Nikolaus und Karneval

Warum Nikolaus und Karneval eng miteinander verbunden sind

Der Nikolaus beim Apfelwurf am Fenster des Rathauses in Wesel.

Der Nikolaus beim Apfelwurf am Fenster des Rathauses in Wesel.

Foto: LVR-Niederrheinmuseum

Am Niederrhein.  Von wegen olle Kamelle: Das Fest des heiligen Nikolauses hatte früher auch mit dem Karneval zu tun. Die Spur der Legenden führt auch – nach Köln.

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Die vielen Nikoläuse, die am St. Nikolaustag ihre Geschenke verteilen, sind uns allen wohlbekannt und haben ihre Wurzeln im weit zurückreichenden heimischen Brauchtum. Dass der Nikolausbrauch aber auch eng mit dem Karneval verbunden ist, dürfte eher unbekannt sein.

Den Auftakt zum Karneval in Spätmittelalter und Früher Neuzeit bildete so in den Niederrheinlanden die feierliche Amtseinführung des „Knabenbischofs“ am Nikolaustag. Ein Schüler oder Chorknabe wurde von seinen Mitschülern für dieses Amt auserkoren. In einer feierlichen Zeremonie bekleidete man den Jungen mit seiner neuen Würde, die dieser unterschiedlich lang zelebrieren durfte.

Besonders prächtig war der Einstieg in sein Amt in Köln. Hier zog der Knabenbischof mit dem entsprechenden Ornat eines hohen geistlichen Herrn versehen, an der Spitze eines ritterlichen Gefolges durch die Stadt und sammelte mildtätige Gaben ein.Aus Arnheim und Venlo ist bezeugt, dass der städtische Magistrat den kindlichen hohen Würdenträger mit seiner Begleitung im Rathaus empfing, mit Geld ausstattete und dann den Wein für seinen hohen Besuch fließen ließ.

Anders als unsere heutigen Nikolausdarsteller, teilten die Knabenbischöfe also weniger Gaben aus, als dass sie solche empfingen. In Köln versah er sein Amt nur bis zum „Tag der unschuldigen Kinder“ am 28. Dezember, der an den Kindermord des Herodes in Betlehem erinnert. Andernorts, und das war die Regel, endete seine Herrschaft am Aschermittwoch.

Umzug am Nikolaustag

In seiner Amtszeit war der Knabenbischof durchaus eine Person von Rang. Besuchten hohe Herrschaften die Stadt, etwa der Landesherr, so durfte der Knabenbischof beim Empfang nicht fehlen.

Ähnlich gestaltete sich Inauguration des Knabenbischofs in Wesel. Hier wählten die Schüler der renommierten Lateinschule einen armen Schulkameraden zum „Schülerbischof“. Auch hier wartete man dem „Bischof“ am Nikolaustag im Rathaus auf, wo ihn der Rat feierlich in seinem Amt bestätigte.

Vor dem Ratsgebäude hatten sich seine Mitschüler versammelt, denen der frisch eingeführte Schülerbischof dann durch ein Rathausfenster Äpfel hinunterwarf.

Wie in vielen anderen Städten gehörte auch in Wesel der anschließende Umzug durch die Stadt zum festen Programm des Nikolaustages. Hier bildeten zwei „cappelaenen“, Schülerkaplane, seine Entourage, mit denen er durch die Straßen zog. Die Kosten für das kostbare Bischofsgewand trug in erster Linie der Rat. Aber auch die Familien der Mitschüler hatten sich daran zu beteiligen.

Alles im allem war das Amt des Knabenbischofs also durchaus eine Ehrenstellung. Auch bei dem armen Zögling in Wesel, den seine Mitschüler hierzu bestimmten, handelte es sich nicht etwa um eine geringschätzige Almosengewährung.

In Wesel dauerte die Amtszeit oder zumindest ihre Nachwirkung noch über die Karnevalszeit hinaus. Hier durfte sich der junge Amtsträger wohl ein ganzes Jahr lang mit seinen zwei Schülerkaplanen an Feiertagen – und derer gab es im Mittelalter viele – bei seinen reicheren Mitschülern zu einer Mahlzeit einladen.

Der Brauch, am St. Nikolaustag einen Jungen zum Knaben- oder Schülerbischof zu wählen, hat seinen Ursprung in einer Legende des Heiligen, die vermutlich in Nordfrankreich im 11. Jahrhundert entstand. Der Kern dieser Nikolausgeschichte lässt sich kurz so zusammenfassen:

Drei junge Leute, teils als Schüler, teils als Studenten bezeichnet, kehren in einer Herberge ein, deren Wirt sich auch auf das Metzgerhandwerk versteht. Die drei nehmen eine üppige Mahlzeit ein und sprechen auch dem Wein reichlich zu. In der Nacht nähert sich der Wirt den Schlafenden mit seinem Schlachtermesser, tötet sie und pökelt ihr Fleisch in einem Fass mit Salz ein.

Schutzpatron der Metzger und Wirte

Später nimmt der heilige Nikolaus den gleichen Weg, kehrt in der Herberge ein und bittet den Wirt um ein Nachtmahl. Dieser bietet nun den Inhalt des Salzfasses an. Der Heilige erkennt sofort, worum es sich handelt und segnet das Salzfass.

Die drei Knaben erwachen wieder zum Leben wie nach einem langen Schlaf. Wirt und Wirtin gestehen und bereuen ihr verbrecherisches Treiben und bekehren sich zum Christentum.

Kunst und Kunsthandwerk am Niederrhein haben das Motiv vom hl. Nikolaus und den drei Knaben, die nach ihrer wunderbaren Wiederbelebung in voller Lebensgröße und unversehrt im in Salzfass stehen, häufig aufgegriffen.

Auf diese Nikolauslegende geht auch das Schutzpatronat des Heiligen über Metzger und Wirte, über Studenten und eben auch über die Schüler zurück.

Es ist ein schöner Zug christlicher Barmherzigkeit und Vergebung, dass diese Patronatschaft, wie so oft bei Heiligen, soziale Gruppen der Opfer und Täter in gleicher Weise beschützt.

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