Kunst am Niederrhein

Kunst ist weiblich oder: die Gruppe „x-positions“

Kunst ist bei Regine Kielmann zuallererst weiblich. keine Angst, Männer, die Frau kann aber auch anders.

Kunst ist bei Regine Kielmann zuallererst weiblich. keine Angst, Männer, die Frau kann aber auch anders.

Foto: Privat

Alpen/Wesel.   In der Kunstgruppe „x-positions“ bleiben die Frauen unter sich. Warum ihre Arbeiten dennoch nicht alle weiblich sind, erklärt Regine Kielmann.

Frauen vom Niederrhein, und dann auch gleich neun in einer einzigen Ausstellung, das lässt nicht nur Feministinnen-Herzen höherschlagen. Auch künstlerisch haben die Frauen viel zu bieten: Sie können Abstrakt und Gegenständlich. Als Skulptur und Plastik, gemalt oder und fotografiert. Obendrein Installationen. Sie haben verschiedene Techniken drauf und verarbeiten unterschiedliche Materialien. Und jede von ihnen stellt nicht nur eine Auswahl ihres Werkes vor – für die Ausstellung wurden eigens neun Werke zu neun bekannten und unbekannten Frauen vom Niederrhein geschaffen. Regine Kielmann (53) aus Wesel ist eine der neun Künstlerinnen. Ein Gespräch.

Warum gehören zur Gruppe „x-positions“ keine Männer?

Wir waren alle für den Erna-Suhrborg-Preis nominiert, im Januar 2017. Und der wird nun mal nur an Frauen verliehen. Wir haben uns gut verstanden und haben gedacht, wir gründen eine Gruppe, um uns gemeinsam um Ausstellungen zu bewerben. So einfach ist das.

Und wozu braucht man eine Gruppe?

Viele Leute kennen viele Leute. Kontakte sind wichtig. Und jede Künstlerin muss nicht allein eine große Ausstellung bestücken. Auch die Kosten für Flyer, Werbung oder Einladungen kann man sich teilen. Oder den Wein für die Eröffnungsvernissage.

Gleich am Eingang zur Ausstellung in Alpen begrüßt Ihre Karl-Lagerfeld-Plastik die Besucher. Es scheint, als hätten Sie da mit unterschwelligem Humor gearbeitet…

Kann man so sagen. Ich mag Karl Lagerfeld als Person, seine Sprüche vor allem. Ich habe ihn in mehreren Interviews gesehen. Eigentlich sollte diese Plastik nur mir gehören. Aber dann habe ich gedacht, nun ist er gestorben, stell ihn doch auf, so als kleines Denkmal.

Und warum Coco Chanel?

Sie musste sich sehr durchsetzen in der Modewelt, hat komplett Neues erfunden, zum Beispiel das kleine Schwarze, was vorher verpönt war. Ich finde, sie war eine tolle Frau. Ich habe vor einer Weile den Film über sie gesehen.

Ihr Beitrag zu den neun „Frauen am Niederrhein“ trägt den Namen Jetta. Muss man die kennen?

Jetta ist meine Großmutter. Sie war total cool. In der Familie wurde immer die Geschichte über ihr Sofa erzählt. Gleich nach dem Krieg sollte ihr dieses Sofa weggenommen werden, von den Amerikanern, die Möbel für russische und polnische Lager suchten. Die Oma hat sich dann da draufgesetzt, obwohl sie mit der Waffe bedroht wurde. Dann sind die Amerikaner darüber untereinander in Streit geraten, und so konnte sie das Sofa schließlich doch behalten. Sie war immer sehr mutig. Ich glaube, sie repräsentiert die Frauen der Kriegsgeneration sehr gut.

Drücken Sie mit Ihren Werken Ihre Gefühle aus?

Genau. Nach dem Tod meiner Mutter hatte ich das Gefühl, ich müsste mal eine Skulptur machen „Tod einer Mutter“. Das tut der Seele gut. Da bin ich ganz bei mir, es tröstet mich. Es ist schön, das so rauszulassen, ohne zu sprechen. Ich habe erst ein ganz trauriges Gesicht geformt. Dann habe ich die Arbeit eine Weile ruhen lassen, und jetzt habe ich das Gesicht wieder geändert. Es ist jetzt fröhlich, sie lächelt.

Können Sie sich auch vorstellen, Ihre Wut an einer Figur auszulassen?

Ja. Ich habe in der Ausstellung die Figur „Aufruhr“. Da steht ein Mann mit einem Bild in der Hand. Die ist entstanden während der Demonstrationen um den Hambacher Forst. Da habe ich gedacht, warum können die sich nicht endlich einigen? Da entstand dann die Plastik.

Sie sind gelernte Industriekauffrau, Pilates-Trainerin, Klangpraktikerin. Das klingt erstmal nicht nach Kunst…

Zunächst einmal bin ich eine große Liebhaberin von Alberto Giacometti. Außerdem habe ich mal einen Modellier-Workshop mitgemacht. Da war das Feuer entfacht. Ich glaube auch, dass meine Kreativität durch Klangbehandlungen neu geweckt wurde. Durch das Loslassen während der Klangbehandlung, durch das sich dabei neu ordnen.

Was war dann Ihre erste Figur?

Eine bronzefarbene Figur, die dann auch gleich jemand kaufen wollte. Und da habe ich gedacht: Wenn das sogar jemand kaufen will, kann das ja gar nicht so verkehrt sein.

Hat „x-positions“ Zukunftspläne?

Die nächste Ausstellung wird 2020 in Dinslaken stattfinden, und wir verhandeln auch gerade in Kamp-Lintfort. Es soll wieder um Frauen am Niederrhein gehen. Aber mit neuen Werken über neue Frauen. Es gibt hier so viele tolle Frauen…

>> INFO: Die aktuelle Ausstellung der Gruppe

Zu „x-positions“ gehören Frauen zwischen 52 und 78 Jahren, sie stammen aus Dinslaken, Hünxe, Kamp-Lintfort, Moers, Sonsbeck, Wesel und Xanten: Magdalena Graf (Fotografie), Claudia Holsteg-Küpper (Skulptur, Malerei, Installation), Regine Kielmann (Plastik), Elke Munse (Malerei), Antje Paselk (Malerei, Installation), Renate Scheel (Malerei), Barbara Spiekermann-Horn (Malerei), Brigitte Tackenberg-Özek (Malerei)

„Frauen am Niederrhein“ ist die zweite Ausstellung der Gruppe, die erste fand im Juni 2018 in den Weseler Trapphallen statt. Die aktuelle Schau ist bis zum 20. Mai im Rathaus in Alpen, Rathausstraße 6, zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Skulpturen von Regine Kielmann werden außerdem vom 11. bis 28. April auf Burg Winnenthal in Xanten ausgestellt. Vernissage am 11. April, 18 Uhr, Eintritt frei.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben