Politik

Müll und andere Probleme in Duisburg-Marxloh

Pater Oliver Petershof Marxloh

Foto: Achim Pohl

Pater Oliver Petershof Marxloh Foto: Achim Pohl

Duisburg.   Neuerdings sind im Multikultistadtteil Duisburg-Marxloh Straßenpaten unterwegs. Sie informieren Anwohner über mehr als nur Mülltrennung.

Viel Müll, viel Kriminalität, viele Schrottimmobilien, viele Migranten... Es gibt viele Vorurteile gegenüber Marxloh.

Pater Oliver Potschien vom Katholischem Sozialpastoralem Zentrum im Petershof hält dagegen: „Sicherlich ist Marxloh kein Idyll. Aber das, was viele Medien schreiben oder senden, entspricht auch nicht der Realität.“

Der 47 Jahre alte Priester ist so etwas wie die gute Seele für Abgehängte in dem viel zitierten Problemstadtteil im Duisburger Norden. Er kümmert sich vor allem um die vielen Roma, die hier leben. Nach Angaben der Stadt sollen mehr als 4000 Roma aus Südosteuropa, hauptsächlich aus Rumänien und Bulgarien, in dem ehemaligen Arbeiterstadtteil wohnen. Das sind mehr als ein Fünftel der Gesamtbevölkerung von Marxloh, in dem knapp die Hälfte der Menschen von nichtdeutscher Herkunft sind.

Integration statt Konflikte

Pater Oliver stört es, wenn „sein Marxloh“ in den Dreck gezogen wird. Andererseits: Vor Ort gibt es wilde Müllkippen und illegale Müllentsorgung. Deshalb hat die Stadt seit zwei Monaten die Aktion „Straßenpaten“ auf Marxloh ausgeweitet. „Seit Juli sind sieben Straßenpaten östlich der B8 unterwegs. Sie sind an den Petershof angedockt, der Träger des städtischen Projektes ist. Die Paten machen Müllschwerpunkte aus und informieren die Bewohner über grundlegende Fragen zum Thema Müll“, heißt es von der Stadtverwaltung.

Die Arbeit der Paten, die alle aus Rumänien oder Bulgarien kommen, ist tatsächlich vielschichtiger. „Sie leisten wichtige Integrationsarbeit und vermeiden Konflikte im Vorfeld, da sie in der Community über ein gutes Standing verfügen“, meint auch Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link. Eduard K. und Ivan H. sind zwei solcher Straßenpaten, die täglich – mal morgens, mal nachmittags – durch Marxlohs Straßen ziehen. „Sie suchen einfach das Gespräch“, erklärt Pater Oliver. Viele wüssten nicht, dass Müll nicht auf die Straße gehört und dass es in Deutschland eine funktionierende Müllabfuhr gebe.

Ivan H., Mitte vierzig und stämmig gebaut, ist muslimischer Roma aus Bulgarien, Eduard K., 62, ist Ungar, hat aber rumänische Wurzeln und ist kein Roma. Beide sprechen untereinander Türkisch, die Hauptverkehrssprache in Marxloh. „Leider lassen sich viele Menschen, vor allem die Roma, hier nichts sagen und reagieren aggressiv“, erzählt Eduard. Er arbeitete viele Jahre in der Türkei als Touristenführer und lernte dort die Sprache.

Aller Anfang ist schwer

Auf dem Rundgang durch die Straßen an einem Dienstagmorgen wird schnell klar, dass die Arbeit der beiden erst am Anfang steht – und viele Marxloher sie noch nicht kennen. Zwei junge Männer laufen über die Mittelstraße, die sauber und bloß mit Laubblättern bedeckt ist. Die beiden schmeißen zwei Cola-Dosen ins Gebüsch, beachten Eduard K. und Ivan H. gar nicht. Die Straßenpaten schreiten nicht ein. „Das ist leider normal“, zeigt sich Eduard K. enttäuscht.

Unterwegs trifft er eine deutsche Bekannte und lädt sie zum Gottesdienst in die St. Peterskirche von Pater Oliver ein. Ivan H. grüßt derweil zwei Freunde, die an ihm in einem schwarzen BMW vorbeifahren. Dabei schnipst er seine Zigarette auf die sonst saubere Warbruckstraße.

Was können die Paten bewirken?

Fast zurück am Petershof, nach dem zweistündigen „Müll-Rundgang“, fragt ein älterer Bulgare noch nach dem Weg. Eduard K. und Ivan H. helfen ihm weiter, ortskundig sind sie ja. Auf dem Rundgang mit den beiden Männern, die als Mini-Jobber beim Petershof angestellt sind, wird viel über die Probleme in Marxloh geredet. Und es wird sehr deutlich, dass Eduard K. und Ivan H. mehr als nur „Straßenpaten“ sind.

Auch sind wilde Müllkippen an jenem Dienstag nicht auszumachen. „Eigentlich ist der Begriff Stadtteilpaten der bessere“, meint Pater Oliver, der erst mit Anfang 30 zu Gott fand und Theologie studierte.

Können die Paten als Vorbild für ihre Landsleute dienen? Bis die Mehrzahl der Marxloher Eduard K. und Ivan H. wahrnehmen, braucht es wohl noch Zeit...

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