Nachruf

Zum Tod von Herbert Kremp: Abschied von Schenkenschanz

Herbert Kremp auf dem Deich in Schenkenschanz bei Kleve am Niederrhein. das Bild wurde im Jahr 20008 aufgenommen.

Herbert Kremp auf dem Deich in Schenkenschanz bei Kleve am Niederrhein. das Bild wurde im Jahr 20008 aufgenommen.

Foto: Heiko Kempken / NRZ

Am Niederrhein.  Am Samstag verstarb der Journalist Herbert Kremp. Nach seinen Ausflügen in die Weltpolitik fand er seine Wahl-Heimat in Schenkenschanz bei Kleve.

Manchmal war er aus tiefster politischer Überzeugung ein Schwarzmaler. Aber selbst Gegenteiliggesinnte bescheinigten ihm eine kluge wie kühle, scharfe wie strenge Analytik. Und doch entsprang die Erkenntnis, die er zur großen Feier seines 90. Geburtstages im Dorf kundtat, seinem eigenwilligen Lebensweg, der ihn nach Schenkenschanz bei Kleve führen sollte – „wo ich lebe, schreibe und sterben werde“.

Herbert Kremp wurde fünf Jahre nach dem gescheiterten Putsch von Adolf Hitler und fünf Jahre vor dessen demokratievernichtender Machtergreifung geboren: 1928, mitten in der krisengeschüttelten Weimarer Republik.

Qua Geburt war er ein Münchner, vielleicht erklärt dies seine spätere Weltläufigkeit. Als Journalist berichtete er aus China, begleitete die Politik von Staatschef Deng Xiaoping und wurde 1978 für seine Reportage „Ein Regentag in Peking“ mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet; 2003 auch für sein Lebenswerk.

Von Deng Xiaoping zur Mäuseburg

Ein Niederrheiner war er – wenn überhaupt – in seinen blauen Augen, in denen stets eine gewisse Melancholie zu schimmern schien.

Als Chefredakteur der Rheinischen Post, 1963 bis 1968, lernte er die Tiefebene zwischen Rhein und Maas kennen. Sie erinnerte ihn an Flandern, er behielt sie gut im Gedächtnis. Zunächst in Salmorth, ab dem Jahr 2000 auf der Schanz, fand er seine Wahl-Heimat.

Ein Zugezogener, der sich voll integriert fühlte, der mitgestalte, als er körperlich konnte, der sich einmischte, als ihm seine Sprache blieb. Die vom Klever Stadtrat gekappte Fährverbindung nach Düffelward geißelte er zwar nicht mit gleicher Vehemenz, wie einst die 68er-Generation sowie die Ostpolitik von Willy Brandt, doch mit gleicher Leidenschaft.

Als einen „Kampfschreiber“ bezeichnete ihn Zunftkollege Michael Jürgs (†), als er Chefredakteur, später auch Herausgeber, des Springer-Blattes „Die Welt“ war, 1969-1985. Doch der Staatsrechtler, Philosoph und Historiker mit Doktortitel konnte auch ganz anders. Bis weit in seine achtziger Jahre hinein versuchte er die große Politik zu erklären, dazwischen schrieb er Erzählungen vom Niederrhein: „Geschichten aus der Mäuseburg“; für Kinder und Erwachsene ebenso.

Am vergangenen Samstag starb Herbert Kremp im Alter von 91 Jahren. Er wird auf dem Friedhof in Schenkenschanz das finden, was er hier so schätze: seine Ruhe.

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