Zisterzienser

Zu Besuch bei den Himmelssuchern

Leser-Führung im Kloster Kamp durch die Abteikirche und Museum. Hier: Großes Staunen am Kamper Antependium, einem reich verzierten Altartuch, anno 1330.

Leser-Führung im Kloster Kamp durch die Abteikirche und Museum. Hier: Großes Staunen am Kamper Antependium, einem reich verzierten Altartuch, anno 1330.

Foto: Markus Joosten

Kamp-Lintfort.   Warum wohl trug Abt Polenius rote Pantöffelchen? Exklusive Leser-Führung durch die Geheimnisse und Geschichte von Kloster Kamp, Kamp-Lintfort

Im Schatten des Baumes, mitten auf dem schönen Rasen oben auf dem Kamper Berg, da hat man einen besonders schönen Blick auf die altehrwürdige Abteikirche – da kann man die Besonderheit dieses Ortes spüren, ja, sogar atmen. Hier nahm eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte ihren Anfang, damals, vor fast 900 Jahren. Und kaum einer weiß diese Geschichte so spannend, lebendig und kurzweilig zu erzählen wie Dr. Peter Hahnen.

An kaum einem anderen Ort war man einst am Niederrhein dem Himmel so nah wie auf dem Kamper Berg.

Im Rahmen unserer Leser-Sommeraktionen nahm der Leiter des „Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp“ uns und unsere Leser nun an die Hand, exklusiv, und reiste mit uns in die Zeit der „weißen Mönche“, der Zisterzienser. Vom späten 11. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts entwickelten sich die Zisterzienser zu einem der mächtigsten Verbände der Christenheit. Und auch vom Kloster Kamp aus wurden zahlreiche Tochterklöster aus gegründet.

Zu sehen heute noch: die Schädeldecke der Heiligen Agatha

Schlicht bauten sie einst, die Mönche, die ihre Wiege in Frankreich hatten. 1123 also kamen die Zisterzienser auf den Kamper Berg und gründeten das erste Zisterzienserkloster im deutschsprachigen Raum. Die Mönche brachten unter anderen Reliquien auch ein Stück der Schädeldecke der Heiligen Agatha mit, die heute noch in der Klosterkirche aufbewahrt wird.

Die Zisterzienser beriefen sich auf die Regel des Heiligen Benedikt

Die Zisterzienser besinnen sich auf die Regel des heiligen Benedikt (um 480-547) – „Bete und arbeite“ – und finden zu einer tiefen Religiosität. Die Mönche entscheiden sich für ein zurückgezogenes Leben, sie reduzieren ihr Leben auf das Wesentliche in Lebensführung, Kunst und Architektur.

Im Spätmittelalter war das Kloster wohl das bedeutendste des ganzen Zisterzienserordens. Ein Meisterwerk aus der Zeit, die 1312 entstandene Kamper Bibel, befindet sich heute im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Das Kamper Antependium birgt auch so manche Besonderheit, ein feines Altartuch, reich bestickt, aus den Jahren um 1330

„Schatzkammer“ nennt Dr. Peter Hahnen denn auch das kleine, höchst informative Klostermuseum, in dem man u. a. auch in eine mittelalterliche Schreibstube lünkern kann. Natürlich ist der Blick auf das Kamper Antependium Pflicht, ein aus grünem Seidensamt gearbeitetes und besticktes Altartuch aus dem Jahren um 1330.

Abt Polenius versuchte, das zerstörte Kloster um 1640 herum wieder aufzubauen. Berühmt machten ihn aber eher seine roten Pantoffeln

Nebenan die roten Samtpantöffelchen von Abt Polenius. Nach der Führung durch die Abteikirche konnten unsere Gewinner dann vom kleinen Innengarten aus einen wunderbaren Blick auf den Terrassengarten werfen – um anschließend bei Kaffee und Kuchen im Rokokosaal den Besuch bei den „Himmelssuchern“ gemütlich ausklingen zu lassen.

>>>Der Orden der Zisterzienser

wurde im Jahr 1098 in Cîteaux – dem heutigen St-Nicolas-lès-Cîteaux – in Frankreich von einer Gruppe von Benediktinern des Klosters Molesme unter der Leitung von Abt Robert gegründet mit dem Ziel, streng nach den Ordensregeln zu leben, die Benedikt von Nursia im Jahr 540 für seine Mönche aufgestellt hatte. Das Reformkloster von Cîteaux wäre wohl eine Episode geblieben, wenn nicht Bernhard von Clairvaux 1113 zusammen mit 30 Gefährten als Novize in dieses Kloster gekommen wäre; mit ihm begann ein enormer Aufschwung, nun konnten erste Tochterklöster gegründet werden.

Zwölf Mönche brachen auf, um ein neues Kloster zu gründen

Zur Gründung eines Tochterklosters brachen jeweils zwölf Mönche unter Leitung eines Abtes nach dem Vorbild von Jesus mit seinem Jüngerkreis auf; das neue Kloster wurde dann vom Abt des Mutterklosters beaufsichtigt und jährlich besucht. Bis zum Ende des Mittelalters stieg die Anzahl der Zisterzienserabteien auf mehr als 700 in ganz Europa. Das erste Kloster in Deutschland wurde 1123 in Altenkamp -- im heutigen Kamp-Lintfort – gegründet.

Bernhard von Clairvaux (um 1090-1153) und seine reformerischen Gedanken inspirierten Theologen über viele Jahrhunderte – auch Martin Luther.

Das LVR-Landesmuseum Bonn widmet noch bis Ende Januar 2018 den Zisterziensern eine große Ausstellung. Dazu erschienen ist im Theiss-Verlag ein wunderschöner Bild- und Textband (368 Seiten, 29,95 Euro, über 300 farbige und meist großformatige Abbildungen): „Die Zisterzienser. Das Europa der Klöster“.

Die Autoren geben Einblicke in das Leben der Zisterzienser, ihr Kunstverständnis, ihr Wirtschaften und ihre einzigartige Erfolgsgeschichte. Vorgestellt werden auch die Niederlassungen in Deutschland, darunter natürlich ausführlich auch das Kloster Kamp in Kamp-Lintfort.

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