Sammelunterkünfte

Quarantäne: Über 40 Corona-Fälle in Flüchtlingsunterkunft

Eine Sammelunterkunft für Flüchtlinge in Fischlaken. Diese Einrichtung ist noch nicht von einem Corona-Fall betroffen. Insgesamt leben 11.500 Asylsuchende in Sammelunterkünften.  

Eine Sammelunterkunft für Flüchtlinge in Fischlaken. Diese Einrichtung ist noch nicht von einem Corona-Fall betroffen. Insgesamt leben 11.500 Asylsuchende in Sammelunterkünften.  

Foto: Ulrich von Born / Funke Foto Services

An Rhein und Ruhr  Sammelunterkunft in Euskirchen steht unter Quarantäne. Der Flüchtlingsrat hatte vor solchen Situationen gewarnt und fordert Dezentralisierung.

In einer Sammelunterkunft für Flüchtlinge in Euskirchen ist es zu einem großen Corona-Ausbruch gekommen. In der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) wurden 46 Flüchtlinge positiv getestet (Stand: Freitagabend). Die Einrichtung steht jetzt unter Quarantäne. Der Flüchtlingsrat NRW erneuerte seine Forderung nach einer dezentralen Unterbringung der Flüchtlinge.

Laut Bezirksregierung Köln sind in der Einrichtung 298 Flüchtlinge untergebracht, größtenteils Familien. Ein Drittel seien alleinreisende Männer. „Diese Menschen kommen überwiegend aus Kriegsgebieten, haben dramatische Vorgeschichten und sind zum Teil schwerst traumatisiert“, heißt es in einer Mitteilung der Bezirksregierung.

Essen nur noch auf dem Zimmer

Jetzt dürfen die Flüchtlinge die Einrichtung nicht mehr verlassen. Das Essen darf nur noch auf den Zimmern eingenommen werden. Das Betreuungspersonal und der Sicherheitsdienst wurden verstärkt, zudem wurde für sie Schutzausrüstung angeschafft. Für die Kinder sei Spielzeug ausgegeben worden.

Insgesamt leben in den Sammelunterkünften in NRW 11.500 Flüchtlinge. Der Flüchtlingsrat NRW hatte schon Mitte März darauf hingewiesen, dass in den beengten Verhältnissen in diesen Unterkünften eine soziale Distanz nicht aufrecht erhalten werden könne und eine Evakuierung der Einrichtungen gefordert.

Warnung vor steigendem Konfliktpotenzial

Birgit Naujoks, die Geschäftsführerin des Flüchtlingsrats, erneuerte diese Forderung jetzt mit Nachdruck. Für die Flüchtlinge habe es schwerwiegende Folgen, wenn sie unter Quarantäne leben müssten. „Sie können nicht mehr einkaufen oder ihre Telefone aufladen. Damit können sie auch nicht mehr mit der Verfahrensberatung kommunizieren.“ Durch die Situation ste ige auch das Konfliktpotenzial.

„Wir hatten die dezentrale Unterbringung der Geflüchteten in den Kommunen deswegen gefordert, um genau solche Situationen zu vermeiden“, so Naujoks im Gespräch mit unserer Redaktion.

Neben Euskirchen sind in zwei weiteren Einrichtungen Corona-Fälle aufgetreten: In Kerpen und Schleiden wurde jeweils ein Flüchtling positiv getestet.

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