Peter Voss, Malerei

Wie Peter Voss aus Neukirchen-Vluyn fast ein Künstler wurde

Ein Mann, sein Werk. Peter Voss vor seinem vielleicht schönsten Gemälde.

Ein Mann, sein Werk. Peter Voss vor seinem vielleicht schönsten Gemälde.

Foto: Bettina Engel-Albustin / Far

Am Niederrhein.  Es ist nie zu spät, sich selbst zu verwirklichen. Peter Voss malt sein Leben lang, nun stellt er erstmals in einer Galerie in Kamp-Lintfort aus.

Die Kollegin hatte mich vorher freundlich gewarnt. „Bei so einem Text kannst Du nur verlieren.“ Trotzdem.

Keine drei Wochen ist es her, da kam seine Einladung per Mail. Unsere beruflichen Wege haben sich getrennt, wobei die Firma doch dieselbe geblieben ist, nur anders.

Er schrieb von einem „netten Abend“, den wir verbringen können, gemeinsam mit mehr, weniger oder gar nicht bekannten Menschen; eine Untertreibung, typisch für ihn.

Es war die Einladung zu einer Vernissage. Zu seiner Vernissage. Eine Kunstausstellung! Peter Voss malt. Is’ ja ‘n Ding.

Ein Großformat, nicht am Niederrhein, in Island

Wie viele Jahre teilten wir uns ein Büro, mit Blick auf den Dom in Xanten? Verdammt lang her. Warum sollte ich das an dieser Stelle verschweigen? Transparenz ist noch immer eine journalistische Tugend. Aber dass er malt, wusste ich nicht; nie, never, net. „Mein künstlerisches Schaffen zieht sich kontinuierlich durch mein Leben“, lese ich jetzt auf seiner Homepage.

Das Ölbild, vor dem er sich hat fotografieren lassen, finde ich einen „Hammer“. Natürlich bin ich in meinem Urteil befangen, sowieso ist objektiver Journalismus eine Mär. Und natürlich ist das kein Ausdruck, den ein Kunsthistoriker jemals in den Mund nehmen würde; so einer bin ich ja nicht.

Zurück zum Großformat, 190 mal 140 Zentimeter. Zu sehen ist ein einsamer Mann im wogenden Meer, mit irgendetwas in der linken Hand: einer Leine, einem Ruder, einem Stock? Wasser und Himmel verschmelzen zu einem landschaftlichen Blau bis Grau, Weiß und Schwarz. Titel: „Ytri Ranga I“.

Er malt anders, als er schreibt. Nicht nüchtern – mit Gefühl

Klingt geheimnisvoll und führt zu einer seiner Leidenschaften: dem Fliegenfischen. Es war mir bekannt, auch gelegentliche Ausflüge nach Island. Im Süden des Landes fließt die Ytri-Ranga, ein beliebter Angelfluss für Lachse, heißt es.

Der andere Peter Voss, dessen Art zu schreiben ich früh wie heimlich zu schätzen wusste. Klar, nüchtern, präzise. Wortspielerei bloß, wenn sie wirklich witzig ist; wirklich. Füllwörter im Text sind ihm zuwider, mit diesem „hier“ muss er leben.

Um die Werke eines Künstlers besser zu verstehen, schaue ich gerne in dessen Atelier. Ich möchte das Handwerk sehen, wie die Dinge gemacht werden. Zuhause in Neukirchen-Vluyn begrüßt er mich grinsend. Eine komische Situation, für ihn eine neue Rolle, für mich ein besonderer Gesprächspartner.

Kaffee, schwarz. Auf dem Küchentisch liegt eine DIN A4-großes Mappe mit Fotos von seinen Bildern. Einige davon hängen an den Wänden im Wohnzimmer.

Der Vater Landschaftsmaler, der Onkel Aquarellist

Abstrakte und quadratische, kalte wie warme Farbräume, fleckartig auf die Leinwand aufgetragen. Aus der Entfernung heraus vermischen sich zu einer Einheit. Licht scheint zu flirren. Irgendwie impressionistisch, behaupte ich mal.

Peter Voss sagt dazu „am liebsten gar nichts“. Ganz ein Künstler. Selber sehen! Selber denken!

Selber machen. Vater Voss ist Landschaftsmaler, Onkel Wilfried war „ein begnadeter Aquarellist“. Der Geruch von Farbe begleitete ihn durch seine Kindheit in Essen. Früher malte er mit Acryl, „mehr konnte ich mir als armer Student nicht leisten“. Daneben Bilder mit Bleistift, Tusche und Ölpastellkreide sowie Radierungen. Das Architekturstudium übrigens, abgebrochen.

Heute macht er in Öl. Dazu Verdünner, damit die Farben besser fließen. Dazu Musik, damit die Gedanken besser fließen; gerne Sigur Rós.

Mensch Peter, ein spätes Coming-out

Sein Malraum ist ein ehemaliges Kinderzimmer, einer der beiden Söhne seiner Frau ist ausgezogen. Platz für Ideen, die er beim Blick aus dem Terrassenfenster holt: über Felder gen Rayener Berg, wo jeden Abend die Sonne untergeht.

„Da hinten wir’s heller“ nennt er seine erste Ausstellung. Klingt wie ein Lebensmotto, wirkt wie ein Coming-out. Mensch Peter, warum erst jetzt?

Die Ausstellung in Kamp-Lintfort

„Da hinten wird’s heller“, 30 Bilder von Peter Voss, Galerie Kurt Pralat, Moerser Straße 373 in Kamp-Lintfort; Eröffnung heute Abend, 31. Januar, um 19 Uhr, der Maler ist anwesend. Danach bis Sonntag, 9. Februar, täglich ab 11 Uhr zu besuchen. Infos über den Künstler im Internet: www.petervossmalerei.de

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