Einkaufen ohne Plastik

Annett Schendel eröffnete ihr Geschäft „Lieber unverpackt“

Geschäftsgründerin Annett Schendel in ihrem Laden, der am Rand der Fußgängerzone in Geldern zu finden ist, gegenüber der Heilig-Geist-Kirche.

Foto: Lukas Schulze

Geschäftsgründerin Annett Schendel in ihrem Laden, der am Rand der Fußgängerzone in Geldern zu finden ist, gegenüber der Heilig-Geist-Kirche. Foto: Lukas Schulze

Geldern.   Endlich hat der Trend auch den Niederrhein errreicht. In Geldern können Kunden plastikfrei Lebensmittel einkaufen – ohne bekehrt zu werden.

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Der erste Eindruck – täuscht. Das Angebot, das Annett Schendel ihren Kunden macht, ist sehr viel üppiger, als man beim Betreten ihres Geschäftes am Rand der Fußgängerzone denkt. „Bei mir gibt es alle Lebensmittel für den täglichen Bedarf“, behauptet die Betreiberin.

Und tatsächlich, ziemlich vieles ist auf der 120 Quadratmeter großen Verkaufsfläche zu finden: Obst und Gemüse in Kisten und Körben, O-Saft und Wasser in Glasflaschen, Nudeln und Reis, Salz und Zucker, natürlich Müsli, auch Schokolade, Kaffee und Tee – alles lose verpackt. Das heißt: Es wird in großen Behältern aufbewahrt (einige aus Plastik, mmmh!) und direkt daraus verkauft. „Entweder in Behältern von zuhause oder in Beuteln, Gläsern oder Dosen aus dem Laden“, erklärt Annett Schendel.

Der Name ihres Geschäftes ist das Verkaufsprinzip: „Lieber unverpackt.“

Die Idee ist nicht neu. In vielen Großstädten gibt es solche Läden schon, nun ist der Trend am Niederrhein angekommen. Bisher gab es in dieser Region bloß in Mönchengladbach ein Geschäft dieser Art: Tante LeMi, mittwochs nachmittags und an jedem ersten und dritten Samstag im Monat geöffnet.

Shampoo in Seifenform

Annett Schendel setzt auf tägliche Öffnungszeiten – und auf einen möglichst plastikfreien Einkauf. Nicht nur bei Lebensmitteln, auch bei Kosmetik. Shampoo gibt es bei ihr in Seifenform statt in der Plastikflasche und Lippenbalsam im Metalldöschen. Spülmittel und Waschpulver können Kunden sich ebenfalls selbst abfüllen.

Wie genau der Verkaufsvorgang funktioniert, hat sie mit Kreide auf einer großen Schiefertafel aufgeschrieben: „1. leeren Behälter wiegen; 2. nach Wunsch befüllen; 3. wiegen und bezahlen.“ Das mag für den einen und anderen Kunden gewöhnungsbedürftig sein, erfreut aber alle Plastikmüll-Vermeider, die in herkömmlichen Supermärkten meistens mit schlechtem Gewissen einkaufen müssen.

Käse aus Kerken

Die Unverpackt-Alternative gibt es in Geldern seit vergangenen Samstag. Für Annett Schendel aus Kempen endet damit eine mehr als einjährige Suche nach einem geeigneten Ladenlokal. Im Heimatshop, den die Stadt Geldern und die Niederrheinische IHK für eine vergleichsweise günstige Miete und mit schneller Kündigungsfrist zur Verfügung stellen, hat sie ihre Geschäftsidee verwirklicht.

Dazu gehört nicht nur eine Käsetheke mit Produkten einer Käserei aus Kerken, im vorderen Bereich hat sie ein kleines Bistro integriert – und bietet hier Frühstück und wechselnden Mittagstisch an.

„Ich habe vorab einen Businessplan erstellt“, erzählt die 41-jährige Mutter von vier Kindern, die gelernte Gärtnerin ist, einige Zeit im Lebensmittelhandel gearbeitet hat – und nun den Sprung in die Selbstständigkeit wagt. Mit Unterstützung ihres Mannes, einem Schreiner, der einen großen Teil des Ladeninventars gebaut hat.

Übrigens, nicht alle Produkte, die sind anbietet, sind bio, aber möglichst regional. Und bekehren möchte Annett Schendel niemanden. Sie sagt: „Ich möchte meinen Kindern eine Umwelt hinterlassen, die genauso erträglich war, wie für mich.“ Es ist: ein Anfang...

>> WEITERE INFOS:

Geschäft: Lieber unverpackt, Heiliggeist-Gasse 5, in der Fußgängerzone, gegenüber der Heilig-Geist-Kirche, in Geldern. Geöffnet montags bis freitags von 9 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 9 bis 13 Uhr. Bistro: Zum Laden gehört ein durchgängig offenes kleines Bistro mit vier Tischen und jeweils vier Stühlen. Jeden Tag wird ein Frühstück bis zwölf Uhr angeboten, auch gibt es einen täglichen wechselnden Mittagstisch von 11.30 bis 14 Uhr. Info: Kontakt zu Annett Schendel telefonisch unter Ruf: 02831/9 10 46 60, Neuigkeiten gibt es im Internet auf ihrer Facebook-Seite.

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