Till Brönner in Duisburg

Was macht mehr Spaß, Herr Brönner – Fotos oder Jazz?

Musik- und Fotokünstler Till Brönner zeigt in seiner Ausstellung Melting Pott im Museum Küppersmühle in Duisburg Fotografien zum Thema Ruhrgebiet.

Musik- und Fotokünstler Till Brönner zeigt in seiner Ausstellung Melting Pott im Museum Küppersmühle in Duisburg Fotografien zum Thema Ruhrgebiet.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Till Brönner ist Deutschlands Jazz-Trompeter Nummer Eins – aber er kann auch mit der Kamera umgehen. Zu sehen im Museum Küppersmühle Duisburg.

Welche Ortschaft schon kann Till Brönner, Deutschlands Jazz-Trompeter Nr. 1, einen Sohn der Stadt nennen? Nicht Berlin. Nicht Duisburg. Aber Viersen. Am 6. Mai 1971 wurde der große Musiker genau hier geboren, bevor er mit Family nach Rom umzog, später in Bonn-Bad Godesberg Abi machte.

Die erste Trompete? Spielte der renommierte Jazzer mit Neun. Aber weiß das wer am Niederrhein? Schließlich lebt der Mann inzwischen in seiner Wahlheimat Berlin und Los Angeles.

Der Mann ist ein waschechter Niederrheiner

Wie sich das da wohl verhält mit der ‘malinconia’, wenn man zurückkehrt, nah ran in die Nähe seiner Geburtsstadt, wie es Till Brönner jetzt für ein besonderes Projekt getan hat? Rückblende: vor 11/2 Jahren. Da hatte die in Essen beheimatete Brost-Stiftung eine famose Idee.

Sie schickte den längst auch als Fotografen brillierenden Till Brönner mit seiner Leica-Kamera auf einjährige Shooting-Tour an Emscher und Ruhr. Erst überrascht, dann zögernd aber neugierig sagte der Meister perfekter Improvisation – eben nicht nur als Jazzer! – zu.

„Das musst du machen!“

„Das musst Du machen“ soll ihn ein guter Freund gepusht haben. Heraus kam die so gar nicht improvisierte Ruhri-Ausstellung „Melting Pott“ in der Duisburger Küppersmühle – Museum für Moderne Kunst (MKM). Die zeigt: Der Jazzer kann auch Foto. Schwarz-weiß genauso wie Farbfotografie, Kleinformat genauso wie Großdimension.

Dass der mehrmalige Echo-Preisträger dazu noch eine gehörige Portion Gespür für Menschen im Allgemeinen, fürs Menschelnde im Besonderen mitbringt, geht ins Auge unter die Haut.

„Melting Pott“ ist ein 185-Foto-starkes Bilderbuch aus dem Pott fürs Revier und darüber hinaus. Mit typischen Straßenzügen und Landschaften, mit hübschen und hässlichen Winkeln, mit Halden und Bergleuten, Promis und Fußballern, mit DLRG- Helfern am Baldeneysee und breit aufgestelltem Strukturwandel, mit dem Büdchen ums Eck und den Menschen vonne Ruhr.

http://www.museum-kueppersmuehle.de/

Schon 2014 hatte Till Brönner sein „Faces of Talent“-Fotobuch in dem Kempener Verlag „teNeues“ veröffentlicht. Es half, den Musiker als Fotografen in der zeitgenössischen Fotoszene zu positionieren. Da fehlte nur mehr eins: Brönner-Fotos auf musealem Parkett.

Jetzt also hat der Vieltalentierte – Trompeter, Sänger, Komponist, Arrangeur, Vater eines Sohnes und Professor an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden – seine erste Museumsschau. Und einen Verdienstorden – den des Landes NRW – gab es am 14. Mai dieses Jahres noch obendrauf.

Ob Till Brönner bei so viel Erfolg an Viersen denkt?

Herr Brönner, gibt es, so nah dran an Viersen, Heimatgefühle?

Am Niederrhein natürlich schon ein wenig, meine Familie stammt von dort, und ich bin dort geboren.

Was bedeutet es Ihnen im MKM Duisburg - an der Schnittstelle zwischen Ruhrgebiet und Niederrheinregion - auszustellen?

Das MKM Duisburg ist in seiner Stellung und seiner Ausstellungsfläche beispiellos, in der Region, aber auch in Deutschland. Eine fotografische Bühne für die Region selbst könnte nicht besser gewählt sein als dort, finde ich.

https://tillbroenner.de/

Das Team um Museumsdirektor Prof. Walter Smerling und der Kuratorin Dr. Eva Müller-Remmert hat sich gemeinsam mit mir des Themas Ruhrgebiet intensiv angenommen. Und nun ist dort eine sehr persönliche Momentaufnahme der Region zu erleben. Das Feedback ist sehr positiv, zu rechnen war damit nicht automatisch. Wir freuen uns sehr darüber.

Welche Passion ist heißer? Jazzen? Foto-Shooting?

Jazzmusiker zu sein bedeutet neugierig und öfter auch mal ohne genauen Plan eine Bühne zu betreten. Man sollte dazu künstlerisch möglichst in Bestform sein. In der Fotografie ist das gerne mal zu kühn, denn ein gutes Foto ist von ein paar Gegebenheiten abhängig, die zu planen sich lohnen.

Aber ich erkenne viele Gemeinsamkeiten, nicht zuletzt die wichtigste: Persönlichkeit. Sie ist es, die das Gegenüber zu öffnen vermag, so dass Publikum oder Foto-Betrachter etwas spüren, das nicht alltäglich ist.

Was hat Ihrer Meinung nach mehr Seele – die Musik? Die Fotografie?

Beides kann Seele haben oder vermissen lassen. Sonst wäre jedes Foto ein Meisterwerk oder jeder Song ein Welthit.

Könnten Sie Ihre Fotografie musikalisch illustrieren?

Ehrlich gesagt nein. Aus genau diesem Grund habe ich die Kamera ja in die Hand genommen.

Fotografieren Sie privat anders als für eine Museumsausstellung?

Es ist gut, das im Nachhinein zu entscheiden. Zuerst kommt das Foto, dann die Verwendung. So mag ich es. Ich könnte nicht gut trennen zwischen diesen beiden Arten zu fotografieren. Letztlich geht es um das, was mich persönlich interessiert.

Und wenn ich auf die Suche gehe und etwas finde, kommt es grundsätzlich in die engere Wahl, auch an einer Wand zu hängen. Ich bin ja kein Werbe- oder klassischer Auftragsfotograf. Als ganzheitlicher Künstler stünde mir das auch nicht so gut.

Dürfen wir auf eine Ausstellung „Niederrhein“ hoffen?

Man soll ja dergleichen nie ausschließen, auch mit dem Thema Ruhrgebiet habe ich nicht gerechnet. Aber dann war es da. Ich bin froh darüber.

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