Interview

Mittelerde am linken Niederrhein

Sebastian Kleinen, Herr der Ringe-Fan und Organisator der niederrheinischen Tolkien Tage in Geldern-Pont, mit Gollumkopf und Werken Tolkiens.

Foto: Volker Herold

Sebastian Kleinen, Herr der Ringe-Fan und Organisator der niederrheinischen Tolkien Tage in Geldern-Pont, mit Gollumkopf und Werken Tolkiens. Foto: Volker Herold

Geldern-Pont.   Zum zehnten Mal finden 2018 in Geldern-Pont die Tolkien Tage statt. Organisator Sebastian Kleinen holt Hobbits, Orks und Elben in die Region.

Schon die Adresse des Veranstaltungsortes klingt wie aus dem Auenland: Im Eichental in Pont, im Bruchweg, finden vom 25. bis zum 27. Mai wieder die alljährlichen Tolkien Tage statt. Bereits zum zehnten Mal werden dann Elben, Orks, Zwerge und Hobbits den linken Niederrhein bevölkern. Mittlerweile sind die niederrheinischen Tolkien Tage in Geldern-Pont die größte Veranstaltung zu Tolkiens Werken in ganz Europa.

Sebastian Kleinen, Mitglied der Deutschen Tolkien Gesellschaft und großer Fan der Bücher des britischen Autors, organisiert die Veranstaltung und hat Mittelerde vor zehn Jahren kurzerhand in sein Heimatdorf geholt.


Herr Kleinen, wie haben sie es geschafft, dass mittlerweile fast jeder Tolkien-Fan Europas weiß, wo Geldern-Pont liegt?
Die Idee zu den Tolkien Tagen stammt ja eigentlich nicht von mir. Angefangen hat das alles vor über zwanzig Jahren in Köln, als auch die deutsche Tolkien Gesellschaft gegründet wurde. Nachdem ich mit zwölf „Der Herr der Ringe“ gelesen hatte, war es um mich geschehen, und ich bin sofort Mitglied in der Gesellschaft geworden.


Vom linken Niederrhein bis nach Köln, für einen Jugendlichen ist das ein weiter Weg, oder?
Genau. Deshalb haben ein Freund und ich dann irgendwann beschlossen, hier in Geldern einen Tolkien-Stammtisch zu gründen. Es musste doch noch mehr niederrheinische Tolkien-Fans geben, da waren wir uns sicher.


Und Sie hatten Recht. Heute sind die Tolkien Tage in Pont die größte Veranstaltung dieser Art in Europa. Was ist ihr Erfolgsrezept?
Bei uns stehen ganz klar die Bücher Tolkiens im Vordergrund. Das unterscheidet uns von den klassischen Fan-Conventions, bei denen es vor allem um die Vermarktung der Filme geht.

Und wir haben von Anfang an auf ein umfangreiches Rahmenprogramm gesetzt. Attraktionen wie Bogenschießen, Livemusik und ein Mittelaltermarkt machen die niederrheinischen Tolkien Tage zu einem richtigen Familienevent, das nicht nur für Literaturstudenten und Fachpublikum interessant ist. Inzwischen kommen jedes Jahr etwa 5000 Besucher.


Und denen wird wie immer eine Menge Programm geboten. Gibt es denn in diesem Jahr, zum zehnjährigen Bestehen, ein besonderes Highlight?
Auf jeden Fall! Am Samstagabend tritt bei uns das dänische Tolkien-Ensemble auf, eine hochkarätige Gruppe, die die Lieder Tolkiens aus den Herr der Ringe-Büchern vertont. Der Auftritt bei den Tolkien Tagen ist das einzige Deutschlandkonzert in diesem Jahr.

Außerdem gibt es auch in diesem Jahr wieder viele Vorträge zum Thema. Bernhard Hennen, ein sehr erfolgreicher deutscher Fantasyautor, wird zu den Werken Tolkiens referieren. Und mit Dr. Helmut W. Pesch konnten wir einen weiteren renommierte Tolkien-Experten für unser Programm gewinnen.


