Lehrermangel

Nur wenige Lehrer wollen für zwei Jahre an Grundschulen

Lehrer werden weiter gesucht.

Foto: Patrick Pleul

Lehrer werden weiter gesucht. Foto: Patrick Pleul

An Rhein und Ruhr.   Nur 24 von 2400 Lehrern haben nach NRZ-Informationen bislang auf ein Angebot des Ministeriums reagiert. Das Ministerium hofft auf den Februar.

Das NRW- Schulministerium hat weiterhin massive Probleme, offene Stellen an den Grundschulen zu besetzen. Zwar ist die Besetzungsquote laut Ministerium seit den Sommerferien gestiegen, doch beinahe jede zweite ausgeschriebene Lehrerstelle ist immer noch frei.

Ein Vorhaben von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), wie sich der Lehrermangel kurzfristig bekämpfen ließe, ist dabei offenbar bisher kaum erfolgreich: Die Ministerin hatte im Herbst rund 2400 Lehrkräfte angeschrieben, ob sie sich vorstellen könnten, für zwei Jahre an einer Grundschule zu unterrichten. Die Lehrer wurden eigentlich für die Arbeit an Gymnasien und Gesamtschulen ausgebildet, hatten aber nach den Sommerferien keine Stelle bekommen oder sind am 31. Oktober mit der Ausbildung fertig geworden.

Das Angebot des Ministeriums: Nach zwei Jahren an der Grundschule ist Berufseinsteigern eine feste Stelle an der gewünschten Schulform sicher.

„Grundschullehrer besser bezahlen“

Nach Informationen der NRZ hatten vor wenigen Wochen gerade mal 24 von 2400 angeschriebenen Lehrern das Angebot angenommen. Ministeriumssprecher Daniel Kölle nannte gestern auf Nachfrage keine Zahlen und verwies darauf, dass das Verfahren aktuell noch laufe.

„Das Programm ist bislang kein Erfolgsmodell“, sagte hingegen Stefan Behlau, der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft VBE. Berthold Paschert von der Gewerkschaft GEW betonte: „Das Angebot ist offenbar nicht attraktiv.“ Statt an die Grundschule zu gehen, würden ausgebildete Gymnasiallehrer lieber Vertretungsstellen mit einer besseren Bezahlung annehmen – oder auf die nächste Einstellungsphase warten.

Ministerium hofft auf Ende Februar

Das Schulministerium glaubt allerdings, dass Ende Februar mehr Lehrkräfte das Angebot annehmen werden. Dann endet das Ausschreibungsverfahren für das zweite Schulhalbjahr. Wer dann keine Stelle an einem Gymnasium oder einer Gesamtschule bekommen habe, könnte auf das Angebot zurückgreifen. „Wir meinen, dass das gute Angebot für einige noch interessanter wird“, so Kölle. Das Programm sei langfristig angelegt, und im Februar würden auf 480 Stellen an Gymnasien und Gesamtschulen 2370 Bewerber kommen.

Die Gewerkschaften halten das Vorhaben von Gebauer nur „für die beste der schlechten Lösungen“, um den Lehrermangel in den Griff zu bekommen. Sie pochen auf mehr Studienplätze und eine gleichgestellte Bezahlung der Grundschullehrer. Auch Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, glaubt nicht, dass im Februar deutlich mehr Lehrer das Angebot annehmen werden. Jochen Ott von der SPD-Fraktion nannte das Programm eine „reine Lückenmaßnahme“.

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