Oktoberfest in Xanten

Wie Wilfried Meyer das Oktoberfest an den Niederrhein holte

Wilfried Meyer holte das Oktoberfest an den Niederrhein. Der Erfolg der eigenen Veranstaltung sowie die unzähligen Nachahmerpartys in der Region bestätigen seine Idee, die anfangs mehr als nur belächelt wurde.

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Wilfried Meyer holte das Oktoberfest an den Niederrhein. Der Erfolg der eigenen Veranstaltung sowie die unzähligen Nachahmerpartys in der Region bestätigen seine Idee, die anfangs mehr als nur belächelt wurde. Foto: pla

Xanten.   Ein Oktoberfest in Xanten? Des is oa Wahnsinn – und eines der größten Volkfeste in der Region. Ein Gespräch über Bier, Blasmusik und Ballermann:

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Es soll ja immer noch Menschen geben, die mit diesem weiß-blauen Ding in dieser Gegend nichts anfangen können. Andererseits: Das Oktoberfest in Xanten zählt mittlerweile zu den größten Volksfesten am Niederrhein.

Herr Meyer, wie bestellt man auf gut Bayerisch ein Bier?

Ich spreche zwar kein Bayerisch, aber es müsste wohl lauten: „Oa Maß, bitt’schön.“

Mannsbildfrage: Wie viele Maß schaffen Sie?

Drei Maß reichen mir – wenn ich auf dem Oktoberfest in München bin. Während des Oktoberfestes in Xanten trinke ich keinen Alkohol – bloß am letzten Tag. Zwei Stunden vor Ende der Veranstaltung gönne ich mir dann auch ein Bier.

Geschmacksfrage: Warum schänken Sie in Xanten ausgerechnet Löwenbräu aus? Gilt nicht Augustiner als das Münchner Bier!

Wir haben eine Ausschreibung bei allen bekannten bayerischen Brauereien gemacht. Löwenbräu hat mich mit dem Angebot der technischen Leistungen überzeugt – und es schmeckt auch gut.

1998 waren Sie auf dem Oktoberfest in München. War die Idee eines Oktoberfestes in Xanten eine Bierlaune oder Schnapsidee?

(grinst) Sie war eher einer Katerstimmung geschuldet. Nach einem langen und lebhaften Abend bin ich am Tag danach erst einmal ohne meine Freunde aufs Oktoberfest gegangen. In einem Zelt kam ich mit einer Gruppe Bayern ins Gespräch, na ja, und irgendwann reifte in mir die Idee, so etwas auch in Xanten zu machen.

Ein Jahr später gab es hier dann das erste Oktoberfest – mit 500 Besuchern am Abend.

Es waren noch weniger, nur knapp über 400. So nervös wie damals war ich vorher und nachher nie mehr. Meine Mitarbeiter dachten, jetzt drehe ich völlig durch. (lacht) Wir hatten aber auch Glück: Die Band, die wir gebucht hatten, sorgte für eine super Stimmung im Publikum. Das sprach sich über Nacht herum, und am zweiten Abend war das Zelt voll.

Heuer erwarten Sie rund 60 000 Besucher. Auch welche aus Japan?

Japan ist mir nicht bekannt. Unser Einzugsbereich geht aber weit über den Niederrhein hinaus. Unsere Gäste kommen aus Düsseldorf, dem Ruhrgebiet und sogar aus Hamburg. Und immer mehr Holländer besuchen uns, die sind ja für jeden Spaß zu haben. Ach ja: Münchner kommen übrigens auch nach Xanten.

Sie werben mit dem Spruch: „Oktoberfest Xanten, das Original am Niederrhein“. Noch keinen Ärger mit dem Münchner Original bekommen?

Nein. Aber ich finde es gut, dass die Münchner seit einigen Jahren verstärkt darauf achten, welche Art von Veranstaltungen unter dem Namen Oktoberfest angeboten werden. Mein Anspruch war von Anfang an: Wir richten uns so nah wie möglich am Original aus. Das ist, meiner Meinung nach, unser Erfolgsgeheimnis.