Was macht für Sie den Reiz an den Werken Tolkiens aus?
Zum einen ist es meiner Meinung nach diese Fülle an Details, die es Fans ermöglicht, eine ganz eigene Welt um die Geschichte herum zu erleben. Diese Details machen es uns auch möglich, bei den Tolkien Tagen Händler, Rollenspieler, Cosplayer, einfach jeden, der irgendwie mit dem Thema in Berührung kommt, miteinzubeziehen – und trotzdem authentisch zu bleiben.

Zum anderen finde ich es beeindruckend, wie groß oft die historische Korrektheit in Tolkiens Werken ist, selbst bei scheinbar unbedeutenden Randbemerkungen. Haben Sie eine Lieblingsfigur in „Der Herr der Ringe“?
Am liebsten mag ich Thror, den letzten Ringträger der Zwerge. Eigentlich eine sehr tragische Figur. Er ist übrigens auch der Grund, warum ich sofort so fasziniert von Tolkiens Universum war. Thror beschäftigt sich viel mit Runen und alten Schriften. Das ist ein Bereich, für den auch ich mich schon lange interessiere.


Aber natürlich besteht das Tolkien-Universum nicht nur aus Hobbits und dem Ring...
Das stimmt. Es gibt noch eine Menge kleinerer Werke, die wir bei den Tolkien Tagen natürlich auch mit einbeziehen und die im Übrigen auch einen großen Einfluss auf die moderne Fantasy-Literatur hatten. Die Erzählung von Bauer Giles zum Beispiel oder „Blatt von Tüftler“. Und Tolkien hat bereits in den 1930er Jahren ein sehr modernes Kinderbuch verfasst.


Sie meinen das Bilderbuch „Herr Glück“?
Genau. Zu einer Zeit, als Kinder in Deutschland noch den „Struwwelpeter“ lasen, hat Tolkien für seine Kinder ein Buch geschrieben, das heutigen Kinderbuchstandards entspricht und Lernspiele mit Zahlen und Farben enthält.


Tolkiens Werke sind also immer noch aktuell.
Ja. Das sieht man auch daran, dass unsere niederrheinischen Tolkien Tage über die Jahre kontinuierlich gewachsen sind. Und das, obwohl der Hype um die Herr der Ringe-Filme ja 2009, als wir angefangen haben, eigentlich schon wieder vorbei war.


Aber der nächste Hype kommt bestimmt. Amazon will 2020 die Randgeschichten verfilmen, die rund um Mittelerde eine Rolle spielen.
Im Gegensatz zu anderen glaube ich, dass das eine große Bereicherung und ein Riesenspaß für viele Fans sein kann. Diese Randgeschichten geben ja der großen Story um den Ring erst ihre Tiefe. Es ist beeindruckend, wieviele unbekannte Schätze die Nachfahren Tolkiens noch immer veröffentlichen. Da kommt noch einiges auf uns zu!


Die Existenz der Tolkien Tage ist also auch für die nächsten zehn Jahre gesichert?
Mindestens! Aber eines kann ich versprechen: Wir sind und bleiben die Bastion des Buches! Da können die Filme noch so einen großen Hype auslösen. Bei uns stehen die geschriebenen Werke Tolkiens im Mittelpunkt!

>>INFO: Die Tolkien Tage: Ein Fan-Festival für die ganze Familie

Die Tolkien Tage in Geldern-Pont finden vom 25. bis zum 27. Mai 2018 statt. Das Festival rund um die Werke Tolkiens bietet Besuchern neben Lesungen und Live Musik auch Aktionen wie Bogenschießen und Vorstellungen verschiedener kostümierter Gruppen. Weitere Informationen zum Programm: www.tolkientage.de

Öffnungszeiten: Freitag von 19 bis 23.30 Uhr, Samstag von 10 bis 23 Uhr und Sonntag von 10 bis 18 Uhr.


Eine Tageskarte für Freitag oder Sonntag kostet sechs Euro, für Samstag 8 Euro. Eine Wochenendkarte 15 Euro. Kinder bis 12 Jahre haben freien Eintritt.

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