Rechtsterror

„Combat 18“: NRW-Anführer Robin S. war Zschäpes Brieffreund

„Combat-18“-Verbot: Das sollte man jetzt wissen

Beim Verbot der rechtsterroristischen Gruppe „Combat 18“ gab es in Castrop-Rauxel eine Wohnungsdurchsuchung.

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Castrop-Rauxel/Dortmund/Düsseldorf.  Beim Verbot der Neonazi-Gruppe „Combat 18“ gab es in Castrop-Rauxel eine Wohnungsdurchsuchung. Das Umfeld von „C18“ bleibt im Blick der Behörden.

Das jetzt durch den Bundesinnenminister verbotene militante und rechtsterroristische Neonazi-Netzwerk „Combat 18“ ist auch in NRW aktiv und schon länger auf dem Radar der Sicherheitsbehörden in NRW. Allein im vergangenen Jahr wurden der Gruppierung 84 Straftaten zugerechnet, darunter viele Gewaltdelikte.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärte in einem Statement am Donnerstag im Landtag NRW, die Sicherheitsbehörden in NRW würden auch nach dem Verbot der Gruppierung „das Umfeld von ‘C18’ im Blick behalten“. Wörtlich sagte Reul an die Adresse von Rechtsextremisten: „Wir haben Sie intensiv im Blick und werden Sie weiter stören“.

Reul: „Combat 18“ ist nationalsozialistisch, rassistisch, antisemitisch

„Ich begrüße die Entscheidung, ‘Combat 18’ zu verbieten, ausdrücklich“, sagte Reul. Dieser Verein, dessen Mitgliederzahl in NRW seinen Angaben zufolge aktuell im „einstelligen Bereich“ liegt, richte sich unter anderem gegen die verfassungsmäßige Ordnung und gegen die Völkerverständigung.

Seine Ideologie sei nationalsozialistisch, rassistisch, fremdenfeindlich und antisemitisch. Die Sicherheitsbehörden im Bund und in NRW würden alles unternehmen, um „den braunen Sumpf auszutrocknen“. Die Anhänger von „Combat 18“ seien zudem bewaffnet und gewaltbereit

Das Verbot von „Combat 18“ sei rechtlich „sehr kompliziert gewesen“, erklärte Reul. Die Behörden seien sich jedoch sicher, es nun „rechtssicher“ umgesetzt zu haben.

Durchsuchung bei „Combat 18“-Kopf in Castrop-Rauxel

Der in Castrop-Rauxel lebende Robin S., dessen Wohnung am Donnerstagmorgen durchsucht wurde, ist alles andere als ein Unbekannter; er gilt als Kopf der Gruppierung in NRW. Bei der Durchsuchung – der einzigen in NRW – seien Laptops, Mobiltelefone, Datenträger und „waffenrechtlich relevante Gegenstände“ gefunden worden, teilte Innenminister Reul mit.

S. soll dort bei seiner Lebensgefährtin wohnen, mit der eine Tochter hat. Er saß selbst bereits mehrere Jahre in Haft, nachdem er einen Überfall begangen und dabei einen Menschen angeschossen hatte.

Robin S. hat nie einen Hehl daraus gemacht, ein Teil von „Combat 18“ zu sein. Er trat 2019 als Pressesprecher auf: vermummt und mit verzerrter Stimme. Er soll darüber hinaus gute Kontakte zum britischen Geschäftsmann William Browning pflegen, der als Kopf der europaweiten Strukturen gilt.

Robin S. war der Brieffreund von Beate Zschäpe

S. sagte Anfang 2016 als Zeuge im NSU-Untersuchungsausschuss des Landtages aus, weil er eine Brieffreundschaft mit Beate Zschäpe unterhielt, dem überlebenden Mitglied des mörderischen Neonazi-Trios.

Eine Verbindung zwischen Combat 18 und dem NSU konnte nie nachgewiesen werden, doch Experten sehen eine Spur zwischen beiden Organisationen. „Combat 18“ hat eine vergleichsweise starke Basis in Dortmund und Kassel, beides Tatorte von NSU-Morden. In Kassel wurde überdies im Sommer 2018 Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) auf seiner Terrasse mutmaßlich von einem Rechtsradikalen erschossen.

Netzwerk „Blood and Honour“ seit 2000 verboten

Robin S. geriet schon einmal in den Fokus der Landespolitik, weil er 2018 die Partei-Veranstaltung der Grünen in Lünen gestört haben soll. Die NRW-Grünen hatten bislang eine zu wenig entschlossene Gangart der Sicherheitsbehörden gegenüber Combat 18 beklagt. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Neonazi-Mutterorganisation „Blood & Honor“ bereits im Jahr 2000 verboten worden sei, deren bewaffneter Arm Combat 18 jedoch erst an diesem Donnerstag.

