Konstantin Weber: Wasserfarben

Konstantin Weber: ein preußischblauer Rhein-Maler

Konstantin Weber in seinem Atelier in Lörrach. Im Hintergrund: zwei seiner Kathedralen-Bilder.

Konstantin Weber in seinem Atelier in Lörrach. Im Hintergrund: zwei seiner Kathedralen-Bilder.

Foto: Ingo Plaschke

Am Ober- und am Niederrhein.  Konstantin Weber stellt gerade im Binnenschifffahrtsmuseum in Ruhrort aus. Seine Bilder sind auffallend blau. Warum? Ein Atelierbesuch in Lörrach.

Der erste Eindruck, sagt man ja so, ist entscheidend. Tja, lieber Herr Weber, irgendetwas an ihren Rhein-Bildern ist anders. Aber – was bloß?

19 Werke hat der Maler vom Ober- an den Niederrhein gebracht. In die Ausstellung „Wasserfarben“ im Museum der Deutschen Binnenschiffahrt in Duisburg-Ruhrort, die dort noch bis in den Herbst dieses Jahres hinein anzusehen ist.

Es sind Motive vom großen Fluss, seinen Ufern, den Auen und der Landschaft etwas weiter darüber hinaus. Wenn man so will, sind es Bilder seiner Heimat. Obschon dieser klischeehafte und vorbelastete Begriff für die Kunst des Konstantin Weber auch in die Irre führt.

„Wenn ich beim Betrachter zunächst eine Verwirrung der Sinne stifte, gefällt mir das“, sagt er. Womit er die Richtung vorgibt, in welchem Stil er seine Ölfarben auf Leinwände, manchmal auch auf Baumwollgewebe, Hartfaserplatten oder Papier, sprich Küchenkrepp, bringt: mehr abstrakt als gegenständlich.

Das Ungefähre und Verschwimmende, die Doppeldeutigkeit und Spiegelung, eine Bodenlosigkeit und Unendlichkeit geben den Arbeiten die eigenwillige Handschrift ihres naturverbundenen Schöpfers.

Panta rhei, alles fließt. Wasser ist sein Element. Wohl auch, weil Bäche und Flüsse ihn schon sein Leben lang begleiten. Er wurde 1949 in Freiburg geboren; an der Dreisam. Er studierte zwischen 1971 und 1976 an der Kunstakademie in Karlsruhe; am Rhein. Er lebt nun in Efringen-Kirchen; mit dem Enge-, Feuer- und Mühlebach. Er arbeitet jetzt in einem Atelier in Brombach bei Lörrach; an der Wiese.

Etwas Beuys, aber kein Schwarz

Ein spontan am Telefon vereinbarter Besuch am Arbeitsplatz des Künstlers, der einst bei den Professoren Peter Burger, Harry Kögler und Albrecht von Hancke lernte, und seit nunmehr 1974 freischaffend tätig ist; allein dies ist eine Kunst.

Seine Werkstätte ist ein weitläufiger Hallenboden auf dem Gelände der ehemaligen Textilmanufaktur Schöpflin, die Mitte der 1960er Jahre vom Versandhandelhaus Quelle übernommen wurde und später darin auf- sowie Ende der 1990er Jahre mit unterging.

Die alte Fabrik als inspirierendes Umfeld ist für das 50.000-Einwohner-Städtchen wohl ein kleines Glück. Ein Areal mit einem Ambiente, das auch andere Künstler anzieht. Anlässlich eines sogenannten Kunstsonntages in dem Kreativquartier warb Konstantin Weber mit einem Zitat von Jospeh Beuys: „Das einzige Zeichen, das die Kunst setzt, ist das Fragezeichen.“

Wie passend für diesen Ortstermin. Die Verortung des freischaffenden Künstlers in der Landschaft am Oberrhein soll helfen, dessen Motive deutlicher zu erkennen und besser zu verstehen; wenngleich es ihm auf die genaue Lokalisierung letztlich gar nicht ankommt – sondern auf das Gefühl beim Angucken. Von einer „Augenlust“ spricht der Maler, die im Idealfall bei Interessierten geweckt werde.

Auf den ersten Blick bestimmen auffallend viele blaue Töne seine Rhein-Motive, und nicht nur diese Bilder. „Preußischblau“, ergänzt er. Das Berliner Blau, wie es ebenfalls genannt wird, zeichnet sich durch ein großes Deckvermögen und eine hohe Farbstärke aus.

Zudem scheint es oberflächlich sehr viel Licht zu schlucken – vielleicht die Erklärung, warum Konstantin Weber selten bis nie zur dunkelsten Farbtube im Regal greift. „Schwarz brauche ich nicht.“

Sein himmlisches und wässriges Blau fließt beinahe unbemerkt in grüne Striche, Streifen und sanftwellige Farbflächen über. Diese deuten Farne, Gräser oder Schilf an, gleichsam Sträucher und Bäume, sogar ganze Wälder.

Ein Hauch von Ahnung und Bedeutung legt sich über seine Bilder, je länger man diese anschaut. Mittendrin schimmert mattes Weiß und schillert zartestes Rot durch. Eine langsame Erkenntnis, eine erhellende Erfahrung.

Derweil erzählt Konstantin Weber von seinen Streifzügen durch die Petite Camargue, einem sumpfigen Auengebiet im südlichen Elsass, das seit 1982 unter Naturschutz steht. Mit der Familie oder allein, früher mit Mal- oder Zeichenutensilien, heute mit der Kamera.

Dies also ist der wirkliche Hintergrund seiner Rhein-Motive. Von hier aus besehen liegen sie rund 620 Stromkilometer von Ruhrort entfernt – gedanklich sogar noch ein wunderschönes Stückchen weiter.

Angucken. Die Ausstellung „Wasserfarben“ ist noch bis zum 27. Oktober im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg-Ruhrort zu sehen. – Hinfahren. Ins andere Rheinland, irgendwo zwischen Schwarzwald und Vogesen.

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