Süßigkeiten:

Wo die kleinen Bonbons herkommen

Foto: Waz FotoPool

Duisburg. Bei Wilhelm Müller in Duisburg-Rheinhausen werden die Süßigkeiten noch wie vor 100 Jahren produziert. Für Wochenmärkte und Apotheken.

Wie es hier riecht, herrlich! Ein süß-saurer Duft von Zucker und Zitrone weht über das Firmengelände, gepaart mit einem zarten Hauch von Anis und Lakritz. Man muss nicht lange raten, um zu erahnen, dass in der guten Stube der Bonbon-Fabrik Wilhelm Müller gerade Vitamin-C Bonbons produziert werden.

Die leckeren Fruchtscheiben mit Zitronen- und Kirschgeschmack, fast so wie vor fast 70 Jahren, als Wilhelm Müller als junger Bursche mit dem Bonbonkochen begonnen hat.

Der geschwungene Firmenname verrät es schon: Tradition wird im Hause Müller groß geschrieben. Die Rheinhauser Bonbon-Fabrik ist in der modernen Süßwarenwelt schon fast ein Unikat. An der Weißenburgstraße Nummer 15 gibt es keine Massenproduktion, hier werden die Bonbons noch in uralten, kleinen Kupferkesseln gekocht und die Rezepte sind über 100 Jahre alt, verfeinert und veredelt vom Firmengründer höchstpersönlich.

Wilhelm Müller hat einen feinen Geschmack, seine Bonbons sind garantiert nicht zu sauer, nicht zu süß, die Kräutermischungen wohl gewählt und harmonisch im Aroma. Auf die richtige Mischung kommt es an und die hat Müller nach jahrzehntelanger Erfahrung für sich entdeckt: „Ich probiere so lange, bis es wirklich passt. Ich liebe meinen Beruf”, sagt Wilhelm Müller. Und das schmeckt man.

„Ich bin Gesundheitsfanatiker”

Die Bonbons erhält man nicht im Supermarkt, sondern ausschließlich auf Wochenmärkten, auf der Kirmes oder in Apotheken. Sie sind teurer als die gängigen Süßigkeiten, dafür legen Wilhelm Müller und sein Schwiegersohn Heinz-Peter Sistenich (66) größten Wert auf die Einhaltung der alten Rezepturen. Und das ist gar nicht so einfach: Im persönlichen Telefonbuch des 85-Jährigen hat er hinter vielen Geschäftspartner schon ein Kreuz notieren müssen.

Und es werde immer schwieriger, Zutaten zu finden, die dem Qualitätsanspruch der Müllers gerecht werden. „Ich bin ein Gesundheitsfanatiker”, sagt Wilhelm Müller. Gesundheitsschädliche Farbstoffe kommen ihm nicht in die Tüte. Auch künstliche Aromastoffe sind absolut tabu.

Auf den Preis der Zutaten werde nie geachtet. „Wir entscheiden uns für das beste Produkt”, sagt Hans-Peter Sistenich. So kommt das Anisöl aus Spanien und der Zucker vom Werk in Kalkar-Appeldorn. Für die Fruchtbonbons werden ausschließlich natürliche Aromen verwendet.

Der Renner im Hause Müller sind übrigens die Glühweinbonbons, nach einem Rezept von Ehefrau Ingrid Müller. In der Vorweihnachtszeit werden 40 Tonnen dieser Mischung produziert und auf Weihnachtsmärkten im Eigenvertrieb verkauft. Ein weiterer Klassiker: der Spezial-Hustenlöser

Die kleine Bonbon-Fabrik hat 50 verschiedene Sorten im Angebot. Viele werden in kleineren Mengen produziert und sind damit immer frisch zubereitet. Dass die Müllers im harten Wettbewerb noch überleben können, verdanken sie ihrer Qualität.

Stolz sagt Müller: „Früher hat es in Duisburg vier Bonbonfabriken gegeben. Nur wir sind übrig geblieben.”

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