Bestattungs-Kultur

Keine gemeinsame Bestattung auf Essener Mensch-Tier Friedhof

Amber, Cartier und Jay-Jay am „Vorführ-Grab“ auf dem Mensch-Tier-Friedhof „Unser Hafen“.

Foto: Kerstin Kokoska

Amber, Cartier und Jay-Jay am „Vorführ-Grab“ auf dem Mensch-Tier-Friedhof „Unser Hafen“. Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Vor über zwei Jahren hat in Essen der erste Friedhof für Menschen und ihre Tiere geöffnet. Doch gemeinsame Bestattung hat es keine gegeben.

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„Unser Hafen“ heißt das idyllisch gelegene Gelände im Essener Stadtteil Frintrop. Aber das Meer ist weit und mit Schifffahrt hat die Sache nichts zu tun. „Unser Hafen“ ist ein Friedhof, allerdings ein besonderer. Denn hier gibt es gemeinsame Grabstätten für Menschen und ihre Haustiere. Die Resonanz bei der Eröffnung im Sommer 2015 war groß, eine gemeinsame Beisetzung hat es auf dem Gelände seitdem jedoch noch nicht gegeben.

Dabei fehlt es nicht an potenziellen Kunden. Laut einer Studie des Industrieverbandes Heimtierbedarf (IVH) und des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) leben derzeit rund 30 Millionen Tiere in deutschen Haushalten – neben 13 Millionen Katzen auch knapp acht Millionen Hunde. Und an denen hängen Herrchen und Frauchen ganz besonders. „Für viele Besitzer ist der Hund ein Begleiter durch alle Lebenslagen“, weiß Willi Brandt, Sprecher der privaten Deutschen Friedhofsgesellschaft, die den „Hafen“ in Essen betreibt. „Da bilden sich fast so enge Freundschaften wie unter Menschen.“

Deshalb wundert es nicht, dass sich bei einer anderen Umfrage 49 Prozent der Befragten positiv zu gemeinsamen Gräbern für Menschen und Tiere äußerten. Von den jüngeren waren es sogar knapp 70 Prozent. Dementsprechend euphorisch fielen im Internet die Kommentare aus, als „Unser Hafen“ eröffnete. „Es war uns aber schon damals klar, dass sich mit Mensch-Tier-Bestattungen nicht der schnelle Euro machen lässt“, sagt Brandt. Man müsse das Projekt langfristig betrachten.

Aber keine gemeinsame Bestattung in mehr als 24 Monaten? Na ja, sagt Brandt, ein interessierter Kunde müsse ja erst einmal sterben. Und nicht nur er. Auch der vierbeinige Liebling müsse das Zeitliche gesegnet haben. Aber von den vielen Interessenten sei zumindest einer – Mensch oder Tier – noch am leben. Was die Sache nicht einfacher macht.

Ist der Hund schon tot, steht er meist in einer Urne auf dem Schrank. Theoretisch könnte man ihn schon beisetzen auf einer Grabstätte, „aber dann beginnt die Ruhezeit zu laufen“, erklärt Brandt. Die beträgt in Essen 25 Jahre und wenn Herrchen bei Bellos Tod 50 oder 60 Jahre alt war, kann diese Zeit zu kurz sein. „Die Menschen werden ja immer älter heutzutage.“

Kirche bestätigt: Keine theologischen Probleme

In einem Fall hätte man in Essen Hund und Herrchen gemeinsam beisetzen können. Aber dabei hat die Evangelische Landeskirche, zu der der Friedhof in Frintrop gehört, nicht mitgespielt. „Da gibt es immer noch Diskussionen“, sagt Brandt. „Die gibt es“, bestätigt Jens Peter Iven, Sprecher der Landeskirche, betont aber auch, es gehe dabei nicht um theologische Fragen. „Grundsätzlich haben wir nichts dagegen, wenn Mensch und Tier gemeinsam beerdigt werden.“

Das Problem sei – verkürzt gesagt – vielmehr, dass die Bestattung eines Menschen ein hoheitlicher Akt sei, den nur die Gemeinde, nicht aber die Deutsche Friedhofsgesellschaft durchführen könne. Dafür müsse es allerdings eine öffentlich-rechtliche Satzung geben, und in die wiederum müsse man alle Kosten für die jeweilige Grabart einrechnen. „Aber diese Kosten hat uns die Gesellschaft bisher nicht übermittelt.“ Brandt dagegen sagt: „Wir haben alles mitgeteilt.“ Die Preise seien ja auch im Internet nachzulesen. Danach kosten Reihen- oder „Freundschaftsgräber“ 69 Euro pro Jahr, ein Familiengrab für bis zu zwölf Urnen 92 Euro. Dazu kommen 330 Euro je Beisetzung. So ganz, sagt der Sprecher der Friedhofsgesellschaft, könne man das Problem selber nicht verstehen. Man werde jedenfalls weiter das Gespräch mit der Kirche suchen. „Denn eigentlich sind wir auf einem guten Weg“. So gut, dass man gerne expandieren und weitere Standorte anbieten würde, sobald man sich mit Gemeinden einig sei. „Der Bedarf bei den Menschen“, ist Brandt überzeugt, „ist jedenfalls da.“

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