Sternstunden

Nur das Licht des Himmels leuchtet...

Freier Blick auf die Milchstraße. Um den zu bekommen, muss man schon ganz schön weit reisen. Ins Königreich Tonga, zum Beispiel.

Foto: Michael Kunze

Freier Blick auf die Milchstraße. Um den zu bekommen, muss man schon ganz schön weit reisen. Ins Königreich Tonga, zum Beispiel. Foto: Michael Kunze

Am Niederrhein/Tonga.   Michael Kunze aus Moers reist zu den dunkelsten Orten der Erde – um zu fotografieren...Sterne, natürlich. Die Milchstraße. Oder Buckelwale...

Im letzten Monat habe ich erklärt, warum der Himmel in unseren Breiten kaum Sterne zeigt und welche massiven Probleme das für Mensch und Umwelt bedeutet. Tatsächlich ist es sogar so, dass die Industrialisierung mehr auf der Nordhalbkugel stattfindet, als auf der Südhalbkugel der Erde.
Durch die schlechten Sichtbedingungen suchen Astronomen nach dunklen Orten und werden oft nahe dem Äquator oder auf der Südhalbkugel fündig. Die größten Observatorien der Erde befinden sich auf dem Mauna Kea auf Hawaii, der Atacama Wüste in Chile, und sogar Europa ist mit der kanarischen Insel La Palma vertreten – aber leider sogar dort von der Lichtverschmutzung betroffen.

Die größten Observatorien der Erde befinden sich auf Hawaii, in der Atacama Wüste in Chile oder auf La Palma...

Ich bin als Amateurastronom ebenfalls immer auf der Suche nach den dunkelsten Orten der Erde. Eine erste Erlebnisreise stelle ich heute vor und werde in Zukunft sicherlich die ein oder andere Nacht im Dunkeln vorstellen.

Für Großteleskope der Profiastronomen benötigt man möglichst trockene Luft. Diese findet man meist auf hohen Bergen. Dort ist auch meist die Luft sehr ruhig, was ein wesentlicher Punkt für einen Standort einer Sternwarte ist.

Was ist ruhige Luft? Wenn in der Atmosphäre unterschiedliche Temperaturunterschiede herrschen, dann flimmert die Luft stark. Wir kennen es im Winter, wenn man ‘mal eben die Warme Wohnung lüftet und es draußen sehr kalt ist. Diese Schlieren gibt es auch in der Atmosphäre, und das Bild im Teleskop ist verwaschen.

Um sich die Dimensionen vorstellen zu können, wie groß diese Profiteleskope sind, ist der Vergleich zum Amateurteleskop interessant. Weit verbreitet als Amateurteleskop ist das zehn Zoll große Newton-Teleskop. Es ist eine spezielle Spiegelanordnung nach Newton, und der Spiegel misst hier 25,4 Zentimeter. Das Wichtigste an einem Teleskop ist die Lichtsammelfläche, also der Spiegeldurchmesser. Die größten momentan existierenden Teleskope auf Hawaii und La Palma haben allerdings einen Spiegeldurchmesser von zehn Metern! Und in absehbarer Zukunft werden Teleskope der 30 Meter-Klasse fertiggestellt.

Ich verbinde mit meinem Hobby Astronomie auch das Reisen und die Fotografie. Drei Interessen, die sich wunderbar vereinen. Die Reiseziele waren zudem oft von Ländern geprägt, in denen eine totale Sonnenfinsternis stattfand.

Ein absolutes Lieblingsziel sind die hawaiianischen Inseln, der Besuch des 4205 Meter hohen Mauna Kea mit den unglaublich großen Sternwartenkuppeln und die sagenhaften Vulkanlandschaften. Jede der acht Hauptinseln ist eine Reise wert. Auf Hawaii haben meine Frau und ich eine weitere Leidenschaft entdeckt. Es sind die in der Winterzeit zu beobachtenden Buckelwale, die nach einer 10.000 Kilometer langen Reisezeit von Alaska bis nach Hawaii in den Gewässern rund um die Inseln ihre Kälber zur Welt bringen.

Wer Sterne fotografiert, hat auch einen Blick für andere wunderschöne Sachen. Zum Beispiel für den Himmel über dem Königreich Tonga – oder für die Buckelwale, die man vom hawaiianischen Strand aus beobachten kann...

Wir saßen am Strand und konnten in wenigen hundert Metern Sprünge aus dem Wasser sehen, das Abtauchen bei dem die Fluke (Schwanzflosse) wunderbar aus dem Wasser steigt, oder den Blow, wenn die Wale ausatmen und eine Wasserfontäne aufsteigt. Wir haben diese Reise mit einer Rundreise durch Neuseeland verbunden und waren sieben Tage auf der Insel Foa im Königreich Tonga.

Den südlichen Himmel kannte ich schon durch eine Reise durch Namibia. Doch der Anblick der kleinen und großen magellanschen Wolken ist immer wieder atemberaubend. Diese Wolken sind kleine Nachbargalaxien von unserer eigenen Galaxie.


Der Sternenhimmel auf Tonga wurde durch kein einziges Licht gestört. Ich habe in der Südsee eine Milchstraße erlebt, die auch ich so noch nicht gesehen habe. Und dunkel heißt nicht, dass man nichts mehr sieht. Sind die Augen an die Dunkelheit gewöhnt, dann reicht in der Tat das Sternenlicht aus. Nur durch das Licht des Himmels konnte ich mich wunderbar zu meinen Kameras begeben und diese bedienen.

Und dann kam der Moment. Auf offener See trafen wir auf eine Buckelwal-Mutter mit ihrem Kalb. Wir konnten ins Wasser gehen und Auge in Auge, keine drei Meter entfernt mit den Riesen der See schwimmen.

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Michael Kunze, Hobbyastronom- und -fotograf aus Moers, hat auf seiner webside zahlreiche Fotos und auch Reise- und Sternbeobachtungsberichte online gestellt. Beeindruckende Impressionen von, zum Beispiel, der totalen Sonnenfinsternis auf Färöer bis zum Schwimmen mit den Meeresriesen, den Buckelwalen, in der Südsee.

www.michaelkunze.de

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