Bernd Terhorst

Erinnerung an „Onkel Bernd“, den „Maler von Voorthuysen“

Bernd Terhorst, der „Maler von Voorthuysen".

Bernd Terhorst, der „Maler von Voorthuysen".

Foto: Carl Lange Verlag, Duisburg

Emmerich.  Diesen einen Wunsch hegte Hein Driessen seit Längerem: Noch mal das alte Atelier von Bernd Terhorst besuchen. Ein Besuch im Haus Alt-Voorthuysen.

Wann er zuletzt dort war? Hein Driessen überlegt kurz, sagt dann: „Das ist bestimmt schon zehn Jahre her. Damals lebte Ali noch, seine zweite Frau.“ Und jetzt, wo er sich selbst im Spätherbst seines Lebens befindet, wollte er noch einmal das Atelier seines Lehrmeisters Bernd Terhorst sehen. Bloß, die Beine des „Maler vom Niederrhein", wie ihn die Region kennt und nennt, machen nicht mehr so mit. Also fuhr die Niederrhein-Redaktion den 86-Jährigen an den Rand des Eltenberges – nach Alt-Voorthuysen.

Das Haus an der Furt, Nummer 65 auf der Liste der Baudenkmäler der Stadt, gehört schon seit mehr als eintausend Jahren zur Ortsgeschichte. Die Historie reicht vom „Königshof“ über den „Adelssitz“ bis zum „Refugium eines Künstlers“, schrieb einst der Schriftsteller Helmut Rotthauwe, gen. Löns. 1849 bekam es den Zu-, sprich Vorsatz „Alt“, nachdem Theodor van Dreveldt auf der anderen Seite des Flüsschens Wild ein weiteres Gutshaus errichten ließ: Neu-Voorthuysen.

Beide Häuser sind den Menschen in Emmerich noch immer bekannt und werden bei Fahrradausflügen oder Spaziergängen gerne für einen Augenblick angesteuert. Die Zeiten, als Künstler, Geistliche und Politiker, schon auch Bauern und Handwerker, in Alt-Voorthuysen ein- und ausgingen, sind jedoch vorbei.

Heute ist das Herrenhaus in Privatbesitz. Die Eigentümerfamilie empfing Hein Driessen ausgesprochen freundlich und höchst interessiert, möchte ansonsten aber nicht viel Aufhebens um sich machen. Die Ruhe sie ihr gegönnt.

Von einem „Eyland“ schwärmte bereits Elisabeth Terhorst, geborene Hütter, die doch viel mehr als nur die erste Frau an der Seite ihres Mannes war. Hier im Haus Alt-Voorthuysen brachte die gebürtige Paderbornerin zum Beispiel die so genannte Eyland-Trilogie auf Papier, ein dichterischer Lobgesang auf die ländliche Idylle ihres zweiten Zuhauses.

Ihr Schreibtisch steht noch immer in dem Nebenraum hinter dem großen Wohnzimmer mit Kamin. Der Blick aus dem Fenster führt auf die grüne Wiese in den Garten hinaus. Im orange-roten Bleiglas sind unter anderem die Initiale des ehemaligen Besitzerpaares zu lesen: „BT“ und „EH“, schwungvoll verbunden durch einen Lebensbaum, deren Ehe jäh endete, als Elisabeth Terhorst 1956 viel zu früh verstarb.

Vier Päpste im Porträt

In jenen Tagen bildete sich Hein Driessen an der Werkkunstschule in Düsseldorf weiter. Davor hatte er zwei Jahre lang an der Folkwang-Schule in Essen studiert, in der Malerklasse von Professor Josef Urbach. Auf Vermittlung von Bernd Terhorst, oder wie Hein Driessen sagt: „Onkel Bernd“ – sein väterlicher Lehrmeister.

Bernd Terhorst wurde 1893 in Emmerich geboren. Er studierte an der Akademie in München und beherrschte bald alle Schaffensarten der bildenden Kunst: Aquarell, Fresko, Glasmalerei, Mosaik, Ölbild, Radierung und Skulptur.

26 Jahre jung war er, als er mit dem Staatspreis in Bayern ausgezeichnet wurde. Und machte sich bis zu seinem Tod, 1986, als Landschaftsmaler, Kirchenkünstler und Porträtist von Politikern sowie vor allem von Päpsten einen Namen: Pius XII., Johannes XXIII., Johannes Paul I. malte er – und im September 1979 auch noch Johannes Paul II., „mein letztes Papst-Gemälde“, beschied er und legte die Palette beiseite.

In seinem Atelier auf Alt-Voorthuysen erinnert heutzutage nichts mehr an den großen Künstler, der im hohen Alter von 92 Jahren starb. Durch die milchigen Fensterscheiben fällt das Nordlicht hinein, das Maler so mögen, weil es neutral sei.

Draußen an der Ecke wacht der heilige Christophorus in Form einer übermenschlichen Terrakotta-Figur. Und an der dicken Backsteinmauer prangt ein blau-weiß-türkises Steinmosaik: der Anker des „Malers auf Voorthuysen“ – dabei ist das „T“ in die Mitte des „V“ gesetzt.

Das erste Bild: eine Blume

Nein, Hein Driessen schüttelt den Kopf, an Details kann er sich nun wirklich nicht mehr erinnern. Sieben Jahrzehnte ist es her, als er im Terhorst’schen Atelier an die Kunst herangeführt wurde. Erst spielerisch, dann ernsthaft. „Das erste richtige Bild, das ich hier gemalt habe, war für meine Mutter: ein Stillleben, eine Blume.“

Beinahe eine Parallele zum altmeisterlichen Vorbild, der zarte zwölf Jahre alt war, als er an der Graft zum Haus Voorthuysen saß, es zeichnete und die Skizze stolz den Eltern zeigte. „Und dieses Haus werde ich eines Tages einmal kaufen!“, soll er gesagt haben. Diese Anekdote jedenfalls wurde von Helmut Rotthauwe, gen. Löns überliefert. Nun denn, so kam es ja dann auch.

Auch für Hein Driessen schließt sich wohl gerade ein Lebenskreis. Still und nachdenklich sitzt er im Auto des Autors dieser Zeilen – sagt dann: „Mit meinen Besuch wollte ich auch Bernd Terhorst in Erinnerung rufen“, und macht den Vorschlag: „Schreiben Sie doch über ihn, damit er nicht vergessen wird.“

>> INFO: Bilder von Bernd Terhorst

Ein paar Bilder von Bernd Terhorst sind im Rheinmuseum in Emmerich zu sehen. In der obersten Etage ist eine Ecke für ihn eingerichtet. Ein Werk zeigt seine Eltern, ein Gemälde seine erste Frau, daneben eine Büste von ihr – ebenfalls aus der Hand des Altmeisters.

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