Karneval

Polizei prüft Drohungen gegen den Kölner Rosenmontagszug

Anprobe: Innenminister Herbert Reul im Schneider-Atelier mit der gerade fertigen Uniform.

Anprobe: Innenminister Herbert Reul im Schneider-Atelier mit der gerade fertigen Uniform.

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Köln.   Via Twitter kündigen Aktivisten aus dem Hambacher Forst an, den Rosenmontagszug zu blockieren. Protest richtet sich gegen „jecken“ Minister Reul.

Reul als Roter Funke: Da sehen linke Aktivisten offenbar rot. Nachdem NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) angekündigt hat, beim Kölner Rosenmontagszug auf einem Wagen mitzufahren, tragen Protestler aus dem Hambacher Forst ihre Wut in den Karneval: Mit einer Sitzblockade wollen sie den Zug ausbremsen. Die Polizei ist gewarnt.

Die ersten Fotos des herzlich lachenden Ministers mit hochgerecktem Daumen und maßgeschneiderter Uniform waren möglicherweise der Anlass für Protestaufrufe bei Twitter. Im Kurznachrichtendienst wurden „Freunde des #HambacherForst“ prompt dazu aufgerufen, den „Zoch“ in Köln zu besuchen – mit ausdrücklicher Nennung der Namen Reul und „Rote Funken“. „Vermummung ist ja am Rosenmontag ausdrücklich erwünscht.“ Von Kamelle und Tomaten ist die Rede, die dem Minister zugeworfen werden sollen. Einer schreibt: „Wir machen mit Herry den Larry.“ Was bedeutet: „Wenn alle mitmachen, wird dies der 1. Rosenmontagszug in Köln, der sein Ziel wegen der längsten Sitzblockade ever nicht sein Ziel erreicht. . .“

Polizei prüft, ob es konkrete Protest-Pläne gibt

Ein Sprecher der Kölner Polizei sagte, es werde überprüft, wie ernst diese Nachrichten zu nehmen seien, ob es tatsächlich konkrete Planungen gebe. Grundsätzlich nehme man solche Dinge ernst; möglicherweise müsse das Sicherheitskonzept angepasst werden. Die Sicherheit, so der Sprecher, habe „bei so einem Großevent mit vielen Hunderttausend Menschen höchste Priorität“. Das Festkomitee Kölner Karneval äußerte sich zurückhaltend: Man solle den Rosenmontagszug nicht instrumentalisieren.

Ob die Kohle-Gegner im Rheinischen Revier das wirklich wollen, ist undurchsichtig. Vertreter verschiedener Protestgruppen bestätigten nicht, dass bereits Aktionen geplant sind. Der Sprecher einer Bürgerinitiative warnte im Kölner Stadtanzeiger davor, die Unterstützer im Kampf um den Hambacher Forst gegen sich aufzubringen. Von ihnen gebe es in der Domstadt viele.

Für Aktivisten ist Reul im „Karneval nicht willkommen“

Das sagt auch ein Sprecher des Aktionsbündnisses „Ende Gelände“ dieser Redaktion: Er halte es für „gewagt, dass Reul sich der Kölner Stadtgesellschaft stellt“. Die Bevölkerung habe „den Unmut darüber nicht vergessen, dass der Minister im Vorjahr den ,Hambi’ geräumt hat“.

Innenminister Reul gilt bei den Aktivisten als Reizfigur, nachdem es bei der groß angelegten Baumhaus-Räumung im Braunkohlegebiet zu verbalen Auseinandersetzungen gekommen war. Reul habe dort „Unfrieden gestiftet“, sagt eine Sprecherin von „Ende Gelände“, er sei im Karneval „nicht willkommen“. Zwar stehe es ihm frei, ergänzt der Kollege, bei den „Roten Funken“ mitzufahren, er müsse in der „jecken Zeit“ aber auch damit rechnen, dass das Publikum frei seine Meinung zeige – mindestens werde er vom Rand des Zuges ausgebuht.

Für Herbert Reul geht „ein Traum in Erfüllung“

Die „Roten Funken“ – mit richtigem Namen „Kölsche Funke rut-wieß vun 1823“ – sind Kölns ältestes Karnevalskorps, genau so alt übrigens wie der Zug selbst. Ehrengäste auf dem Wagen bekommen stets eine maßgeschneiderte Uniform. Herbert Reul steht ab dem 4. März in einer „Ahnen“-Reihe etwa mit Heidi Klum oder Lukas Podolski. Für ihn, sagte er, gehe damit „ein Traum in Erfüllung“. Den Spaß am „Zoch“ unter dem diesjährigen Motto „Uns Sproch es Heimat“ (Unsere Sprache ist Heimat) will sich der 66-Jährige auch durch die Twitter-Warnungen nicht nehmen lassen: Er lasse sich, erklärt ein Sprecher des Ministeriums, „die Vorfreude auf den höchsten rheinischen Feiertag nicht verderben“.

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