Prozess

Im Bus kleine Jungen angefasst - Gericht gibt Bewährung

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Im Bus betatschte der 54-Jährige kleine Jungen. Vor dem Amtsgericht Essen bekam der geistig Behinderte jetzt eine Bewährungsstrafe.

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Ein massiger Mann sitzt auf der Anklagebank im Amtsgericht Essen. Der 54-Jährige aus dem Essener Stadtteil Huttrop, der geistig behindert ist, gesteht am Montag, im Bus mehrfach Jungen betatscht und einmal sein entbößtes Glied gezeigt zu haben. Weil das Schöffengericht keine Wiederholungsgefahr sieht, verurteilt es ihn zu eineinhalb Jahren Haft, die es zur Bewährung aussetzt.

Es sind zum großen Teil keine gravierenden Taten, die dem Mann vorgeworfen werden. Aber welches Leid er damit bei den sieben bis 15 Jahre alten Jungen ausgelöst hat, davon überzeugt sich das Gericht, als es die Opfer selbst und ihre Mütter hört. Die Kinder litten unter Schlafstörungen, entwickelten eine Scheu vor Männern oder trauen sich bis heute nicht mehr, alleine nach draußen zu gehen.

Mutter gibt sich selbst die Schuld

Eine Mutter bricht am Montag in Tränen aus, "weil ich mir selbst die Schuld gebe". Denn sie hatte ihren Sohn erstmals alleine mit dem Bus zur Schule fahren lassen.

Meist geschah es im Borbecker Raum in den Linien 140, 160 und 186. Der Huttroper arbeitete dort in einer Behindertenwerkstatt. Er hatte lange Zeit in einer Behinderteneinrichtung gelebt, war aber so selbstständig, dass er mit seiner Freundin eine eigene Wohnung beziehen durfte.

An Oberschenkel und Po gestreichelt

Zwischen Mai und September 2018 kam es laut Anklage zu sechs Fällen, einige Jungen traf es auf ihren Busfahrten gleich zweimal. Wenn sich die Jungen auf den freien Platz neben ihn gesetzt hatten, wurde er zudringlich. Meist streichelte er sie an Oberschenkel oder Po, einem griff er zwischen die Beine. In einem Fall entblößte er sein Glied.

Die Jungen hatten in der Regel richtig reagiert und sich weggesetzt. Später erzählten sie es ihren Müttern. Einer, damals neun Jahre alt, machte von dem Mann ein Foto. Allerdings nur von hinten. Bilder, die den Angeklagten identifizierten, lieferten die Überwachungskameras in den Bussen.

Angeklagter musste Saal verlassen

Amtsrichter Stefan Groß vernimmt die jungen Zeugen behutsam. Aber nicht alle sind in der Lage auszusagen. Das respektiert das Gericht. Den Angeklagten hatten die Richter während dieser Vernehmungen aus dem Saal gewiesen. Aber dazu wäre er auch freiwillig bereit gewesen, hatte sein Verteidiger Volker Schröder vorab versichert.

Der Angeklagte weist einen Intelligenzquotienten von 72 auf. Damit liegt er an der Grenze zur geistigen Behinderung. Psychiaterin Marianne Miller ist sich sicher, dass von ihm keine Wiederholungsgefahr ausgeht. Sie sieht auch eher eine exhibitionistische Prägung der Taten. Sein Betreuer betont, dass er in einer anderen Werkstatt arbeitet und dorthin mit dem Fahrdienst gebracht wird. So gibt ihm das Gericht die Chance, in Freiheit zu bleiben.

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