Friedrich Stummel

Der Mann, der die Kirchen ausmalte

Der Meister inmitten seiner Schüler.

Der Meister inmitten seiner Schüler.

Foto: Niederrheinisches Museum Kevelaer/P. Derix

Kevelaer.   Friedrich Stummel malte viele Kirchen aus am Niederrhein, darunter die Marienbasilika in Kevelaer. Blick in die Ausstellung „Stummels Erben“.

Da ist ja gründlich ‘was schief gegangen...

... was für ein Glück für das Wallfahrtsstädtchen Kevelaer und so manchem Kirchenbauwerk nah und fern!

Friedrich Maria Franz Stummel (geboren 1850 in Münster) ist am Niederrhein hängen geblieben. Zuvor hatte er die Düsseldorfer Kunstakademie besucht – 16 Jahre jung war er da alt, malte sich beim Abzeichnen von Gipsmodellen die Finger wund. Er entdeckte die religiöse Historienmalerei für sich, – seine Professoren entdeckten sein Talent. Am Dom von Treviso (Italien) sollte er später arbeiten, in Rom, in Berlin. 1878 wurde ein Gemälde von ihm auf der Kunstausstellung im Londoner Crystal Palace ausgestellt und mit einer silbernen Medaille gewürdigt. Doch der Mann, dessen Erkennungszeichen der mächtige Rauschebart wurde, war nicht glücklich in der Großstadt.

.. ob er ihm nicht zu einem Kirchlein verhelfen könne...

Und er schrieb einen Brief an einen befreundeten Vikar in Kalkar.

Museumsleiterin Veronika Hebben und Museumspädagogin Indra Peters haben den im Archiv wiederentdeckt. Und da bittet Stummel den Freund am Niederrein um Hilfe, 1881, „ob dieser ihm nicht zu einem Kirchlein verhelfen könne, das er ausmalen dürfe.... er wolle nun endlich an diejenige Arbeit gehen können, die allein ihm Befriedigung gewähren werde...“

Friedrich Stummel sollte den Auftrag seines Lebens bekommen: die Ausmalung der Marienbasilika zu Kevelaer – wahrlich alles andere als ein „kleines Kirchlein“...

Das Niederrheinische Museum in Kevelaer widmet ab Sonntag diesem Friedrich Stummel anlässlich seines 100. Todestages (16. September 1919) eine Sonder-Ausstellung. Friedrich Stummel hat zahlreiche Kirchen am Niederrhein ausgemalt – getragen vom Stil der Nazarener Schule – aber die Kevelaerer Aufgabe war die größte – und er sollte nicht das Glück haben, sie zu Ende bringen zu können.

Stummels Schüler vollendeten nach Stummels Tod das Malwerk in der Basilika zu Kevelaer

„Stummels Erben“ nennt sich die Ausstellung (Eröffnung am Sonntag um 11 Uhr). Eine Entdeckungsreise zu dem, was Stummel schuf und vor allem, was er hinterließ: viele wackre Malschüler, die nach seinem Tod die Marienbasilika zu Ende ausmalten und dann selbst irgendwie schauen mussten, sich mit der Kunst über Wasser zu halten. Den einen gelang das, den anderen nicht. Der monumentalen Malerei und Historienmalerei, die großartige Geschichten auf großen, einnehmenden Formaten erzählt, widmeten sich die meisten nicht mehr.

Nachdem Stummel seine ersten Probearbeiten überstanden hatte, durfte er in Kevelaer an die „richtige“ Arbeit, die Ausmalung von Gnadenkapelle, Beichtkapelle, Basilika -- allein in ihr lassen sich etwa 170 szenische Darstellungen mit 1200 Figuren an Decken und Wänden finden – oft durften oder mussten Kevelaerer da Modell stehen.

Wunderschön zu entdecken in der Ausstellung sind die Entstehungsgeschichten der Arbeiten – von der detaillierten Bleistiftzeichnung über den Entwurf auf Karton bis hin zum Kunstwerk und Kirchenfenster – inklusive handschriftlicher Anweisungen. Die nach wie vor neben dem alten Stummel-Atelier wirkende Glasmalerei Derix hat viele Dinge für die Ausstellung aus ihrem Archiv beigesteuert.

„Stummels Erben“

Im Gedenken an seinen 100. Todestag widmet sich das Niederrheinische Museum Kevelaer, Hauptstr. 18, dem Schaffen des Historienmalers Friedrich Stummel in einer Sonder-Ausstellung. „Stummels Erben“ ist von Sonntag, 19. Mai, bis zum 14. Juli im Niederrheinischen Museum Kevelaer zu sehen. Die Ausstellungseröffnung am Sonntag findet im Rahmen der Kreis Klever KulTourtage statt.

Eine Führung wird u.a. am 19. Mai, 15 Uhr, angeboten (fünf Euro Person). Geöffnet täglich, außer montags, 10-17 Uhr.

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