2019: Theodor-Fontane-Jahr

Ein schicker Beitrag von Künstlerin Barbara zum Fontane-Jahr

Botho und Lene, eine unglückliche Liebe. 

Botho und Lene, eine unglückliche Liebe. 

Foto: Barbara Grimm

Am Niederrhein.  Ein schicker Beitrag zum Theodor-Fontane-Jahr: Die Künstlerin Barbara Grimm aus Hünxe illustriert die Romanfiguren des großen Erzählers.

So viel Geschichtsunterricht darf schon noch sein, schließlich sind wir mitten im Theodor-Fontane-Jahr. Der Jahrhundertschriftsteller (1819-1898) ließ sich für seinen zum Klassiker gewordenen Gesellschaftsroman „Effie Briest“ von einer wahren Begebenheit inspirieren. Das Vorbild für die titelgebende Hauptfigur hieß Elisabeth von Ardenne, ihr Geliebter war kein Major, sondern ein Amtsrichter, und ihre tödlich endende Liaison spielte nicht an der Ostsee: sondern begann einst in Düsseldorf.

Genau genommen im Wohnhaus des Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi. Mit einem weitläufigen Garten, durch den schon die Humboldt-Brüder, natürlich der unvermeidliche Goethe, sowie die Herren Diderot, Herder, Klopstock und Wieland spazierten. Längst ist es das Gesellschaftshaus des Künstlervereins Malkasten, der früher mal ein richtig revolutionärer Haufen war – womit der Bogen zur Kunstakademie am Rheinufer geschlagen ist.

Die Beuys-Schülerin aus Hünxe

Hier studierte in den 1960er Jahren Barbara Grimm, in Raum 20, bei Professor Joseph Beuys. „Ich habe bei ihm gelernt, Ideen und eine Form von Selbstbewusstsein zu entwickeln, ohne dabei abgehoben zu sein“, erinnert sie sich. Zeichnen brachte er ihr auch bei, inklusive einer exakten Linienführung.

Letzteres ist wichtig zu erwähnen, wie später zu sehen sein wird. Gemeinhin werden die Werke der Künstlerin vom Niederrhein mit den Attributen kraftvoll, farbintensiv und expressiv beschrieben. Damit fühlt sich die gebürtige Duisburgerin, die in einem Bauernhaus in Hünxe-Bruckhausen wohnt und arbeitet, durchaus getroffen.

Wer ihre Arbeiten aus den zahlreichen Ausstellungen in Dinslaken und Umgebung kennt, dürfte darin häufiger den Ausdruck schwungvoller Spontanität und unverkrampfter Leichtigkeit entdeckt haben. Barbara Grimm ist ein Malerin aus Intuition und mit Emotion.

Der Fontane-Fachmann aus Dinslaken

Umso überraschender wirken ihre Auftragsarbeiten, die sie seit mehr als zehn Jahren schon für den Dichter und Germanisten Hans-Peter Fischer aus Dinslaken ausführt. Der pensionierte Deutschlehrer schreibt nicht nur eigene Gedanken, Gedichte und Gefühle nieder, mittlerweile hat er sich einen Namen als Fontane-Fachmann gemacht, bundesweit.

Akribisch, man ist fast geneigt zu sagen: besessen, arbeitet er sich an der Literatur des Heinrich Theodor Fontane ab. Vor allem die „Irrungen, Wirrungen“, 1887/88 erstmals veröffentlicht, haben es ihm angetan. Bereits vier Begleitbände, allesamt sehr viel dicker als der Roman selbst, hat er bisher herausgegeben. Voller Anmerkungen, Andeutungen und Anspielungen: zur Geschichte an sich, zu den Figuren insbesondere, zum Autor sowieso.

Arielle – nein, nicht die Meerjungfrau von Disney

Ein Beispiel: Lene ist ein Arbeitermädchen, das den adeligen Major Botho liebt, der aber aus Vernunft Käthe heiratet. Ihr Leid ist eine für damalige Verhältnisse unstandesgemäße Liebe. Wem das irgendwie bekannt vorkommt, darf ohne jede Übertreibung von sich behaupten: ein echter Kenner zu sein!

Solch ein Frauengestalt gab es nämlich bereits beim Märchenerzähler Hans Christian Andersen. Jaja, es war die kleine Meerjungfrau, die ursprünglich doch ganz anders als Arielle, der kitschige Kinostar von Disney, war.

Womit nun aber auch klar ist: Hans-Peter Fischer macht es selbst Fontane-Liebhaber mit seinen ausführlichen Bemerkungen und diskussionswürdigen Behauptungen nicht leicht. Umso klüger war es von ihm, auf die Kunst der Barbara Grimm zu vertrauen. Ihre feinlinierten Illustrationen stellen den Idealfall einer Buchbebilderung dar: als ergänzende Erklärungen und abwechslungsreiche Auflockerungen der gewichtigen Worte.

Es sind allesamt gewissenhaft gestaltete Kleinformate: Akkurat mit dem Bleistift vorgezeichnet, flott mit Tusche und Feder auf Papier gebracht, zurückhaltend mit Aquarellfarbe koloriert – wenn nicht bis zuletzt in Schwarz und Weiß gehalten, wie vom Verlag gewünscht, wegen der niedrigeren Druckkosten.

Schade eigentlich, denn in Farbe wirken die schicken und schnittigen Bilder noch sehr viel illustrativer. Es sind genau jene Szenen, die beim Lesen des Originaltextes im Kopf entstehen – und die Barbara Grimm dann auf Papier brachte.

Irrungen, Wirrungen, auch heute?

Nein, nein, merkt Barbara Grimm übrigens sympathisch offen an, auch sie war vorher weder in der Mark Brandenburg noch im sonstigen Werk von Theodor Fontane allzu bewandert. Doch, doch, räumt sie nun gerne ein: Ein Stoff wie „Irrungen, Wirrungen“ sei auch heute noch aktuell. Stichwort: Zwangsheirat, um bloß ein Thema zu nennen.

So betrachtet ist es also nicht bloß tröstlich, anlässlich seines 200. Geburtstages zu einem Buch von Theodor Fontane zu greifen.

>> INFO: Über die Künstlerin Barbara Grimm

Barbara Grimm wurde 1948 in Duisburg-Hamborn geboren. Nach dem Abitur 1966 studierte sie an der Kunstakademie in Düsseldorf bei den Professoren Beate Schiff, Kurt Arnscheidt sowie im Raum 20 bei Joseph Beuys. Nach dem Abschluss mit Staatsexamen unterrichtete sie Kunsterziehung ab 1972 am Ernst-Barlach-Gymnasium in Dinslaken, später am Gymnasium in Voerde. Seit 2010 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin und stellt regelmäßig aus. Sie lebt mit dem Künstler Alfred Grimm in Hünxe-Bruckhausen nahe Dinslaken. Wer Interesse an ihren Fontane-Bildern hat, siehe Internet: barbara-grimm.com .

Die Bücher von Hans-Peter Fischer aus Dinslaken über das Werk von Theodor Fontane sind im Würzburger Verlag Königshausen & Neumann erschienen und im Buchhandel erhältlich.

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