Rauhnächte

Die Magie der zwölf heiligen Nächte

Bei ihr haben böse Geister keine Chance... Jutta Becker-Ufermann in ihrer kuscheligen Kräuterkammer in Schermbeck.

Foto: André Elschenbroich

Bei ihr haben böse Geister keine Chance... Jutta Becker-Ufermann in ihrer kuscheligen Kräuterkammer in Schermbeck. Foto: André Elschenbroich

Schermbeck.   16 Leser haben sich getraut, die Magie der Rauhnächte zu erleben. Im Dämmerwald. Kräuterpädagogin Jutta Becker-Ufermann hat sie begleitet

Da! – Was war das? Ist da nicht gerade etwas vorbei gehuscht? Oder jemand? Eine Hexe vielleicht? Ein Troll? Oder gar Wotan mit seinen wilden Reitern? Alles möglich, schließlich sind wir mittendrin, in den so genannten Rauhnächten. Es ist eine besondere, eine magische Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag.

Zwölf Nächte, in denen dem alten Glauben nach mystische Wesen unterwegs sind und ihr Unwesen treiben und Träume zu Orakeln für die kommenden zwölf Monate werden. 16 Leser und Leserinnen von „Wir am Niederrhein“ haben sich hineingewagt in das Abenteuer Rauhnächte. Mit ihnen besuchten wir Kräuterpädagogin Jutta Becker-Ufermann auf ihrem Hof, dem Appelbongert, in Schermbeck.

Zwölf Nächte zwischen den Jahren, in denen mystische Wesen ihr Unwesen treiben

In der Stube des fast verwunschen wirkenden Hofes ist es gemütlich und warm, die Gastgeberin hat im alten Ofen Feuer gemacht. Der heiße Apfelpunsch verströmt einen herrlichen Duft. Während es draußen längst stockdunkel ist, der Regen prasselt und der Wind pfeift, machen wir es uns im Kerzenlicht um einen großen Tisch herum bequem und sind plötzlich mittendrin, in dieser Rauhnacht.

Zwischen den Jahren hängt man keine Wäsche nach draußen. Wotan und seine zwölf Reiter könnten sich darin verfangen...

Jutta Becker-Ufermann erzählt von Menschen, die in der Zeit „zwischen den Jahren“ die Arbeit niederlegten und zur Ruhe kamen, die in ihren Häusern zusammenkamen, um auf Vergangenes zurückzuschauen und die Geschehnisse des kommenden Jahres weiszusagen. Und die Ritualen nachgingen, um Böses zu verhindern und die Geister milde zu stimmen.

Wäsche draußen zum Trocknen aufhängen während der Zeit der Rauhnächte? „Absolut unmöglich in früheren Zeiten“, sagt Jutta Becker-Ufermann und erklärt auch, wieso: „Wotan und seine wilden Reiter könnten sich darin verfangen und zu Fall kommen.“ Hängt Unterwäsche junger Frauen auf der Leine, könnten die Reiter die Jungfrauen entführen.

Wehe, wenn Wotan kommt...

Und findet Wotan ein weißes Laken, macht er ein Leichentuch daraus, im kommenden Jahr wird also jemand sterben. Aus dem Althochdeutschen stamme der Begriff der Rauhnächte, erklärt die Kräuterpädagogin. Ob das Wort von Weihrauch kommt?

Gut möglich, denn die zwölf Nächte waren auch die Zeit des Räucherns von Kräutern. Kamille zur Heilung, Lavendel zur Beruhigung, Wacholder zur Stärkung der Willenskraft oder Thymian für mehr Mut. Auch wir probieren das Räuchern aus – am Feuer in der offenen Scheune nebenan mit frischer Fichte, Salbei und mehr experimentieren. „Die Kräuter sollen durch die Glut ihre ätherischen Öle freisetzen.“

„Spannend“, findet Gertrud Scheuvens das Ganze. Mit ihrer Freundin Marianne Hauck ist die Alpenerin auf den Appelbongert gekommen und begeistert. „Der Ort, die Atmosphäre, das Wissen von Frau Becker-Ufermann, einfach toll.“

Das Räuchern im Inneren sei nicht ganz ungefährlich, sagt Jutta Becker-Ufermann und verweist auf mögliche CO2-Vergiftungen. „Wer es ausprobieren möchte, sollte nach draußen gehen.“ Das tun wir auch – und zum Abschluss wartet noch eine leckere Überraschung in der warmen Stube: duftende Bratäpfel.

>>> Kräuterkunde ‘mal anders.... Rauhnächte im Dämmerwald. Foto: Jo Becker Natur-Seminare im Dämmerwald. Brot backen, Un-Kraut-Smoothies machen, Weiden flechten – Kräuterpädagogin Kräuterpädagogin Jutta Becker-Ufermann bietet unterschiedlichste Aktionen und Exkursionen an. Die Magie der Rauhnächte Rauhnächte kann man auch noch einmal erleben: Freitag, 5. Januar, 15-17 Uhr.

Infos: 0 28 65-1 04 57; www.appelbongert-un-kraut.de

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