Prozess

Gericht ahndet Attacke gegen Polizisten vor der "Buddy-Bar"

Schauplatz der Attacke: Die Buddy-Bar am Kopstadtplatz in der nördlichen Essener Innenstadt.

Schauplatz der Attacke: Die Buddy-Bar am Kopstadtplatz in der nördlichen Essener Innenstadt.

Foto: Zlatan Alihodzic

Essen  Bewährung gab es vor Gericht gegen drei Angeklagte, die vor der Essener Shisha-Bar "Buddy" zwei Polizisten im Einsatz attackiert haben sollen.

Die Attacke gegen zwei Polizeibeamte vor der Essener Shisha-Bar "Buddy" ist in erster Instanz vor dem Amtsgericht Essen gerichtlich beendet. Sie hatte im September 2018 Aufsehen erregt, weil ein Bruder des Betreibers der Bar einer Polizistin Beinchen gestellt haben soll. Anschließend war es zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen.

Am Freitag verhängte das Schöffengericht gegen drei Angeklagte, 26 bis 29 Jahre alte Brüder, Haftstrafen, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Der 28 Jahre alte Betreiber der Bar bekam acht Monate Haft, seine Brüder jeweils ein Jahr. Alle drei müssen Sozialstunden ableisten und den Beamten Schmerzensgeld zahlen. Vor dem Jugendgericht ist bereits vor einigen Monaten ihr zur Tatzeit 17 Jahre alter Bruder verwarnt worden. Zwei Freizeitarreste muss er absitzen und ebenfalls Sozialstunden leisten. Alle Entscheidungen sind nicht rechtskräftig.

Polizistin Beinchen gestellt

Am 7. September 2018 hatten zwei Polizisten auf ihrer Streifenfahrt beschlossen, die Buddy-Bar zu kontrollieren. Das lief eigentlich friedlich ab. Als die Beamten das Lokal verließen, duzte ein weiterer Bruder den männlichen Polizisten und wollte weglaufen. Als die Polizistin ihn verfolgen wollte, stellte laut Urteil der 17-Jährige ihr ein Beinchen. Sie stolperte, ging zu Boden, stand auf und packte sich ihn.

Anschließend kam es zu tumultartigen Auseinandersetzungen, die offenbar aus dem Umfeld der Angeklagten auf Video festgehalten wurden. Es kam zu Tritten und Faustschlägen gegen die Polizisten, aber auch diese setzten sich mit Schlagstock und Fäusten zur Wehr. Mitarbeiter der Tierrettung griffen später mit Pfefferspray ein.

Probleme mit Zeugenaussagen

Richterin Katrin Ruhfus, Vorsitzende des Schöffengerichtes, wies zu Beginn ihrer Urteilsbegründung auf die Probleme mit den Zeugenaussagen hin. Die Polizisten hätten Erinnerungslücken gehabt, was angesichts der langen Zeit seit der Tat verständlich sei. Der Mitarbeiter der Tierrettung habe eine deutliche Entlastungstendenz zugunsten der Polizei gezeigt.

Dass die Tierretter zufällig zu Hilfe geeilt seien, stimme nicht, sagte die Richterin. Diese seien von Anfang an da gewesen. Interessant für das Gericht sei die Verbindung der Organisation mit der Polizei. Ruhfus: "Das hat ein Geschmäckle." Das Gericht, so die Richterin weiter, sei auch der Überzeugung, dass die Polizisten die Bar bewusst kontrolliert hätten, "um zu piesacken".

Gericht rügt "verachtenswerte" Tritte

Das sollte aber keine Rechtfertigung für die Angeklagten sein. Die Richterin sprach von "besonders verachtenswerten" Tritten und weiteren Handlungen der Angeklagten. Sie könnten auch nicht anführen, die Sorge um ihren kleinen Bruder, der von der Polizei fixiert wurde, habe sie bestimmt. Ruhfus: "Sie hätten besser beruhigend auf ihn einwirken sollen."

Mit seinem Urteil folgte das Gericht in etwa den Anträgen von Staatsanwalt Thomas Holz, der etwas höhere Strafen verlangt hatte. Die Verteidiger plädierten dagegen auf Freispruch, weil ihre Mandanten, die im Prozess geschwiegen hatten, nicht zweifelsfrei zu identifizieren seien. Rechtsanwalt Volker Schröder: "Das geben die Videos nicht her." Das Gericht hatte sich dagegen genau auf das Bildmaterial gestützt und die Angeklagten anhand ihrer Kleidung identifiziert. Richterin Ruhfus zur Beweislage: "Gott sei Dank haben wir die Videos."

Leserkommentare (10) Kommentar schreiben