Sind ein Dirndl oder eine Lederhose auf der Wiesn in Wardt Pflicht?

Pflicht ist hier gar nix, jeder kann tragen, was er möchte. Interessant ist: Vor ein paar Jahren wurden nur vereinzelt Trachten getragen, mittlerweile ist es umgekehrt: Wer im Anzug kommt, fällt auf!

Was hat Xanten, was München nicht hat?

In München geht es etwas gemütlicher zu als bei uns. In Xanten ist es etwas wilder: Wir können besser feiern! (grinst)

Wie viel Bier fließt in Xanten in Strömen?

Wir haben sechs Bier-Tanks á 24 000 Liter bei Löwenbräu bestellt. Mal gucken, ob wir damit auskommen.

In Xanten kostet eine Maß Bier ähnlich viel wie in München: 10,80 Euro. Ihr Rat: Wie viel Trinkgeld darf man der Bedienung geben?

Grundsätzlich finde ich: Trinkgeld sollte man nur geben, wenn die Leistung gut ist. Und dann eben so viel, wie einem ein guter Service wert ist.

Wenn in München ein Maßkrug nicht richtig befüllt wird, kann ein Nachschank eingefordert werden. In Xanten auch?

Unser Personal ist angehalten, sehr darauf zu achten, dass ein Maßkrug auch bis zum Einstrich mit Bier gefüllt ist. Wenn dies mal nicht der Fall sein sollte, darf das natürlich beanstandet werden.

Bierleichen, Kotzbrocken, Wildpinkler – ein Oktoberfest ist nicht nur eine Riesengaudi.

Das Thema Sicherheit ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Wie in München auch, dürfen in Xanten keine große Taschen mit ins Zelt genommen werden. Wir haben mehr als 50 Sicherheitskräfte im Einsatz. Natürlich greifen sie ein, wenn es sein muss. Wer auffällig und ausfällig wird, erhält die Gelbe, wenn nötig, die Rote Karte.

Traditionalisten meckern über immer mehr Ballermann im Bierzelt.

Das Oktoberfest ist nicht der Ballermann, richtig. Auch hier orientieren wir uns an München. Unsere Oberbayern-Band spielt neben Schlagern und rockigen Nummern zwischendurch immer wieder bayerische Blasmusik. Auch bei uns im Festzelt gibt es keine eigene Tanzfläche, wer tanzen möchte, kann das in den Gängen machen.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: Das Oktoberfest ist für mich...

... viel mehr als eine Party. Es ist ein Treffpunkt für gesellige Menschen, die eine schöne Zeit miteinander verbringen möchten. In unserem Festzelt soll man sich unterhalten können – und natürlich auch feiern.

In München endete gerade das 184. Oktoberfest. In Xanten hängt bereits das Plakat für das 20-jährige Jubiläum im nächsten Jahr.

In der Nacht von Sonntag auf Montag begann um Punkt null Uhr der Vorverkauf für 2018. Bis gestern um 12 Uhr mittags waren bereits 13 000 Karten verkauft.

Des is oa Wahnsinn!

Und eine schöne Bestätigung für unsere Arbeit.

>> INFO: Das 19. Oktoberfest im FZX-Festzelt in Xanten dauert bis Sonntag, 29. Oktober. Bis dahin werden wieder rund 60 000 Besucher erwartet. Einer der Höhepunkt soll der Auftritt der Schürzenjäger auf der Wiesn in Wardt werden. Fast alle Abende sind bis auf Restplätze ausverkauft. Letztere können nur direkt am Veranstaltungstag ab 16 Uhr an der Reservierungs-Hütte vor dem Festzelt erfragt werden. Freie Plätze außerhalb des Festzeltes gibt es in der Almhütte (kostenpflichtig) und im Biergarten (kostenfrei). Mehr Informationen und Kartenvorverkauf für 2018 im Internet: www.oktoberfest-xanten.de

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