Open-Air-Kino

In Goch gibt’s am Sonntag ganz großes Kino

Kirsten Pauls und  Joachim Lück von der emsigen „Goli“-Mannschaft. Daumen drücken, dass der Himmel seine Scheusen am Samstag dicht hält!

Foto: Niklas Preuten

Kirsten Pauls und Joachim Lück von der emsigen „Goli“-Mannschaft. Daumen drücken, dass der Himmel seine Scheusen am Samstag dicht hält! Foto: Niklas Preuten

Goch.   Sonntag wird im Museumsgarten wieder unter freiem Himmel die Leinwand aufgestellt. Wenn es regnet, ziehen alle eben wieder ins Goli-Theater um.

Gleich beim ersten Mal war es ein Schlag ins Wasser. Dabei hatten die Leute vom Goch Filmverein „Goli“ die Sache so schön geplant. Eine 50 Quadratmeter große Leinwand an der Nierswelle, einem Veranstaltungsplatz an der Nahtstelle zwischen Städtchen und Flüsschen. Großes Kino mit mediterranem Flair am lauen Sommerabend. Stattdessen: niederrheinische Regenfluten vom Feinsten. „Das Wetter ist natürlich immer ein Risiko“ sagt Joachim Lück vom Goli-Verein. Und auch in diesem Jahr fiel der Auftakt der Gocher Open-Air-Kino-Saison ins Wasser: „Willkommen bei den Hartmanns“ am vergangenen Samstag lief dann im Goli Theater – und nicht im romantischen Museumsgarten.

Samstag: „Highway to Hellas“

Nun heißt es für diesen Samstag, 12. August: Daumen drücken für „Highway to Hellas“! Einlass: ab 19 Uhr. Mit Livemusik von der Rockband „Catch 22“.

Das Open-Air-Kino steckt nun im vierten Jahr. Man sitzt auf mitgebrachten Sesseln, Stühlen oder Decken im Museumsgarten. Eingerahmt an allen vier Seiten von Museumsgebäude und Kastell, dichten Baumreihen und einer 50 Quadratmeter großen Leinwand. Wie in einem großen Saal mit dem Firmament als Decke. „Einmal haben wir den Kultfilm Casablanca gezeigt, dazu hatten wir einen wunderschönen Sternenhimmel“, erinnert sich Joachim Lück. Eine traumhafte Kinogeschichte, neben der der Alptraum vom verregneten ersten Mal glücklicherweise schnell verblasst.

Von den etwa 80 Mitgliedern des Vereins sind 20 sehr aktiv. Sonst gäbe es das alles nicht: den Wochen-end-Kinobetrieb im Gocher Lichtspielhaus. Ein Programmkino in einer Stadt mit nur etwa 35.000 Einwohnern. Die Open-Air-Filmabende in entspannter Atmosphäre. Es gibt Getränke, klar, Knabberzeug und ganz frisches Popcorn – das beste am ganzen Niederrhein, wie manche behaupten. Jeweils um 19 Uhr ist Einlass, die Vorführung beginnt erst bei Einbruch der Dunkelheit. Da bleibt viel Zeit zum Trinken, Essen und Reden.

Eine Leinwand aus Österreich

Die Leinwand hat Goli-Mitglied Franklin von Brocke in Österreich beschafft. Ein aufblasbares Gestell, an das man die Leinwand ankletten muss. Wichtig: Die Luftzufuhr muss die ganze Zeit über andauern. „Einmal gab es Stromausfall, da sackte die Leinwand langsam in sich zusammen“, erzählt von Brocke. Dem Publikum habe diese spontane Einlage aber prima gefallen.

„Wir sind ja eigentlich ein Haufen Ahnungsloser, die Kino machen“, lacht Joachim Lück. Wenn die Technik völlig versagt und die Kabel, Schalter und Knöpfe ein unentwirrbares System bilden, hilft ihnen ein befreundeter Techniker aus. Aber glücklicherweise kommt dieser Fall nicht oft vor. Lück: „Wir haben viel dazugelernt.“

Das Publikum weiß die Aktivitäten längst zu schätzen. Kirsten Pauls vom Goli-Verein berichtet von zwei älteren Damen, die von weit außerhalb nach Goch gefahren waren, um hier ganz bestimmte Gartenstühle zu kaufen.

Die sahen in der Stadt ein Plakat vom Open-Air-Kino, guckten sich den Museumsgarten an und entschieden spontan, ihre Gartenstühle hier während der Vorstellung auszuprobieren. „Ich habe ihnen noch gezeigt, wo sie sich warme Socken kaufen können“, sagt Kirsten Pauls. Jedenfalls waren sie am Ende ganz begeistert.

Ein Stück Geschichte

Sollte es wieder regnen, wird im Goli geguckt, im „Gocher Lichtspielhaus“. Dessen Geschichte beginnt 1911, als ein Gocher mit allerlei Filmvorführgeräten aus Amerika zurückkam und in Kneipensälen erste Filme zeigte. 1913 bezog er das Vorgängergebäude des heutigen Goli, das im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde. Nach dem Wiederaufbau gab es glänzende und schlechtere Kinojahre. 1995 schlossen sich die Pforten. Nach einem kurzen Versuch zwischen 2009 und 2011, das Kino kommerziell zu betreiben, nahm vor sechs Jahren der Verein seine Arbeit auf.

So ist das Kino inzwischen auch zu einem Treffpunkt von Menschen geworden, die sich vom Gerede über den Niedergang der Kleinstädte nicht beirren lassen, sondern am Gegenteil arbeiten.

„Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“, sagt Claude Rains am Ende von „Casablanca.“ Und wenn dazu dann hoch oben die Sterne leuchten, weiß man: Die ganze ehrenamtliche Arbeit lohnt sich. Und wie.

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