Film

TV verlegt die Duisburger Mafiamorde nach Mönchengladbach

Tatort Duisburg: Vor der Pizzeria „Da Bruno“ wurden im August 2007 sechs Menschen erschossen. Hintergrund war die Fehde zweier verfeindeter Mafia-Familien aus Kalabrien.

Tatort Duisburg: Vor der Pizzeria „Da Bruno“ wurden im August 2007 sechs Menschen erschossen. Hintergrund war die Fehde zweier verfeindeter Mafia-Familien aus Kalabrien.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Duisburg.  Der Mafia-Krieg mitten in Duisburg mit sechs Toten: Das Massaker vor der Pizzeria „Da Bruno“ ist unvergessen. Heute greift es ein TV-Krimi auf.

Der Schock wirkte weit über Duisburg hinaus. Sechs Menschen, erschossen vor der Pizzeria „Da Bruno“, ein Familienkrieg verfeindeter Mafia-Familien aus Kalabrien auf deutschem Boden, der öffentlich machte, wie fest verankert die ‘Ndrangheta auch in Nordrhein-Westfalen ist. Zwölf Jahre später macht sich Heino Ferch als Kommissar ans Werk, um den Fall im Film „Die Spur der Mörder“ aufzuklären – am Freitag um 20.15 Uhr bei Arte zu sehen. Das Massaker samt Verhaftung der Täterverspricht freilich genügend Stoff für einen prallen Fernsehkrimi. Regisseur Urs Egger interessiert sich allerdings weniger fürs Dramatische als für die kleinteilige Polizeiarbeit.

Killer feuern ihre Magazine leer

Egger verlegt den Schauplatz des Verbrechens nach Mönchengladbach, weil er am Polizisten Ingo Thiel als

Hauptfigur festhalten will. Der löste 2011 das Rätsel um den bundesweit bekannt gewordenen Mord am zehnjährigen Mirco aus Grefrath mit spektakulärer Ermittlungsarbeit. Egger machte ihn mit „Ein Kind wird gesucht“ auch zum Filmhelden, Heino Ferch gab ihm ein Fernsehgesicht. Der mittlerweile verstorbene Duisburger Kommissar Heinz Sprenger, der in Wirklichkeit das Massaker aufklärte, war mit der Thiel-Version einverstanden, wie er vor einem Jahr erklärte.

Mit der nächtlichen Bluttat vor dem Lokal steigt Egger nun ein, zwei Killer feuern ihre Magazine leer und durchlöchern das Auto ihrer Opfer. „Die haben hier eine Riesenschweinerei angerichtet, das lassen wir und nicht gefallen“, ruft Thiel in seine Polizistenrunde, die Kollegen klopfen begeistert auf die Tische. Doch so schwungvoll dieser Thiel loslegt, so sehr wird er sich in den nächsten 90 Minuten im polizeilichen Kleinklein verlieren.

Eine Interpol-Expertin (Verena Altenberger) wird ihm zugeteilt. Und wie sie ihm mit hübsch italienischem Akzent über die Spielregeln im Umgang mit der Mafia unterrichtet, das klingt doch eher nach einem Volkshochschulkurs für unbeteiligte Zuschauer als nach einem Gespräch unter Profis – die Lieblingsschwäche vieler deutscher Fernsehkrimis, wenn sie in den Erklär-Modus umschalten.

Ähnlich peinlich wirkt es, wenn der mausgraue Staatsanwalt (Joachim Król) Thiel die Fallstricke des

Datenschutzes in Deutschland für einen Ermittler erläutert. Erklärt wird ohnehin fortlaufend, weil die Bilder nichts Erhellendes bieten: Das mühselige Aufklärungs-Einmaleins mit Datenabgleichen, DNA-Auswertungen und Computer-Tüfteleien mag eine gewisse dokumentarische Qualität haben, viel aufregender als ein Streifzug durchs Katasteramt ist es aber nicht.

Heino Ferch müht sich vergeblich

Ohnehin fehlt dem bieder heruntergedrehten Film jegliche Dramaturgie. Ohne irgendeinen Höhepunkt reiht er brav die Entwicklungsschritte hintereinander, bis der Haupttäter in Kalabrien endlich geschnappt wird. Egger interessiert sich auch nicht für seine Figuren, sie sind reine Erfüllungsgehilfen einer Nacherzählung. Sie bleiben farblos, weil der Film ihnen so gut wie kein Leben neben der Arbeit gestattet. Eine potenzielle Kronzeugin, die den Tod von Sohn und Ehemann beklagt, wirkt in dieser nüchternen Atmosphäre wie ein Fremdkörper.

So müht sich auch Heino Ferch vergeblich, seinem Thiel so etwas ähnliches wie Profil zu geben. Er raucht Kette, und ab und zu schreit er rum. Am Ende immerhin gestattet er sich ein Lächeln. Weil’s endlich vorbei ist.

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