. Und sie wollen eins: „die Liebe zum Fragen“ neu erwecken.

Überall bei der Arbeit. Elmar Lehnen (li.) und Hansjörg Fink. Foto: Seybert Sieben klingende Fragmente über den Ursprung des Lebens – das ist der Inhalt von „Sieben“, der neuen CD von Hansjörg Fink (Posaune) und Elmar Lehnen (Orgel).

Texte von Dr. Bastian Rütten (Theologischer Referent der Wallfahrt Kevelaer). Erscheint am 6. Juli bei „audite“, 19,99 Euro.


Das Konzert zur CD

Am Mittwoch, 4. Juli, stellen Fink, Lehnen, Rütten die CD im Konzert vor: „SEVEN“, 20 Uhr, in der Marienbasilika Kevelaer. Der Eintritt ist frei. Kollekte am Ausgang.

Vor dem Konzert , 18.45 Uhr bis etwa 19.30 Uhr, wird eine Werkseinführung angeboten – mit Klangbeispielen. Ort: Orgelbühne.

Nach dem Konzert gegen 21.15 Uhr: gemütlicher Ausklang und Gesprächsmöglichkeit mit den Musikern und Komponisten Hansjörg Fink und Elmar Lehnen, dem Autor der literarischen Fragmente Dr. Bastian Rütten, Vertretern des „audite“ Labels (Detmold), Agnes Böckenhoff (Design/Foto/Video), Ludger Böckenhoff (Tonmeister, Aufnahmeleiter und Labelchef) und dem Orgelbauer der Seifertorgel der Marienbasilika zu Kevelaer, Roman Seifert.

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