Fehlbildungen

Missgebildete Babys: Land will Klarheit bis Ende September

Das Land fragt bei allen Krankenhäusern mit Geburtenstationen ab, ob es eine auffällige Häufung von Missbildungen an der Hand gibt.

Das Land fragt bei allen Krankenhäusern mit Geburtenstationen ab, ob es eine auffällige Häufung von Missbildungen an der Hand gibt.

Foto: DIANA ROOS / WAZ FotoPool

Die Abfrage läuft, ob zuletzt ungewöhnlich viele Babys mit missgebildeter Hand zur Welt kamen. Das Land will Klarheit bis Ende nächster Woche.

Ruhrgebiet. Bis Ende nächster Woche sollen Zahlen vorliegen, wie viele Fehlbildungen an den Händen Neugeborener es in den letzten Jahren in Nordrhein-Westfalen gab. Ende September also: Darauf hofft das Landes-Gesundheitsministerium, das zur Zeit die Krankenhäuser abfragt. „Anschließend werden wir die wissenschaftliche Expertise suchen, um eine Ersteinschätzung zu erhalten, ob die erhobenen Zahlen auffällig sind“, hieß es am Montag aus Düsseldorf.

Wie berichtet, waren im Sommer drei Babys mit je einer rudimentären Hand in einem einzigen Krankenhaus in Gelsenkirchen geboren worden. Weitere Fälle kamen unter anderem aus Datteln, Dorsten, Bochum und dem Kreis Euskirchen hinzu. Ob das eine „auffällige Häufung“ ist, kann bisher niemand sagen, es gibt keine Landeszahlen.

5400 Fehlbildungen aller Art pro Jahr in Deutschland: „Gleichbleibendes Niveau“

Zwischen 2011 und 2018 gab es in Deutschland um die 5 400 Fehlbildungen aller Art bei Babys pro Jahr. „Wir sehen insgesamt ein recht gleichbleibendes Niveau“, so die Techniker-Krankenkasse. Nach der Statistik der „Diagnosedaten der Krankenhäuser“ vom Jahr 2000 an umfasst die Rubrik Q71.3 („Angeborenes Fehlen der Hand oder eines oder mehrerer Finger“) zwischen 45 und 69 Fälle pro Jahr in Deutschland. Die jüngste Zahl von 2017 nennt 47 Fälle. Eine Differenzierung zwischen „Fehlender Hand“ und „Fehlender Finger“ gibt es bisher nicht.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) verweist darauf, dass Fehlbildungen bei Neugeborenen sehr unterschiedliche Ursachen haben können, und dass dazu eine sehr sorgfältige Analyse notwendig ist. „Ein Register würde uns auf jeden Fall weiterhelfen“, sagte der BVKJ-Bundessprecher Hermann Josef Kahl der Deutschen Presse-Agentur.

In 60 Prozent der Fälle bleibt die Ursache bisher unbekannt

Die Krankenkasse Barmer würde „die Einrichtung eines bundesweiten Registers für Fehlbildungen durchaus positiv sehen“, so ein Sprecher am Montag. Allerdings sei ein solches Register mit vielen praktischen Fragen verbunden. „Das fängt bei der Abgrenzung der Fehlbildungen an.“ Aus Kreisen von Handchirurgen hieß es, ein entsprechendes Register für fehlende Hände habe „bisher niemand für wichtig erachtet. Es ist vielleicht zu selten.“

Die Registrierung von Menschen mit Behinderungen wird seit 1945 äußerst vorsichtig gehandhabt. In Selbsthilfegruppen von Menschen mit fehlenden oder eingeschränkten Gliedmaßen kursiert die Zahl von 90.000 Betroffenen in Deutschland. Wie es heißt, blieben bisher in 60 Prozent der Fälle die Ursache dauerhaft unbekannt.

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