Schöner Niederrhein

Huisberden für alle! Am Sonntag feiert das Dorf

Ein Bild von einem Dorf - gemalt von Elisabeth Liesen. In Wirklichkeit ist es hier noch schöner, ehrlich.

Foto: wasch

Ein Bild von einem Dorf - gemalt von Elisabeth Liesen. In Wirklichkeit ist es hier noch schöner, ehrlich. Foto: wasch

Bedburg-Hau.   Huisberden, das ist ein Dorf im Kreis Kleve, wie aus dem Bilderbuch. Da kräht der Hahn und macht die Kuh Rabatz. Also, auf nach Bedburg-Hau!

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Sie waren noch nie in – Huisberden? Fangen wir ‘mal mit dem Statistischen an: Huisberden ist ein Dorf im Kreis Kleve, Gemeinde Bedburg-Hau. Ein wahrhaft niederrheinisches Dörfchen, 250 Einwohner im Dorfkern, mit „außenrum“ ein paar mehr.

Gepflegte Grünflächen (Bürgerehrenamt), eine ganz alte Kirche (mit immerhin noch Vorabendmesse am Samstag und Messe freitags um 9 Uhr), mit einer Begegnungsstätte, die mal eine Schule war) und Landwirtschaft mitten drin.

Es gibt kein Lebensmittelgeschäft, also eigentlich gibt es gar kein Geschäft mehr in Huisberden. Wenn jemand den öffentlichen Nahverkehr nutzen will, muss er das morgens um sieben tun – manchmal nimmt der Schulbus einen mit in die Stadt (Kalkar), die Rückfahrt muss man selbst organisieren. Und dann gibt es da noch etwas in Huisberden, das dampft nur so vor Kreativität, das pulsiert, das ist quicklebendig und trifft sich seit 35 Jahren einmal im Monat: die Frauengruppe.

„Hier passt jeder auf jeden auf“

Im wunderschönen Bauerngarten von Familie Giesen ist der Tisch gedeckt, nein-nein besser: Die Landtafel ist gedeckt: kleine selbstgebackene Törtchen, dunkles Körnerbrot mit Quark-Bärlauch-Aufstrich, Orangensaft, Tee auf dem Stövchen, Kaffee aus der Kanne.

Der Wind spielt mit den Blättern der großen, schattenspendenden Bäume, irgendwo kräht ein Hahn, eine Kuh macht Rabatz, Vogelgezwitscher. Landidylle, wie für eine TV-Serie gemacht. „Ist hier immer so“, sagt eine der munteren Damen, die sich zum Kränzchen zusammengefunden haben. Und schiebt nach: „Habt ihr auch den Radfahrer vorhin gesehen? Der ist dreimal die Straße lang gefahren.“

So ist das im Dorf Huisberden: Jeder kennt jeden, wer fremd ist, wird erst einmal beobachtet. Man weiß ja nie. Hier passt jeder auf jeden auf“, sagt Maria Baumann. Die Damen nicken. Leben auf dem Dorf ist wie Leben in einer großen Familie. Natürlich hat so etwas auch Nachteile, weil kaum jemand ungesehen Besuch bekommen kann, zum Beispiel, aber am Ende überwiegen die Vorteile. „Wenn man Hilfe braucht, es ist immer jemand da. Man ist nie allein.“ Sagt Marga Heeck, die in Huisberden geboren ist und auch nicht in die Stadt ziehen würde. „Für nix in der Welt“.

Vor ein paar Wochen ist Elisabeth Giesen ein tolles Foto geglückt: Ein Dutzend Störche rasten auf den Dorfwiesen, im Hintergrund kann man den Turm von St. Peter erkennen. Die Kirche ist uralt, stammt aus dem 11. Jahrhundert, und die Störche machen hier immer wieder mal Rast – es gibt so viel Wiesen und kleine Wasserläufe, die Kalflack (Nebenarm des Rheins), so viel Natur. Familie Giesen bietet inzwischen sogar Bed & Breakfast an – vor allem Radfahrer auf Niederrhein-Exkursion machen gern hier, im „Städtedreieck Kleve, Emmerich, Kalkar“ Halt. Und wenn man Glück hat, dann zeigt Küsterin Elisabeth Giesen dem Besucher einen ganz besonderen Schatz: die prächtigen Paramente von St. Peter. Sie können gerne schon ’mal den 10. September vormerken. Am Tag des offenen Denkmals kann der Kirchenschatz bewundert werden.

