Faszination Sterne

Wo man in den Niederlanden die Milchstraße sehen kann

Die Milchstraße, wie wir Menschen sie nur an ganz wenigen Orten so am Himmel sehen können.

Die Milchstraße, wie wir Menschen sie nur an ganz wenigen Orten so am Himmel sehen können.

Foto: Tobias Hoiten

Lauwersmeer/Franeker.  Haben Sie Lust auf ein unvergessliches Sternenerlebnis? Dann fahren Sie doch mal nach Friesland. Dort gibt es zwei offizielle „Dark Sky Parks“.

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Gerade ist direkt vor den Türen unseres Funke-Medienhauses das „Essen Light Festival“ zu Ende gegangen. Vom 25. Oktober bis zum 3. November führten jeweils ab 22 Uhr beeindruckende Installationen die Menschen durch die City, ehe direkt im Anschluss die schon traditionellen „Essener Lichtwochen“ gestartet sind.

Das ist schön anzusehen, gerade wenn die Tage kürzer und die dunklen Nächte länger werden. An Licht mangelt es allerdings in einer Großstadt wie Essen sicher nicht, eher im Gegenteil. Zwar wird das Thema Lichtverschmutzung aktuell nicht so heiß diskutiert wie andere Umweltsünden, doch um zu realisieren, was unser Umgang mit Licht bedeutet, sollte man knapp 300 Kilometer in den Norden fahren.

Hier, im niederländischen Teil Frieslands, dürfen sich zwei Orte mit dem offiziellen Siegel „Dark Sky Park“ schmücken. Das Label wird von der International Dark Sky Association vergeben, einer von Astronomen in Tucson/Arizona gegründete und heute in zahlreichen Ländern engagierte gemeinnützige Organisation gegen Lichtverschmutzung zur Förderung eines schönen Sternenhimmels. Die meisten dieser „International Dark Sky Parks“ gibt es in den USA, Deutschland hat vier (Fulda, Westhavelland, Sternenpark Rhön, Winklmoosalm/Chiemgauer Alpen) und die dicht besiedelte Niederlande zwei: de Boschplaat auf der Insel Terschelling und seit 2014 auch den Nationalpark Lauwersmeer in Fryslan.

Der dunkelste Ort der Niederlande befindet sich derweil eigentlich im Westen der kleinen Insel Vlieland, doch weil hier ein Militärposten stationiert ist, von dem die niederländische Luftwaffe zu Flugübungen startet, kommt das Naturgebiet Vliehors als „Dark Sky Park“ nicht in Frage. Auch die große Nachbarinsel Texel hat inzwischen diesen Status beantragt, und zwar für das gesamte Welterbe Wattenmeer.

Wer Glück hat, sieht die Nordlichter

Je nördlicher man in Richtung Groningen oder Leeuwarden fährt, umso weiter wird das Land. Die ideale Voraussetzung für ein nächtliches Aha-Erlebnis, denn in unseren Städten und auch nicht am ländlichen Niederrhein kann man einen Sternenhimmel bewundern wie in Friesland. „In Westeuropa gibt es kaum noch Stellen, an denen man die Milchstraße richtig sehen kann“, bemerkt Jaap Kloosterhuis.

Er ist Ranger und bietet Führungen durch den Nationalpark Lauwersmeer an. Was er sagt, ist erst einmal nicht zu glauben. Jeder, der zum Beispiel im Urlaub in Spanien nachts mal am Strand gesessen hat, wird von einem unfassbaren Sternenhimmel schwärmen. Doch weit gefehlt, selbst unser Sonnensystem, eben die Milchstraße, können wir mit unseren Augen nur an den dunkelsten Orten der Welt ausmachen.

Ende September ist die perfekte Zeit, um sich auf die Suche nach etwas mehr als immer nur den Polarstern und den Großen Wagen zu machen. Im Sommer ist es hier vor allem hier im Norden zu lange zu hell, sodass eine Expedition ins Dunkle vor 3 Uhr morgens nicht viel bringt. Allerdings ist dann die Chance groß, zumindest weit in der Ferne, die berühmten Nordlichter zu sehen. Im Spätsommer oder frühen Herbst, aber müssen nur noch die Wolken verschwinden, dann kann es schon gegen 21 Uhr losgehen.

Im Nationalpark Lauwersmeer leben zwar auch Leute, es gibt sogar einen kleinen Campingplatz, doch alle Aktivitäten sind darauf ausgerichtet, unnötige Lichtverschmutzung zu vermeiden. Am Firmament zeigt sich bei günstiger Witterung dann nicht nur Kassiopeia in ganzer Pracht, sondern auch zumindest ein paar tausend Sterne der aus Milliarden Himmelskörpern bestehenden, guten alten Milchstraße.

Pussy Riot in Leeuwarden

Natürlich lohnt sich ein Abstecher nach Fryslan auch jetzt noch. Leeuwarden richtet vom 22. bis zum 24. November das „Explore the North Festival“ aus. Die Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2018 ist dann für ein langes Wochenende ein Hotspot für Musik, Literatur und andere Freizeitaktivitäten, unter anderem treten am Abschlusstag die russischen Menschenrechtsaktivisten von Pussy Riot auf (mehr Infos und Programm unter: http://explore-the-north.nl/en).

Unsere Redaktion wurde von Merk Fryslan eingeladen.

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