Mobilreisen

Wirtschaftsfaktor Wohnmobil: NRW-Städte rüsten auf

Besonders schön steht es sich im Grünen – wie hier in Wesel. Allerdings geht es bei Wohnmobil-Stellplätzen eigentlich mehr um Zweckmäßigkeit als um Optik.

Besonders schön steht es sich im Grünen – wie hier in Wesel. Allerdings geht es bei Wohnmobil-Stellplätzen eigentlich mehr um Zweckmäßigkeit als um Optik.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr.  Weil Reisemobilisten eine solvente Zielgruppe sind, weisen viele Städte Wohnmobilstellplätze aus. Am Niederrhein schneller als im Ruhrgebiet.

„Wenn ich ein Reisemobil sehe, sehe ich 109 Euro“, sagt Manon Loock-Braun, Tourismus-Managerin von Emmerich. Sie spielt damit auf die wirtschaftliche Bedeutung an, die abenteuerlustige Wohnmobil-Reisende für die Tourismusbranche haben. Über eine halbe Million Reisemobile rollen laut dem Caravaning Industrie Verband Deutschland (CIVD) über deutsche Straßen, Tendenz: steigend. Neben Image-Gründen sind Reisemobilisten deshalb in vielen Städten und Gemeinden an Rhein und Ruhr willkommen – auch wenn sie oft nur ein, zwei Nächte bleiben, weil sie etwas erleben wollen. Wenn es am nächsten Morgen weitergeht, haben sie – so rechnen die Touristiker – 45,80 Euro pro Kopf und Tag am Übernachtungsort ausgegeben. Und durchschnittlich sind 2,4 Reisende an Bord eines Mobils: Macht 109,92 Euro pro Tag und Mobil. Städte und Gemeinden reagieren darauf, indem sie sogenannte Wohnmobil-Stellplätze einrichten.

Reisemobilisten brauchen keinen Luxus vor Ort

Klassische Campingplätze sind auf diese Art des Erlebnis-Reisens in der Regel nicht ausgelegt, denn sie punkten mit Service und Infrastruktur, mit festen An- und Abreisezeiten, mit Vorab-Reservierung, Programm und ansprechend gestalteten Anlagen – alles Dinge, die viele Wohnmobil-Touristen nicht brauchen, zum Teil auch nicht wollen. Doch einfach am Straßenrand halten und die Nacht dort verbringen, ist zumindest in Deutschland nicht gestattet. „Man braucht Flächen, wo es explizit erlaubt ist, weil es sonst explizit verboten ist“, “, erläutert Daniel Rätz vom CIVD. Den Reisemobil-Urlaubern reicht ein Platz, auf dem sie stehen und übernachten können – schließlich haben sie in ihrem Fahrzeug schon alles dabei. Ein Stromanschluss, sowie Wasserver- und -entsorgung sind gern gesehen, WLAN und sanitäre Anlagen schon Luxus.

Spezielle Stellplätze für Wohnmobile bieten genau diesen Minimalismus. Oft handelt es sich nur um eine Rasen-, Schotter- oder ehemalige Parkfläche, die für den Zweck freigegeben ist. Je spartanischer ausgestattet, desto günstiger wird es auch. Ein einfacher (Park-)Platz ohne Ver- und Entsorgung ist in vielen Fällen kostenlos, die besser ausgestatteten Stellplätze fallen meist mit einer geringen Übernachtungs- und Entsorgungspauschale um die zehn Euro ins Gewicht, zuzüglich Frischwasser und Strom nach Verbrauch. Das typische Campen mit Grill und Sonnenliege ist häufig nicht erwünscht.

Stellplatz ist nicht gleich Stellplatz

Der CIVD verzeichnet 556 solcher Stellplätze in NRW, rund 4200 in ganz Deutschland – hinzu kommen informelle Stellmöglichkeiten, die nicht offensiv vermarktet werden oder auf denen das Abstellen nur geduldet wird. Die Plätze werden zwar mehr, jedoch nicht im gleichen Ausmaß, wie die Menge an Reisemobilen zunimmt, sagt Daniel Rätz: „Es ist so, dass es immer noch zu wenig wächst.“

Hinzu kommt, dass die Plätze in ihrer Größe extrem variieren .So bietet etwa Essen nur einen reinen Reisemobilstellplatz an der Baedecker Straße auf dem gerade einmal Platz für fünf Reisemobile ist. Duisburg hat seit 2019 den Wohnmobilstellplatz am Toeppersee, auf dem 18 Mobile Platz finden. Und selbst in Düsseldorf gibt es lediglich einen dauerhaften Stellplatz am Rheinufer mit 25 Stellflächen.

Oberhausen hingegen hat den Trend erkannt: Am Kaisergarten (wegen Corona gerade nicht geöffnet) finden 68 Reisemobile Platz, wegen steigender Nachfrage kam vor drei Jahren noch ein Platz an der Marina (18 Stellflächen) hinzu. „Das ist ein Angebot, das brauchen wir“, betont Oberhausens Tourismuschef Rainer Suhr.

Der Niederrhein hingegen verfügt über ein sehr dichtes Netz an Stellplätzen, besonders die niederländische Grenzregion: „Der Kreis Kleve war schon vor Jahren stolz darauf, dass es in jeder Kommune mindestens einen Wohnmobilstellplatz gibt“, weiß Leo Ingenlath, Präsident des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Deutschland Landesverband NRW (BVCD-NRW). In der Kreisstadt selbst gibt es sogar acht Stellplätze – zwei Große mit 75 bzw. 60 Plätzen sowie sechs Kleine in den äußeren Stadtteilen mit Platz für jeweils vier Mobile. Noch mehr Platz finden Reisemobil-Touristen in Kevelaer: Hier sind gleich zwei große „Wohnmobilhäfen“ ansässig, auf denen sich 100 bzw. 150 Reisemobile einquartieren können, sowie ein kleiner Platz für 13 Fahrzeuge.

Der Niederrhein baut weiter aus

Die weniger breit aufgestellten Städte am Niederrhein ziehen nach: In Emmerich etwa wurde gerade der Stellplatz auf dem Eltenberg saniert und ausgebaut. Demnächst werden hier 15 Mobile Platz finden und Zugang zu Toiletten, WLAN, Strom, Wasser und Entsorgung haben, dafür aber auch zahlen müssen. Ein weiterer großer Stellplatz ist in der politischen Diskussion, im Moment muss ein Provisorium nahe der Rheinpromenade die hohe Nachfrage abfangen. Auch Kamp-Lintfort hatte im Zuge der Landesgartenschau nachgelegt und einen Platz für 39 Mobile am Wandelweg eingerichtet. In Rheinberg diskutiert man derweil schon lange über einen Stellplatz – neueste Pläne gehen dahin, einen solchen auf einem brach liegenden Areal in Bahnhofsnähe zu errichten.

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