Prozess

Polizei tritt Türe auf und findet 540 Gramm Marihuana

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen  Das Treppenhaus roch nach Cannabis. Im Inneren der Gelsenkirchener Wohnung entdeckten die Beamten das Marihuana. Jetzt begann der Prozess.

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Ein bisschen zu laut hat er Musik gehört, und jetzt sitzt er tatsächlich wegen Rauschgifthandel vor Gericht. Der 23 Jahre alte Gelsenkirchener findet das offenbar nicht gerecht, denn er will mit den 540 Gramm Marihuana eigentlich nichts zu tun haben. Seit Montag muss er sich vor dem Essener Landgericht verantworten.

Ein "Schocktag" sei der 15. Juli 2018 für ihn gewesen, sagt der Angeklagte. Aktuell steht er kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung. Damals habe er nach der Pleite seines ersten Ausbildungsbetriebes aber gegammelt, die Zeit mit "Abhängen" verbracht.

Musik gehört, gequatscht und gekifft

Am 15. Juli habe er in der Wohnung eines Freundes gesessen, der selbst gar nicht da war. Mit anderen Freunden habe er Musik gehört, gequatscht und gekifft. Auf einmal habe es geschellt.

Laut Anklage öffnete er damals, es war gegen Mitternacht, die Türe. Polizisten standen draußen, die von Nachbarn wegen der Ruhestörung alarmiert worden waren. Ein Blick genügte, schon warf der Angeklagte die Tür wieder zu.

Polizist trat die Türe auf

Polizisten lassen sich von Ablehnungen dieser Art selten beeindrucken. Einer von ihnen trat die Türe auf, sie drangen ein und sahen, wie der Angeklagte eine rote Kühltasche aus dem Fenster der Dachgeschosswohnung warf. Weil im Wohnzimmer ein Baseballschläger und Küchenmesser griffbereit in der Nähe lagen, fesselten sie den Angeklagten und seine Freunde, bevor sie auf der Straße nach der roten Tasche suchten.

Marihuana in der Kühltasche

"Das war mein größter Fehler", sagt der Angeklagte heute. Er meint das Hinauswerfen der Tasche, weil ihn das natürlich verdächtig macht. Im Inneren lagen immerhin 478 Gramm Marihuana, weitere 62 Gramm fanden die Beamten in der Wohnung.

Tatsächlich habe er mit den Drogenfunden nichts zu tun, sagt der 23-Jährige: "Die Tasche gehörte mir nicht. Die gehört dem, der in der Wohnung wohnt."

Richter hat "schon bessere Geschichten gehört"

Richter Markus Dörlemann, Vorsitzender der XXV. Strafkammer, zeigt sich skeptisch: "Sie können uns ja alles erzählen. Aber ich habe schon bessere Geschichten gehört."

Nachher zeigt er sich von der Aussage des Wohnungsinhabers dann doch "überrascht". Der 33-Jährige bekennt sich freimütig zum Besitz der Drogen, auch wenn er keine Erinnerung an die rote Kühltasche mehr hat. Er hat eine langjährige Drogenkarriere hinter sich, ist zur Zeit in Therapie: "Ich muss mein Leben in den Griff bekommen." Am kommenden Montag wird der Prozess fortgesetzt.

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