Nach Angaben der NRW-Landesregierung vom Juli 2019 standen in NRW insgesamt 19 Personen aus dem rechtsextremen Spektrum unter besonderer Beobachtung des Verfassungsschutzes wegen des Verdachts auf rechtsterroristische Aktivitäten.

Aus der Antwort der NRW-Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Landtag NRW vom August 2019 ging hervor, dass zu diesem Zeitpunkt insgesamt zwölf „Combat 18“-Mitglieder in NRW gemeldet waren, davon alleine vier in Dortmund. Auch in Hamm, Köln, Mönchengladbach und Waltrop waren „Combat 18“-Mitglieder gemeldet, heißt es in dem Bericht der NRW-Landesregierung. Andere „C18“-Mitglieder seien zwischenzeitlich aus NRW weggezogen.

Vorwurf an Behörden: „Combat 18“ wurde viele Jahre verharmlost

Vor gut vier Jahren habe sich das Netzwerk „Combat 18“ in NRW neu strukturiert, teilte die Landesregierung auf die Grünen-Anfrage hin mit. Die antifaschistische Recherche-Plattform Exif warf in diesem Zusammenhang dem Verfassungsschutz und anderen NRW-Behörden vor, die Gruppierung „seit vielen Jahren zu verharmlosen“.

Nach Recherchen der Plattform Exif, auf die sich auch die Antwort auf die Grünen-Anfrage durch die Landesregierung bezog, sei NRW eine von drei Sektionen, in die sich die Gruppierung „Combat 18“ aufgeteilt habe. In einem Bericht auf der Plattform heißt es, „nicht jede Person, die ein ’Combat 18’-Tattoo oder ein ’Combat 18’-Shirt trägt oder ein Drohschreiben mit ‘Combat 18’ unterzeichnet, muss zwangsläufig Mitglied einer C18-Gruppe sein. ‘Combat 18’ dient manchen Neonazis als Label, um sich möglichst militant zu geben und das Bekenntnis zu rechtem Terror vor sich her zu tragen.

„Combat 18“ und Rechtsrock-Szene eng verwoben

„Combat 18“ sei den Erkenntnissen des NRW-Verfassungsschutzes nach, „eng verwoben mit der Rechtsrock-Szene“. Die Dortmunder Neonazi-Band „Oidoxie“ habe sich „seit Jahren als Propagandistin von „Combat 18“ betätigt. „Es liegen aber keine Erkenntnisse dafür vor, dass Mitglieder von ‘Combat 18’ aus NRW aktive Mitglieder einer Rechtsrock-Band sind.“

Nach Informationen der NRW-Landesregierung organisierten die Mitglieder von „Combat 18“ regelmäßig bundesweite Zusammenkünfte sowie gemeinsame Treffen bei rechtsextremistischen Partys und Konzerten. „Einige der Mitglieder fungierten in der Vergangenheit zudem als Ordner bei rechtsextremistischen Veranstaltungen.“

Die Bezüge zur rechtsradikalen Musikszene in Dortmund seien lange bekannt gewesen, sagte Grünen-Innenexpertin Verena Schäffer am Donnerstag. Sie zeigte sich überdies überrascht, dass nur eine Wohnung in NRW durchsucht worden sei, obwohl es etwa acht einschlägig bekannte Mitglieder von Combat 18 an Rhein und Ruhr gebe. Innenminister Reul verwies dagegen darauf, dass das Bundesinnenministerium rechtssicher nur die Wohnung in Castrop-Rauxel habe durchsuchen lassen können.

Bombendrohnung gegen die Merkez-Moschee in Duisburg

„Combat 18“ gilt als bewaffneter Arm des verbotenen „Blood and Honour“-Netzwerks. Die Zahl der Mitglieder rechtsextremer Parteien und Organisationen wie „die Rechte“, „Der 3. Weg“ oder eben „Combat 18“ wird in NRW auf deutlich über 1000 geschätzt. Hinzu kommen noch etwa 3000 Reichsbürger, unter denen viele durch aggressives Verhalten auffallen.

Im Juli 2019 hatte eine Mail mit dem Absatz „Combat 18“ die Räumung der Merkez-Moschee in Duisburg zur Folge. In der Mail wurde ein Bombenanschlag angedroht. (dae/mko/tobi)

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