Zoo Krefeld

1,4 Millionen Euro Spenden: Affenhaus wird neu gebaut

Viele Menschen hatten Plakate mit Bildern der verstorbenen Affen mitgebracht zur Kundgebung.

Viele Menschen hatten Plakate mit Bildern der verstorbenen Affen mitgebracht zur Kundgebung.

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Krefeld.  Nach dem Brand im Krefelder Zoo soll ein neues Affenhaus gebaut werden. Rund 300 Menschen kamen zu einer Solidaritätsveranstaltung am Rathaus.

Brigitte Bizimana hat sich warm angezogen, es ist nasskalt an diesem Freitagnachmittag. Trotzdem wollte sie unbedingt zum Krefelder Rathaus kommen, genau wie rund 300 andere Menschen. „Mich hat der Brand im Affenhaus sehr geschockt, bis heute“, erzählt Bizimana, die mit zwei Freundinnen gekommen ist. Die meisten, die zur Solidaritätskundgebung unter dem Motto „Unser Zoo – unsere Verantwortung“ gekommen sind, wohnen seit Jahren in der Stadt, haben den Zoo selbst als Kinder besucht und machen das nun mit ihren Kindern und Enkeln. Das Tropenhaus hatte bereits 1975 eröffnet.

„Das sind einfach viele schöne Erinnerungen, die wir mit den Affen verbinden“, sagt Nicolé Stensmann, die den Brand schon in der Silvesternacht verfolgte und nicht weit weg vom Unglücksort wohnt. Sie und ihr Mann haben eine Jahreskarte für den Zoo. „Alle dort leisten tolle Arbeit, das Affenhaus muss unbedingt wieder aufgebaut werden“, sagt sie. „Auch für den Erhalt dieser Tierarten ist das sehr wichtig“, fügt Bizimana hinzu. „Dass die Affen so qualvoll gestorben sind und auch die Einsatzkräfte das alles erleben mussten, habe ich bis jetzt nicht verarbeitet“, erzählt sie.

Bei vielen fließen noch einmal die Tränen

Bei vielen Bürgern fließen an diesem Nachmittag noch einmal Tränen, auch als Zoodirektor Wolfgang Dreßen auf die einzelnen Menschenaffen eingeht, ihre besonderen Charaktereigenschaften hervorhebt. Einige Teilnehmer haben Plakate gebastelt, auf denen die Affen dargestellt sind, auf der Bühne ist eine Leinwand mit einem Regenwald zu sehen.

„Die Stadt ist ohne den Zoo und das Affenhaus unvorstellbar, das gehört einfach dazu“, meint Heike Müskes, die schon ihr ganzes Leben in Krefeld wohnt. Sie will den Aufbau des neuen Affenhauses unterstützen. „Mit einer Handarbeitsgruppe nähen wir Kuscheltier-Affen und anderen Tiere, die wir verkaufen.“ Der Erlös, so Müskes, gehe an den Zoo.

1,43 Millionen Euro in knapp vier Wochen

Dass das Affenhaus neu gebaut wird, steht indes seit Mittwoch fest. Der Aufsichtsrat hat die zügige Planung eines sogenannten Artenschutzzentrums Affenpark beschlossen. „Wir wollen noch in diesem Jahr Besuche in Zoos machen, die sich durch ihre innovative und vorbildliche Menschenaffenhaltung auszeichnen“, sagte eine Sprecherin. Da alles neu geplant werden müsse, werde es aber einige Jahre dauern, bis der Bau fertig sei. Die Kosten dafür werden auf einen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt. Wie viel davon aus Spenden finanziert wird, ist noch unklar.

Klar ist jedoch: Seit dem 1. Januar wurde für den Zoo und den Verein Zoofreunde die Rekordsumme von 1,43 Millionen gespendet. „Überwältigend“ nennt Friedrich Berlemann, Vorsitzender des Vereins, die Welle der Hilfsbereitschaft und den Einfallsreichtum vieler Bürger. „Die Menschen haben Kuchen für die Tierpfleger gebacken, sie haben Bilder gemalt, sie haben Benefizturniere ausgerichtet und Briefe geschrieben.“ Kinder hätten ihre Sparbüchsen geleert und persönlich vorbeigebracht. „Wir sind unendlich dankbar über diese Unterstützung“, sagte Berlemann.

120 Tierpatenschaften seit Neujahr

Seit dem Brand haben die Zoofreunde mehr als 1500 neue Mitglieder, 120 neue Tierpatenschaften seien geschlossen worden. Das zeige, wie wichtig den Krefeldern ihr Zoo sei. „Anders als von manchen Organisationen behauptet, geht das Geld keinesfalls in die Stadtkasse. Jeder Cent kommt dem Zoo zugute“, so Berlemann.

Auch Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD), der als erster die Bühne betrat, ging die Kritiker der vergangenen Wochen scharf an. Es sei „schwieriges Terrain“, Arten von Verlust zu vergleichen, beispielsweise mit dem Sterben vieler Tiere bei den Buschbränden in Australien. „Trauer und Schmerz lassen sich nicht quantifizieren und aufwiegen“, sagte Meyer und bekam viel Applaus. Jeder habe das Recht, den Tod der mehr als 30 Affen zu betrauern.

Lange Tradition der Menschenaffen in Krefeld soll fortgeführt werden

Entsetzt äußerte er sich über den Ton in den sozialen Medien. „Neben 82 Millionen Bundestrainern gibt es mittlerweile auch eine genauso große Anzahl an Experten für Brand- und Tierschutz“, so der Oberbürgermeister. Das Feuer wurde den Polizeiermittlungen zufolge von einer sogenannten Himmelslaterne ausgelöst. Nur zwei Schimpansen überstanden das Feuer.

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Meyer sagte, er wünsche sich, dass die lange Tradition der Menschenaffen in Krefeld fortgeführt werde. Das neue Affenhaus werde „ein Ort der emotionalen Bindung“, der hoffentlich viele weitere Generationen Verständnis und Respekt vor der Natur- und Tierwelt lehre.

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