Von Huisberden aus hat man einen sagenhaften Blick in die Landschaft – am Horizont die mit 803 Metern längste Hängebrücke Deutschlands. Früher“, sagt Maria Baumann, „haben wir in Huisberden immer mit Hochwasser zu tun gehabt“. Bei Pegelstand 8,30 Meter in Emmerich kam das Wasser ins Dorf. Mit dem Bau der Emmericher Rheinbrücke und dem Banndeich 1965 fing in Huisberden eine neue Zeitrechnung an.

Die Huisberdener sind stolz auf ihr Dorf und haben sich anno 2000 sogar ein eigenes Wappen geschenkt: oben ein gekreuzter Schlüssel (Petrus, St. Peter), darunter ein Bauernhäuschen, eine Kate, die wiederum oben und unten von einer Wellenlinie (dem Rhein) umgeben ist. Huisberden, Huis-Ward, Haus auf der Ward, Haus auf der Insel – Mönche des 662 gestifteten Benediktinerklosters Corbie in der Picardie an der Somme sollen hier einst eine Niederlassung und damit den Ort gegründet haben.

Für junge Leute ist das Leben im Dorf Huisberden nicht so attraktiv – „und es gibt ja auch keine Grundstücke mehr“. Was aber nicht bedeuten soll, dass in Huisberden die Welt stehen geblieben ist. Das wird beim Dorftag am 18. Juni zu sehen sein.

Selbstgebackenes, Selbstgemachtes

Eigentlich hatten die Frauen ja nur die Idee, ‘mal einen Trödeltag zu machen, nach dem Motto: Jeder hat noch gut erhaltene Sachen bei sich zu Hause, im Keller oder in der Scheune stehen, die könnte man ja mal unters Volk bringen. Doch dann merkten die Damen, dass da noch mehr, noch viel mehr Potential im Dorf ist. Da gibt es Kunst und Kulinarik, Landleben und Landlust – und nun sollen das alle einmal kennenlernen.

Und so lädt Huisberden am Sonntag zum Dorftag ein. Von 11 bis 17 Uhr öffnen fünf private Gärten, zwei Galerien, es gibt Stallführungen und eine Kaffee-rösten-Vorführung; alte Fotos und eine Patchworkausstellung, Bauchtanz, Hausbesichtigungen. Und man kann kreative Menschen kennenlernen. Falk Hollands etwa, der 230 Bullen auf seinem Hof stehen hat. Oder Gerd Look, der eine Galerie mit manch überraschenden Arbeiten führt und an diesem Tag jungen Künstlern ein Forum geben wird. Oder Peter Fillippow, der mit einer kleinen Dampflok mit Eisenbahnwagen dran durch seinen Garten tuckert...

Natürlich gibt es auch Selbstgebackenes und Selbstgemachtes. Sie kennen Huisberden noch nicht? Nun, Sonntag wäre die Gelegenheit...

>> INFO: Es ist eine Menge los im Dorf, am Sonntag, 18. Juni, 11-17 Uhr: offene Galerien; Fahrten mit der Eisenbahn für Kinder; Patchworkausstellung; Stallführungen (11.30 und 14.30 Uhr, Friedenstraße 16); Gartenbesichtigungen; Bauchtanz, Trommeln, Hausbesichtigung (13 Uhr, Wohnhaus der Lebenshilfe, Fährstraße 27). In der Begegnungsstätte
Kaffee und Kuchen, Getränke, Kaffeerösten, Fotoausstellung. Alle teilnehmenden Häuser sind mit Luftballons gekennzeichnet. Da, wo rote Luftballons sind, finden sich etwa die Trödeltische, Gartenbesichtigungen: grüne Ballons, offene Galerien orangefarbene Ballons. In 47551 Bedburg-Hau gibt es sieben Ortsteile, einer davon ist Huisberden. Geografische Mittelpunktkoordinaten: Breitengrad 51°47’33“N und Längengrad 6°13’51“O. Die Friedensstraße führt mitten durchs Dorf.

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